"Eine Homo-Ehe steht nicht in Gottes Plan"

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Rebecca Sabau von der Christlichen Partei kämpft gegen Abtreibung, findet, dass Homosexualität aus einem "Trauma" entsteht, und kann mit dem Vorwurf, eine Extremistin zu sein, gut leben

STANDARD: Es gibt immer weniger Katholiken in Österreich: Warum soll eine Partei, die rein auf das Christsein setzt, gewählt werden?

Sabau: Der Glaube wird falsch vermittelt. Oft wissen die Menschen gar nicht mehr, was christliche Werte wirklich sind. Nehmen Sie als Beispiel die Ehe: Die christliche Partei ist zwar mit vielen Familienkonstellationen einverstanden - Scheidungsfälle oder Alleinerziehende -, aber der Hauptpunkt muss sein, die "herkömmliche" Familie stärker zu fördern.

STANDARD: Geschieht das zu wenig?

Sabau: Jungfamilien haben es viel zu schwer. Das fängt beim Grundrecht Wohnen an. Alles ist viel zu teuer. Die Mieten schießen in die Höhe, die Betriebskosten steigen. Gute Ausbildung kostet auch immer mehr - siehe Studienkosten.

Rebecca Sabau über ihr Vorbild Esther.

STANDARD: Diese Themen können Sie erst angehen, wenn es genug Unterstützer für den Antritt bei der Wahl gibt. Da schaut es bitter aus?

Sabau: Momentan sieht es wirklich schwierig aus. Die Christliche Partei muss für viele Menschen ein Begriff werden, sie ist einfach noch zu wenig bekannt. Wir gehen da mit dem lieben Gott. Wenn es sein Wille ist, werden wir die Chance bekommen. Wenn nicht, hat er einen anderen Plan für uns.

STANDARD: Was ist Glaube für Sie?

Sabau: Sie fragen mich so philosophisch. Für mich hat der Glaube sehr viel mit Freiheit zu tun, dass man selbst entscheiden darf.

STANDARD: Wie sind Sie bei den Christen gelandet?

Sabau: Ich bin in einer freien christlichen Kirche engagiert. Dort gibt es ein Netzwerk, in dem auch Jobangebote hineingestellt werden. Da war eine Stelle bei der Christlichen Partei offen - und da habe ich mich beworben. Mich interessiert ja die Richtung, und ich wollte auch da aktiv werden.

STANDARD: Mit der ÖVP gibt es doch eine christliche Partei.

Sabau: Die vertritt aber nicht jene Werte, die mir sehr wichtig sind. So vermittelt die ÖVP ja eigentlich ein Pro zu Abtreibung.

STANDARD: Und Sie sind dagegen?

Sabau: Für uns ist es ein Wert, den Menschen von der Zeugung bis zum Tod in allen Etappen des Lebens anzunehmen. Deshalb können wir mit der Fristenlösung auch nicht einverstanden sein.

STANDARD: Abtreibung ist Mord?

Sabau: Es ist die Entscheidung der Mutter gegen das Leben des Kindes.

STANDARD: Gehören Mutter, Vater und Arzt bestraft?

Sabau: Nein. Aber ich bin mir - auch aus meinem Psychologiestudium heraus - sicher, dass es in keinem Fall leicht nach einer Abtreibung ist. Die psychologischen Konsequenzen für die Familie sind sehr hart.

STANDARD: Zur von Ihnen angeführten Wahlfreiheit: Bei der Abtreibung hört diese offenbar auf.

Sabau: Ich bin nicht dafür, Abtreibung zu verbieten. Ich sage nur: Es soll Aufklärung für die Mütter da sein, was das bedeutet.

STANDARD: Aber bitte: Nach Ihrer Lesart kann eine Frau Mutter oder "Mörderin" werden.

Sabau: So würde ich das nicht sehen. Es gibt sicher Fälle, in denen die Mutter aus Verzweiflung so etwas macht und meiner Meinung nach nicht dadurch schuldig wird.


Sabau sieht Homosexualität als "Versuch zur Kompensation" an. Foto: Standard/Bogner

STANDARD: 20-jährig, verheiratet, aktive Christin: Damit fallen Sie so ziemlich aus dem Rahmen.

Sabau: Ja, das stimmt schon, aber so richtige Abneigung habe ich bisher nicht erlebt.

STANDARD: Missionieren Sie auch?

Sabau: Ich versuche das weniger mit offensivem Werben, ich versuche vorzuleben.

STANDARD: Auch als Politikerin?

Sabau: Wenn ich eine Partei wähle, muss mir bewusst sein, welche Werte ich da mittrage - etwa pro Abtreibung oder pro Homosexualität. Da kann ich sicher nicht mit.

STANDARD: Was haben Sie gegen Homosexualität?

Sabau: Ich habe gar nichts dagegen. Aber in einem christlichen Sinne ist das natürlich nicht.

STANDARD: Eine Krankheit?

Sabau: Nein. Aber ich sehe oft, dass es immer aus einem bestimmten Trauma hervorkommt - zum Beispiel das Fehlen des Vaters. Das sind die meisten Fälle, die ich persönlich kennengelernt habe. Es ist vielleicht ein Versuch zur Kompensation.

STANDARD: Also therapierbar?

Sabau: Wenn Sie es so verstehen wollen: Ja.

STANDARD: Das meinen Sie jetzt ernsthaft?

Sabau: Dass man der Person bewusst machen kann, dass etwas fehlt - wenn sie das Bedürfnis hat, da etwas zu tun. Anderenfalls kann man gar nichts dagegen tun. Jemanden zwingen will ich nicht.

STANDARD: Dass sich ein Mann zu einem Mann einfach hingezogen fühlt, das ist unvorstellbar?

Sabau: Ja, daran glaube ich nicht. Die Ehe soll zwischen Mann und Frau sein, um eine Weiterzeugung möglich zu machen.

STANDARD: Hauptsächlich kämpfen Sie also gegen die Homo-Ehe?

Sabau: Eine Homo-Ehe steht nicht in Gottes Plan.

STANDARD: Das klingt alles sehr nach einer Extremistin.

Sabau: So werde ich nicht gesehen, weil ich für andere Meinungen sehr offen bin.

STANDARD: Es überrascht Sie?

Sabau: Na ja, so habe ich es zumindest noch nicht gehört.

STANDARD: Die Postings zu diesem Interview ...

Sabau: ... werde ich lesen. Natürlich werde ich auf viel Kritik stoßen. Aber ich kann von meinem Standpunkt ausgehen und mit den Kritikern ...

STANDARD: ... barmherzig sein?

Sabau: Ja, das ist sehr schön gesagt. (Peter Mayr, DER STANDARD, 26.7.2013)

Rebecca Sabau (20) tritt für die Christliche Partei Österreichs an. Auf welchem Platz, ist allerdings noch völlig offen: Zuerst müssen nämlich erst einmal genügend Unterstützungserklärungen (2600 werden benötigt) für den Antritt bei der Bundeswahl im Herbst gesammelt werden. Die gebürtige St. Pöltnerin ist seit August des Vorjahres verheiratet. Sabau studiert derzeit Psychologie an der Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien. Neben ihrem politischen Engagement für die Christliche Partei arbeitet sie dort auch im Bundesbüro mit.

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