Großes Echo, kaum Konsequenzen

25. Juli 2013, 18:13
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Siegerlisten werden nicht umgeschrieben - Weltverband kritisiert Doping-Bericht - FIFA ließ Dopingproben der WM 1998 vernichten

Paris - Das Echo zum Doping-Beben aus Frankreich war groß, die Konsequenzen für die aufgeflogenen Ex-Stars wie Jan Ullrich oder Erik Zabel sind dagegen überschaubar. Der Radsport-Weltverband UCI schloss ein erneutes Umschreiben der Siegerlisten kategorisch aus und nahm vielmehr den Überbringer der schlechten Nachricht unter Beschuss. Auch die heutigen Arbeitgeber der früheren Rad-Helden verzichteten auf direkte Maßnahmen und hatten vielmehr lobende Worte für die Arbeit ihrer prominenten Angestellten übrig.

Imageschaden

So hat der Untersuchungsbericht der Anti-Doping-Kommission des französischen Radsports in erster Linie eines geschafft: Dem Image des Radsports einen weiteren negativen Anstrich zu geben. So forderte Ober-Betrüger Lance Armstrong sogleich aus dem fernen Amerika ein Ende der schmerzhaften Vergangenheitsbewältigung. "Wenn wir nicht zusammenkommen, einen Strich ziehen und nach vorne blicken, sind wir alle angeschissen", sagte der lebenslang gesperrte Armstrong dem Internetportal "Cyclingnews".

Überraschendes sei in dem Report nicht dabei gewesen. "Es war eine unglückliche Ära. Wir haben alle die Regeln gebrochen und gelogen", ergänzte Armstrong, dem im Oktober vergangenen Jahres alle sieben Tour-Titel von 1999 bis 2005 wegen langjähriger Dopingpraktiken aberkannt worden waren. Ähnlich will die UCI mit Blick auf die "Tour de Dopage 1998" nicht verfahren. "Die nachträglichen Tests der Tour-Teilnehmer von 1998 wurden vom französischen Labor aus wissenschaftlichen Zwecken durchgeführt und entsprachen nicht den Standards für Anti-Doping-Analysen. Außerdem wurden die Grundsätze der Anonymität und die vorherige Zustimmung der Fahrer zu wissenschaftlichen Zwecken nicht eingehalten", monierte die UCI in einer Stellungnahme. Es seien auch keine B-Proben verfügbar. Diese Ergebnisse könnten daher nicht als gültiger Beweis in Disziplinarverfahren hinzugezogen werden.

Ullrichs Olympia-Medaillen wohl nicht gefährdet

Damit muss sich Ullrich keine Sorgen um seinen zweiten Platz machen, wenngleich das belastende Material dem Jahr seines Toursieges 1997 bedrohlich nah kommt. 2000 hatte Ullrich außerdem Gold und Silber bei den Olympischen Spielen geholt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) wollte eine mögliche Aberkennung der Medaillen schon nach Ullrichs Teil-Geständnis (Eigenblutdoping bei Fuentes) vor gut einem Monat prüfen, dürfte dabei aber kaum Erfolg haben.

So wird auch der 2004 verstorbene Marco Pantani weiter als Toursieger 1998 in den Ergebnislisten geführt, genauso wie Zabel als Gewinner des Grünen Trikots. Und auch an seinem Status als Sportdirektor beim umstrittenen russischen Radrennstall Katjuscha wird sich so schnell nichts ändern. Schließlich heißt der Teamchef Wjatscheslaw Jekimow. Der Russe war jahrelang treuer Helfer von Armstrong im Doping-Rennstall US Postal und dürfte es Zabel nicht übel nehmen, dass er bei seinem emotionalen Geständnis vor sechs Jahren in Bonn - er habe EPO 1996 ausprobiert, aber nicht vertragen - offensichtlich wichtige Fakten unerwähnt ließ.

Keine Auswirkungen

Ungemütlicher dürfte für Zabel noch am ehesten das Gespräch mit den Verantwortlichen der Hamburger Cyclassics ausfallen. Der sechsfache Gewinner des Grünen Trikots ist dort Sportdirektor und muss sich nun verantworten. "Wir werden uns mit Erik Zabel und unserem größten Sponsor Vattenfall zusammensetzen und das besprechen", teilte Reinald Achilles, Sprecher der Veranstalters Upsolut Sports, mit, betonte aber gleichfalls, dass man sehr zufrieden sei.

Ähnliche Töne waren auch beim Team NetApp in puncto Jens Heppner zu hören. Die Nachtests von 1998 stünden in keinem Zusammenhang mit der erfolgreichen Arbeit als Sportdirektor, sagte Teamchef Ralph Denk. Auch vom langjährigen Telekom-Profi liegt eine positive EPO-Probe in den Laboren Frankreichs. Heppner hatte Doping stets bestritten.

Fußballer-Dopinganalysen im Auftrag der FIFA vernichtet

Im Gegensatz zum Radsport bleiben dem Fußball derartige Negativ-Schlagzeilen erspart. Wie die französische Sporttageszeitung "L'Équipe" berichtete, seien die bei der Fußball-WM 1998 gemachten Dopinganalysen auf Anordnung des Weltverbandes FIFA vernichtet worden. Auch mit Blick auf die Anhörung des französischen Teamchefs Didier Deschamps, der zur Zeit des EPO-Skandals bei Juventus Turin spielte und 1998 Kapitän der französischen Weltmeister-Mannschaft war, zeigte sich der Senat weniger auskunftsfreudig. Das Verhör habe hinter verschlossenen Türen stattgefunden, wurde in dem sonst so umfangreichen Bericht knapp aufgeführt.

"Die Kollateralschäden des Berichts treffen - wie immer - nur den Radsport, weil es die einzige Sportart ist, in der man nach 15 Jahren immer noch Gläser mit eingefrorenem Urin aufbewahrt", kritisierte die spanische Sporttageszeitung "Marca". (APA. 25.7.2013)

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    Während der Fußball-Weltverband FIFA Dopinganalysen von Kickern bei der WM 1998 vernichten ließ, wird bei Radprofis nach wie vor schonungslos aufgedeckt.

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