"Eine Homo-Ehe steht nicht in Gottes Plan"

Interview mit Video | Peter Mayr
25. Juli 2013, 18:18

Rebecca Sabau von der Christlichen Partei kämpft gegen Abtreibung, findet, dass Homosexualität aus einem "Trauma" entsteht, und kann mit dem Vorwurf, eine Extremistin zu sein, gut leben

STANDARD: Es gibt immer weniger Katholiken in Österreich: Warum soll eine Partei, die rein auf das Christsein setzt, gewählt werden?

Sabau: Der Glaube wird falsch vermittelt. Oft wissen die Menschen gar nicht mehr, was christliche Werte wirklich sind. Nehmen Sie als Beispiel die Ehe: Die christliche Partei ist zwar mit vielen Familienkonstellationen einverstanden - Scheidungsfälle oder Alleinerziehende -, aber der Hauptpunkt muss sein, die "herkömmliche" Familie stärker zu fördern.

STANDARD: Geschieht das zu wenig?

Sabau: Jungfamilien haben es viel zu schwer. Das fängt beim Grundrecht Wohnen an. Alles ist viel zu teuer. Die Mieten schießen in die Höhe, die Betriebskosten steigen. Gute Ausbildung kostet auch immer mehr - siehe Studienkosten.

Rebecca Sabau über ihr Vorbild Esther.

STANDARD: Diese Themen können Sie erst angehen, wenn es genug Unterstützer für den Antritt bei der Wahl gibt. Da schaut es bitter aus?

Sabau: Momentan sieht es wirklich schwierig aus. Die Christliche Partei muss für viele Menschen ein Begriff werden, sie ist einfach noch zu wenig bekannt. Wir gehen da mit dem lieben Gott. Wenn es sein Wille ist, werden wir die Chance bekommen. Wenn nicht, hat er einen anderen Plan für uns.

STANDARD: Was ist Glaube für Sie?

Sabau: Sie fragen mich so philosophisch. Für mich hat der Glaube sehr viel mit Freiheit zu tun, dass man selbst entscheiden darf.

STANDARD: Wie sind Sie bei den Christen gelandet?

Sabau: Ich bin in einer freien christlichen Kirche engagiert. Dort gibt es ein Netzwerk, in dem auch Jobangebote hineingestellt werden. Da war eine Stelle bei der Christlichen Partei offen - und da habe ich mich beworben. Mich interessiert ja die Richtung, und ich wollte auch da aktiv werden.

STANDARD: Mit der ÖVP gibt es doch eine christliche Partei.

Sabau: Die vertritt aber nicht jene Werte, die mir sehr wichtig sind. So vermittelt die ÖVP ja eigentlich ein Pro zu Abtreibung.

STANDARD: Und Sie sind dagegen?

Sabau: Für uns ist es ein Wert, den Menschen von der Zeugung bis zum Tod in allen Etappen des Lebens anzunehmen. Deshalb können wir mit der Fristenlösung auch nicht einverstanden sein.

STANDARD: Abtreibung ist Mord?

Sabau: Es ist die Entscheidung der Mutter gegen das Leben des Kindes.

STANDARD: Gehören Mutter, Vater und Arzt bestraft?

Sabau: Nein. Aber ich bin mir - auch aus meinem Psychologiestudium heraus - sicher, dass es in keinem Fall leicht nach einer Abtreibung ist. Die psychologischen Konsequenzen für die Familie sind sehr hart.

STANDARD: Zur von Ihnen angeführten Wahlfreiheit: Bei der Abtreibung hört diese offenbar auf.

Sabau: Ich bin nicht dafür, Abtreibung zu verbieten. Ich sage nur: Es soll Aufklärung für die Mütter da sein, was das bedeutet.

STANDARD: Aber bitte: Nach Ihrer Lesart kann eine Frau Mutter oder "Mörderin" werden.

Sabau: So würde ich das nicht sehen. Es gibt sicher Fälle, in denen die Mutter aus Verzweiflung so etwas macht und meiner Meinung nach nicht dadurch schuldig wird.


Sabau sieht Homosexualität als "Versuch zur Kompensation" an. Foto: Standard/Bogner

STANDARD: 20-jährig, verheiratet, aktive Christin: Damit fallen Sie so ziemlich aus dem Rahmen.

Sabau: Ja, das stimmt schon, aber so richtige Abneigung habe ich bisher nicht erlebt.

STANDARD: Missionieren Sie auch?

Sabau: Ich versuche das weniger mit offensivem Werben, ich versuche vorzuleben.

STANDARD: Auch als Politikerin?

Sabau: Wenn ich eine Partei wähle, muss mir bewusst sein, welche Werte ich da mittrage - etwa pro Abtreibung oder pro Homosexualität. Da kann ich sicher nicht mit.

STANDARD: Was haben Sie gegen Homosexualität?

Sabau: Ich habe gar nichts dagegen. Aber in einem christlichen Sinne ist das natürlich nicht.

