Streit um Schwarze Sulm spitzt sich zu

25. Juli 2013, 18:24
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Betreiber von Kraftwerkprojekt schließt Baustopp aus, neue Vorwürfe von Anrainern

Schwanberg – Der Streit um das geplante Wasserkraftwerk in der Schwarzen Sulm, einem steirischen Fluss auf von der EU geschütztem Natura-2000-Gebiet, zwischen Kraftwerksgegnern und den Projektbetreibern, Peter Masser und Alfred Liechtenstein, wird immer heftiger. Erst vor knapp zwei Wochen waren Umweltaktivisten, die seit Monaten am Fluss campieren, mit Arbeitern des Projekts aneinandergeraten, es kam zu Handgreiflichkeiten. Ein Aktivist erstattete Anzeige, weil ihm eine Kamera abgenommen worden war.

Nun erhebt ein Anrainer schwere Vorwürfe gegen die Projektbetreiber. Georg Aldrian ist mit seinem Grundstück insofern betroffen, als man Grenzen zu seinem Land für eine Leitungstrasse roden müsste. Aldrian hat Bedenken, erzählt er dem Standard: "Wir haben Angst um unsere Quellen, die wir auf unserem Grund haben. Wenn bei den Arbeiten etwas schiefgeht, sind die weg." Die Betreiber würden die Auswirkungen des Projektes "verniedlichen", so Aldrian, der den Forstbescheid mit einem Einspruch blockiert. "Jetzt versucht man über meine Firma Druck zu machen", empört er sich. Ein leitender Mitarbeiter der Projektbetreiber habe Aldrians Arbeitgeber, dem Chef einer Firma für Kranverleih, geraten, den rebellischen Mitarbeiter zu beeinflussen und dafür "große Projekte in Aussicht gestellt". Nachsatz: "Mein Chef ist aber ein Ehrenmann."

Grüne: "Falscher Kataster"

"Da wird alles verdreht, nur weil die Grünen hier einen Dauerbrenner für den Wahlkampf brauchen", tut Peter Masser die Vorwürfe ab. Es lasse sich "sicher aufklären, dass das so niemand gesagt hat". Die betroffene Firma habe von sich aus Kontakt gesucht, "wegen dem Pumpspeicherkraftwerk, das wir auf der Koralm bauen", sagt Masser dem Standard.

Sabine Jungwirth, Klubchefin der steirischen Grünen, die selbst oft vor Ort ist, sieht das anders und erzählt auch von anderen Ungereimtheiten im Umgang mit Nachbarn. So soll bei einer anderen Liegenschaft einer Anrainerin für eine Leitungsquerung mit ungenauen Plänen gearbeitet werden. Dazu gebe es den lapidaren Aktenvermerk "Kataster stimmt mit Natur nicht überein", sagt Jungwirth, "dabei handelt es sich um eine Abweichung von rund 100 Metern". Jungwirth hofft, dass Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) sich noch vor der Wasserrechtsverhandlung am 14. August in alle Gutachten vertieft. Dort soll geklärt werden, ob ein Kraftwerk für das öffentliche Interesse wichtiger ist als die Natur.

Der Umweltdachverband, die Umweltanwältin des Landes Steiermark, Ute Pöllinger, und zahlreiche Organisationen wie etwa der WWF sehen den Fluss europaweit als "einzigartiges Naturjuwel". Auf EU-Ebene läuft zudem ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich.

Berlakovich fordert, wie berichtet, den Baustopp bis zum Abschluss aller laufenden Verfahren. Masser beeindruckt das nicht: "Man hat mich deswegen angerufen, aber der Baustopp beruht auf Freiwilligkeit. Ich kann nicht mittendrin aufhören, das geht technisch nicht und kostet was. Das mach ich sicher nicht." (Colette M. Schmidt/DER STANDARD, 26.7.2013)

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