Lichtblick für die Euro-Südländer

25. Juli 2013, 18:15
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Anzeichen mehren sich, dass zumindest Spanien und Portugal das Schlimmste hinter sich haben. Die Anleger reagieren entzückt

Wien/Madrid/Lissabon - Die Nachricht kam am Donnerstag überraschend: Erstmals seit zwei Jahren hat sich die Lage am spanischen Arbeitsmarkt aufgehellt. Wie das Statistikamt am Donnerstag mitteilte, sank die Quote dank einer einträglichen Urlaubssaison im zweiten Quartal auf 26,3 von 27,2 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres. Damit waren zwar immer noch unglaubliche 5,98 Millionen Menschen ohne Job, aber es war der erste Rückgang der Arbeitslosigkeit seit dem Frühjahr 2011, und eigentlich hatten Volkswirte mit einem leichten Anstieg gerechnet.

Tourismus läuft gut

Die Tourismusbranche, die rund zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, sorgte nun für größere Impulse. "Die Verbesserung ist hauptsächlich auf saisonale Effekte zurückzuführen", betonte Ökonom Angel Laborga von der Sparkassen-Stiftung Funcas. Spanien profitierte in diesem Jahr davon, dass sich viele Europäer nach günstigen Urlaubsalternativen zu Ägypten und anderen nordafrikanischen Ländern umsehen, die sich derzeit im politischen Umbruch befinden.

Gute Nachrichten kamen aber auch aus dem Dauerkrisenland Portugal. Der Staat kommt beim Abbau seines Haushaltsdefizits unerwartet schnell voran. Der Fehlbetrag lag im ersten Halbjahr bei 3,85 Milliarden Euro und damit weit unter der Marke von sechs Milliarden Euro, auf die sich Portugal mit seinen internationalen Geldgebern im Rahmen seines Rettungspakets geeinigt hatte. Zwar legten die Ausgaben der Regierung wegen der höheren Arbeitslosigkeit und wegen eines Stellenabbaus im öffentlichen Dienst zu. Die Einnahmen stiegen aber noch stärker.

Anleger nehmen mehr Risiko

Positiv für die Eurozone ist auch, dass sich der Ausverkauf bei den deutschen Bundesanleihen fortsetzte: Angesichts freundlicher Konjunkturdaten haben sich die Anleger am Donnerstag von den als sichere Häfen geltenden deutschen Staatsanleihen getrennt, die Investoren suchen wieder vermehrt das Risiko. Wie der Ifo-Index am Donnerstag zeigte, bessert sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft zusehends. Der Geschäftsklima-Index stieg im Juli etwas stärker als erwartet um 0,3 auf 106,2 Punkte.

Der wiedererwachte Risikoappetit vieler Anleger machte vor allem Lust auf Anleihen aus Südeuropa, die Renditen für italienische und portugiesische Papiere gingen zurück.

Allianz-Ruf nach mächtigem Finanzkommissar

Optimistisch zeigte sich auch Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, bei einem Wienbesuch am Donnerstag: Er prophezeit dem Euroraum für 2014 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent. Um aber den Erfolg des Euro langfristig zu sichern, müssten finanzpolitische Regeln auf EU-Ebene institutionell verankert werden. Heise sprach sich allen voran für die Schaffung eines mächtigen EU-Finanzkommissars aus, der Kontrolle ausübt und jene Länder, die sich nicht an die wirtschaftlichen Leitlinien halten, zur Rechenschaft zieht.

Die Eurozone müsse zudem aus der Krise rasch Lehren ziehen: So sei ein geordneter Mechanismus für Staateninsolvenzen in Europa ebenso notwendig wie klare Regeln, wann ein Land aus der Eurozone austreten und wann es von den übrigen Ländern hinausgeworfen werden kann. (Reuters/sg, DER STANDARD, 26.7.2013)

  • Der Versicherer Allianz prophezeit dem Euroraum für 2014 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent.
 
    grafik: standard

    Der Versicherer Allianz prophezeit dem Euroraum für 2014 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent.

     

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