STANDARD: Eine Krankheit?

Sabau: Nein. Aber ich sehe oft, dass es immer aus einem bestimmten Trauma hervorkommt - zum Beispiel das Fehlen des Vaters. Das sind die meisten Fälle, die ich persönlich kennengelernt habe. Es ist vielleicht ein Versuch zur Kompensation.

STANDARD: Also therapierbar?

Sabau: Wenn Sie es so verstehen wollen: Ja.

STANDARD: Das meinen Sie jetzt ernsthaft?

Sabau: Dass man der Person bewusst machen kann, dass etwas fehlt - wenn sie das Bedürfnis hat, da etwas zu tun. Anderenfalls kann man gar nichts dagegen tun. Jemanden zwingen will ich nicht.

STANDARD: Dass sich ein Mann zu einem Mann einfach hingezogen fühlt, das ist unvorstellbar?

Sabau: Ja, daran glaube ich nicht. Die Ehe soll zwischen Mann und Frau sein, um eine Weiterzeugung möglich zu machen.

STANDARD: Hauptsächlich kämpfen Sie also gegen die Homo-Ehe?

Sabau: Eine Homo-Ehe steht nicht in Gottes Plan.

STANDARD: Das klingt alles sehr nach einer Extremistin.

Sabau: So werde ich nicht gesehen, weil ich für andere Meinungen sehr offen bin.

STANDARD: Es überrascht Sie?

Sabau: Na ja, so habe ich es zumindest noch nicht gehört.

STANDARD: Die Postings zu diesem Interview ...

Sabau: ... werde ich lesen. Natürlich werde ich auf viel Kritik stoßen. Aber ich kann von meinem Standpunkt ausgehen und mit den Kritikern ...

STANDARD: ... barmherzig sein?

Sabau: Ja, das ist sehr schön gesagt. (Peter Mayr, DER STANDARD, 26.7.2013)

Rebecca Sabau (20) tritt für die Christliche Partei Österreichs an. Auf welchem Platz, ist allerdings noch völlig offen: Zuerst müssen nämlich erst einmal genügend Unterstützungserklärungen (2600 werden benötigt) für den Antritt bei der Bundeswahl im Herbst gesammelt werden. Die gebürtige St. Pöltnerin ist seit August des Vorjahres verheiratet. Sabau studiert derzeit Psychologie an der Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien. Neben ihrem politischen Engagement für die Christliche Partei arbeitet sie dort auch im Bundesbüro mit.

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Also ich finde sie ganz süß aber sie ist, drücken wir es mal so aus einwenig naiv.
Ich finde allgemein das es eine Trennung zwischen Kirche und Staat geben muss, denn wie die Vergangenheit oder auch heutzutage einige Regime zeigen kriegt man Religion und Staat nicht unter einem Dach.

mir fällt da nur dieses gottvolle lied ein

http://www.youtube.com/watch?v=zQ36S3d1CaU

ist das Kate Micucci? ^^

es ist aber lustig, wenn man es nicht zu ernst nimmt ;)

sie erinnert mich an das eine mädel von dem film Easy A: "If God wanted him to graduate than God would have given him the right answers."

und ich glaube, die CPÖ hat durch diesen auftritt schon an bekanntheit gewonnen. wenngleich an fragwürdiger.

Eine Homo-Ehe steht nicht in Gottes Plan? (II)

Wenn Gott gewollt hätte dass es keine Homosexualität gibt, würde es den Beteiligten keinen Spaß machen bzw. keine Lust bereiten.
Wenn es also Gott egal ist was der einzelne in dieser Hinsicht macht, warum soll es dann keine Homo-Ehe geben?
Wenn Homosexualität so einfach zu verstehen wäre wie Frau Sabau glaubt, dann wären die Homosexuellen schon längst ausgestorben (Kein Nachwuchs)!

Von der Vermessenheit der Kenntnis einen "Gottes Plan" zu kennen und zu verstehen einmal abgesehen.

Als Christlicher Mensch könnte man sich also einfach freuen wenn im Himmel mehr Platz ist, WENN es Gott wirklich nicht gefallen würde. Also wie sang Brian einst: Always look on the bright side of life.

;-)

Das einzige, was mir vom Interview im Kopf blieb.

Das meinen Sie jetzt ernsthaft?

Objektive Berichterstattung?

Lieber Herr Peter Mayr,
sie treiben das arme Mädchen ja in die Enge. Ich könnte mir denken, dass bei Ihren Fragen, selbst unser jüngster Papst Schwierigkeiten hätte. Unsere Kandidatin hatte nicht mal die Möglichkeit auf wesentliche christliche Werte einzugehen. Schade darum....

das sehe ich ähnlich... es gibt viel wichtigere Themen, wo das Christentum echt starke ansätze hat, die in der Bibel auch wesentlich häufiger vorkommen als sexuelle fragen...

