Muslimbrüder mobilisieren nach Armee-Aufruf

25. Juli 2013, 18:17
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Nach dem Aufruf von Armeechef Sisi zu Großdemonstrationen gegen die Muslimbrüder rufen nun diese ihrerseits ihre Gefolgsleute auf die Straße. Die Angst vor einem Bürgerkrieg geht um

Kairo - Die ägyptische Hauptstadt Kairo erwartet am Freitag wieder einen Tag der Proteste. Nach dem Aufruf des ägyptischen Armeechefs Abdelfattah al-Sisi zu Demonstrationen gegen die Muslimbrüder haben diese ihrerseits zu Protesten aufgerufen, jedoch die Friedlichkeit betont. Das Volk müsse "für die Freiheit" und gegen den "blutigen Militärputsch" demonstrieren, der zum Sturz von Präsident Mohammed Morsi geführt habe, erklärte Muslimbrüder-Chef Mohammed Badie.

Badie befindet sich auf der Flucht und wird wie andere hochrangige Mitglieder der Bruderschaft per Haftbefehl von den ägyptischen Behörden gesucht. Der neue Generalstaatsanwalt Hisham Barakat hat am Mittwoch die Verhaftung von neun führenden Brüdern angeordnet. Ihnen werde Aufhetzung zur Gewalt vorgeworfen. Morsi wird vom Militär an einem unbekannten Ort ohne Anklage festgehalten.

Am Mittwoch hatte Armeechef Sisi die Ägypter in einer Fernsehansprache aufgefordert, am Freitag auf die Straße zu gehen, um ihm das Mandat zu erteilen, "dem Terrorismus und der Gewalt ein Ende zu bereiten". Die staatlichen und privaten Fernsehstationen wiederholten am Donnerstag den Aufruf Sisis. Die Muslimbrüder, aus deren Reihen der entmachtete Staatschef Morsi stammt, sowie mit ihnen verbündete islamistische Gruppen warfen dem Armeechef vor, er habe zum "Bürgerkrieg" aufgerufen. Auch der Fernsehprediger Yusuf al-Qaradawi meldete sich mit einer Fatwa zu Wort. Darin forderte er die Ägypter auf, der Armee den Gehorsam zu verweigern.

Angesichts der befürchteten erneuten Zusammenstöße bei den für Freitag geplanten Massenprotesten kündigte die Polizei ein massives Aufgebot an. Seit der Entmachtung Morsis am 3. Juli durch das Militär wurden bei den politischen Unruhen in Ägypten bereits mehr als 170 Menschen getötet.

Die USA zeigen sich über die Polarisierung in Ägypten zunehmend besorgt. Am Mittwoch gab das Verteidigungsministerium in Washington bekannt, die Lieferung von F-16-Kampfjets an Ägypten stoppen zu wollen. "Angesichts der gegenwärtigen Lage in Ägypten halten wir es nicht für angemessen, derzeit weitere F-16 zu liefern", sagte Pentagonsprecher George Little am Mittwoch in Washington. Der Rest der Militärhilfe läuft jedoch weiter. (AFP/Reuters/red, DER STANDARD, 26.7.2013)

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    General Abdelfattah al-Sisi rief zu Großdemonstrationen am Freitag auf.

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