Anklage gegen Chinas Ex-Politstar Bo legt "Betriebsunfall" nahe

25. Juli 2013, 18:21
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Bo war zuletzt Parteichef in dem Stadtstaat Chongqing und Politbüromitglied

Die Staatsanwaltschaft in der ostchinesischen Provinzhauptstadt Jinan reichte Donnerstagfrüh offiziell Anklage gegen den im März 2012 entmachteten Spitzenpolitiker Bo Xilai (64) ein. Bo war zuletzt Parteichef in dem von Jinan 2000 Kilometer entfernten Stadtstaat Chongqing und Politbüromitglied. Er ist nun wegen Bestechung, Korruption und Machtmissbrauchs angeklagt. Warum der Prozess in Jinan stattfindet, wurde nicht gesagt.

Chinas veröffentlichte Meinung musste Bo schon am Donnerstag vorverurteilen. Die Chefredaktionen der staatlichen Webportale müssen von der Anklage der Staatsanwaltschaft vorab erfahren haben. Nur so ist erklärbar, dass alle staatstragenden Online-Medien, von Xinhua, Volkszeitung, Chinas Jugend, Global Times bis hin zum Staatsradio, in nur 20 bis 40 Minuten nach Bekanntgabe der Anklageerhebung bereits mit ihren Kommentaren im Netz waren. Sie begrüßten den Prozess als völlig korrekt und rechtzeitig. Er sei ein neuer Beweis, wie entschieden Peking gegen die Korruption kämpfe.

Bos Frau Boku Kailai wurde vergangenen August wegen Mordes an ihrem britischen Geschäftspartner Neil Heywood zu lebenslanger Haft verurteilt. Chongqings Polizeichef Wang Lijun, ein Helfershelfer von Bo, der sich später gegen ihn stellte und in das US-Konsulat von Chengdu flüchtete, erhielt 15 Jahre Haft.

Pekings neue Führung erlaubt es nicht, öffentlich alle Details im Fall Bo aufzudecken. Bo, so sickerte über informierte Anwälte durch, soll wegen einfacher Korruption in Millionenhöhe und Amtsmissbrauchs wohl zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werden. Sein Fall werde so zum persönlichen Betriebsunfall eines vom redlichen Weg abgekommenen Politstars, aber nicht zum Problem des Systems erklärt. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 26.7.2013)

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    Von Medien vorverurteilt: Bo Xilai

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