Nächstenliebe
Vergebung
ein miteinander wo nicht nur das ich im Vordergrund steht, wo es nicht heisst der mensch ist dem menschen ein wolf
etc.

da sind ganz schön viele ansätze für ein harmonisches miteinander, wenn man sich nicht immer nur auf die Themen die ausgrenzen beschränkt... diese Themen gibt es und wir christen müssen damit umgehen... aber die Priorität liegt woanders, als zu sagen "das und das und das ist nicht im plan gottes"

leider werden christen oft darauf beschränkt (auch durch die art der Befragung) oder sie beschränken sich selbst darauf

Man braucht aber das Christentum (und allgemein Religionen) nicht, um Nächstenliebe, Vergebung, Mitgefühl leben zu können ... andererseits sind es die Religionen, die Hass gegenüber Homosexuellen, Andersgläubigen, Atheisten etc. schüren!

Die Christen beschränken sich selbst darauf.

Die Kirche ist ja selber schuld, dass sie niemand mehr ernst nimmt. SIE kommt ja dauernd auf Menschen zu sprechen "die nicht ihrem Bilde entsprechen". Ich dachte, dass wir nach dem zweiten Weltkrieg klüger geworden sind, was dieses Thema angeht. Die Kirche aber scheinbar nicht.

Ist denn bis heute den Christen nicht aufgefallen, dass sie in ihrer Mission "die Welt zu retten" eben diese eigentlich zerstören und sich selbst lächerlich machen?

Wenn die Kirche ernst genommen werden will, dann soll sie endlich aufhören Menschen, die nicht ihrem Bild entsprechen, an den Pranger zu stellen und als niedere und erbärmliche Wesen zu behandeln und sich endlich verhalten wie sie es die ganze Zeit prädigen!

WELCOME TO THE TWILIGHT ZONE!

brrrr....

Ich bezeichne mich selbst als einigermaßen gläubig.

Aber Frau Sabau kommt mir vor wie ein christlicher Fundi. Einige ihrer Ansichten teile ich, doch das Gesamtbild finde ich abstoßend.

Mit über 3000 Kommentaren mit Abstand der medial erfolgreichste Auftritt aller bisher interviewten "Jungkandidaten". Erfolgreich - zumindest oberflächlich gesehen.

irgendwie ist sie geil!

Jetzt sie oder er?

http://derstandard.at/plink/137... id32781605

Gottes Plan...Ach!

Eine Homo-Ehe steht nicht in Gottes Plan?

<ironie>
Endlich jemand der Gottes Plan kennt!
Und das erst mit 20!
Beeindruckend!
<ironie off>

Es ist aber augescheinlich, dass "Gott" - wer auch immer das sei - den Menschen als Mann und Frau schuf. Die Sexualorgane von Mann und Frau sind zugleich Lust- und Fortpflanzungsorgane. Man könnte daraus ableiten, dass Sexualität einzig zum Zweck der Fortpflanzung lustvoll empfunden wird. Also wesenhaft die Paarung von Mann und Frau meint, und homosexuelle Liebe ausschließt.

Die Aussage von Frau Sabau ist objektiv nachvollziehbar.

Wer soll was geschaffen haben und wie kommt man auf eine solche Idee?

Es ist aber auch augenscheinlich,

dass ebenjener "Gott" auch homosexuelle Lebewesen geschaffen hat. Ihrer Aussage nach könnte man noch meinen, dass menschen, die gleichgeschlechtlichen Verkehr haben, da er nicht dem Plan "Gottes", der Vermehrung, die wohlgemerkt so weit geht, dass die Welt in Kürze überbevölkert sein wird, keine sexuelle Lust empfinden.. Was wohl eine der dümmsten Aussagen ist, die ich seit langem gehört habe. Weiters hat sich der Mensch schon über viele "natürliche Grenzen" hinweggesetzt, also warum nicht auch darüber, dass Menschen desselben Geschlechts keine Kinder haben können. Wozu gibt es künstliche Befruchtung oder Adoption, wenn nicht dafür?

die aussagen von fr. sabau und aller anderen homophoben keingeister sind objektiv ein vollkommener schwachsinn und eine beleidigung für jeden aufgeklärten menschen.

nach der absurden logik, aus der folgt, homosexualität sei unnatürlich (oder wenn sie wollen nicht im plan gottes enthalten) und daher abzulehnen, müssten wir mit der selben notwendigkeit tausende jahre kulturgeschichte von unserer tagesordnung streichen.

Warum Sie so viele "Daumen runter" dafür kriegen versteh ich gar nicht.

"Die Aussage von Frau Sabau ist objektiv nachvollziehbar."

im Zusammenhang mit Religion ist GAR NICHTS "objektiv nachvollziehbar"

wo ist augenscheinlich, dass irgendjemand "schuf"?

biologischer essenzialismus führt ins unglück. immer.

Wie reihen Sie in Ihr Weltbild Menschen ein, die als Zwitter geboren wurden?

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