Arbeitslosigkeit in Spanien sinkt: Nur ein Strohfeuer

Kommentar25. Juli 2013, 18:30
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Solange der Sparstift regiert, wird sich an der desolaten Lage Südeuropas wenig ändern

Diese Meldungen wecken Hoffnungen: In Spanien ist die Arbeitslosigkeit erstmals seit zwei Jahren gesunken, Portugal kommt bei seiner Budgetsanierung rascher voran als gedacht und muss zumindest das Tempo der Einsparungen nicht weiter erhöhen.

Doch bei näherem Hinsehen wird klar, dass für die Menschen im krisengeschüttelten Südeuropa noch lange keine Trendwende in Sicht ist. Das drängendste Problem in Spanien, Griechenland und Portugal ist die horrende Arbeitslosigkeit. Gerade hier entpuppen sich die positiven Meldungen als Strohfeuer. Spanien profitiert derzeit von den politischen Spannungen in Nordafrika, viele Urlauber haben sich nach günstigen Alternativen zu Ägypten und Tunesien umgesehen, was den spanischen Tourismus und damit den Arbeitsmarkt kurzzeitig belebte. Doch dieser saisonal günstige Effekt wird nicht ausreichen, das Heer von sechs Millionen Arbeitslosen nachhaltig zu verkleinern.

Schlimmer noch: Portugal und Spanien erfreuen sich seit Monaten eines Exportbooms. Portugal hat seine Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr um rund 15 Prozent gesteigert, Spanien exportierte überhaupt so viel wie nie zuvor. Doch der hoch technisierte Exportsektor schafft nicht genug Jobs, um den Kahlschlag bei Beamten und Dienstleistern zu kompensieren. Solange der Sparstift regiert und kein europäisches Investitionsprogramm gestartet wird, wird sich an der desolaten Lage Südeuropas wenig ändern. (András Szigetvari, DER STANDARD, 26.7.2013)

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