Prozess gegen Jetsetterin mit Grammatikschwäche

25. Juli 2013, 17:21
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61-Jährige soll versucht haben, betrügerisch an drei Millionen Schweizer Franken zu kommen

Wien – "Dass man zwölf Millionen französische Francs überweist, ist ein unbedeutendes Detail für Sie?", fragt Daniela Setz-Hummel, Vorsitzende des Schöffengerichts, dem Margarete P. als Angeklagte gegenübersitzt, ungläubig. "Ja, das ist ein Detail", antwortet die 61-Jährige lässig.

Sie soll einen schweren Betrug versucht haben, lautet die Anklage. Seit den 90er-Jahren führte sie erfolglos einen jahrelangen Rechtsstreit in Liechtenstein, um an drei Millionen Schweizer Franken einer Stiftung zu kommen. Ihren Anspruch begründete sie mit einem einseitigen, mit Schreibmaschine verfassten Dokument mit der Unterschrift ihres Ex-Schwiegervaters. Der Verdacht: Sie soll eines der Blankoformulare, die dieser seiner Familie zuvor gab, nachträglich zu ihren Gunsten ausgefüllt haben.

Nach Pleite nach Südamerika

Der heute 88-Jährige war nach einer spektakulären Pleite nach Südamerika geflüchtet. Mitte der 90er-Jahre wurde er dort verhaftet und in Österreich wegen Betrugs verurteilt, wie er als Zeuge freimütig zugibt, obwohl die Sache längst verjährt ist. Den von P. vorgelegten Vertrag habe er aber nie verfasst, sagt er am Donnerstag.

Der Senat erhascht durch die Angeklagte einen Blick auf die Welt der Reichen und Schönen. "Mein Ex-Mann und ich waren schon vor der Hochzeit beim Grand Prix in Monaco, und er hat mir Wohnungen gezeigt, die ihnen gehören", erzählt sie. Oder: "Zu meinem Geburtstag hat er mir ein Porsche-Cabrio geschenkt. Aber ein fabriksneues", betont sie.

1992 sei die Welt also noch in Ordnung gewesen – und auch zu dem Zeitpunkt, als ihr Ex-Schwiegervater das umstrittene Dokument verfasst habe, in dem dem Paar – oder, im Falle einer Trennung, ihr alleine – die drei Millionen zugesichert wurden.

Streit am Fluchtort

Zwei Jahre später hatte sich das geändert. Am Fluchtort des Schwiegervaters kam es zu einem Streit, worauf sie die Koffer packte, um zurück nach Monaco zu fliegen. Dabei sei sie in der Schreibtischschublade ihres Mannes auf das Dokument gestoßen.

Setz-Hummel beginnt im Akt zu kramen. "In Liechtenstein haben Sie was anderes gesagt. Da sprachen Sie davon, die Urkunde erstmals Weihnachten 1993 gesehen zu haben", stellt sie fest. "Das ist jetzt 20 Jahre her", wischt die Angeklagte den Einwurf beiseite.

Doch die Vorsitzende bleibt hartnäckig. "Und hier habe ich eine Aussage von Ihnen, dass Ihnen Ihr Mann Ende 1992 oder Anfang 1993 davon erzählt hat. Es sei quasi die Gegenleistung für die Überweisung der zwölf Millionen Francs gewesen, mit denen die Flucht finanziert wurde." Es gibt noch eine weitere Version: Der Gatte habe es ihr 1993 im heimatlichen Monaco präsentiert.

"Problem mit Dativ und Akkusativ"

Dann wird es originell. "Da ist ein Brief an Ihren Rechtsanwalt. Ist der von Ihnen?", fragt Setz-Hummel. Die Angeklagte kontert: "Woher haben Sie das? Es ist mir unverständlich, von welcher Behörde Sie den haben." Die Vorsitzende zeigt ihr den Briefkopf – jenen des Liechtensteiner Gerichts.

Schließlich gibt P. zu, dass der Brief von ihr sei. "Kann es sein, dass Sie ein Problem mit Dativ und Akkusativ haben?", fragt Setz-Hummel mit Unschuldsmiene. Um dann aus dem Schreiben an den Anwalt und der Drei-Millionen-Urkunde zu zitieren. Die beide voller Grammatikfehler sind. "Es gibt mehrere, die damit Probleme haben", erwidert die Angeklagte, die nun von der Mindestsicherung lebt, trotzig.

Zur Beischaffung der Originalurkunde und eines Gutachtens wird vertagt. (Michael Möseneder/DER STANDARD, 26.7.2013)

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