Kinderanwältin an Felix Baumgartner: "Watschen alles andere als gesund"

25. Juli 2013, 16:19
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Offener Brief als Reaktion auf Aussage des Stratos-Springers

Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits hat am Donnerstag einen offenen Brief an Felix Baumgartner geschickt. Darin äußert sie sich kritisch zum Thema leichte Gewalt an Kindern. Hintergrund ist eine Aussage des Basejumpers gegenüber der Zeitschrift "Bunte", er sei für die "gesunde Ohrfeige, wenn's sein muss" - denn bei seinem Vater sei es nicht anders gewesen.

Laut Pinterits ist eine "'Watschen' alles andere als gesund, sie kann Kinder unter Umständen krank machen". Die Juristin erinnerte zudem daran, dass Gewalt an Kindern seit 1989 in Österreich gesetzlich verboten ist.

"Zu oft leichte Schläge als Erziehungsmittel"

"Wie leider viele andere Erwachsene auch versuchen Sie diese Gewalt, die Ihnen als Kind zugefügt wurde, zu bagatellisieren", schrieb Pinterits an Baumgartner. Leider seien im Bewusstsein vieler Erwachsener Sätze wie "eine Watschen hat noch niemand geschadet", "Kinder betteln darum" oder "Was ich mit meinem Kind tue, ist allein meine Sache" verankert.

"Eltern setzen auch heute noch viel zu oft leichte Schläge als Erziehungsmittel ein - wer jedoch Ohrfeigen in manchen Fällen für angebracht hält, rechtfertigt möglicherweise auch härtere Gewalt in Ausnahmefällen, wenn das Kind besonders 'schlimm' war", betonte die Kinderanwältin.

Studie: Nur 30 Prozent der Eltern kennen Gewaltverbot

Einer Studie der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit vom Januar 2013 zufolge geben 55 Prozent der 16- bis 20-Jährigen an, körperliche Gewalt in ihrer Kindheit und Jugend erlebt zu haben.

Die Hälfte aller Eltern bekennt sich dazu, "leichte Formen der Gewalt als Erziehungsmaßnahmen" anzuwenden. 16 Prozent bekennen sich sogar zu schwereren Körperstrafen. Nur 30 Prozent der Eltern ist das Gewaltverbot in der Erziehung bekannt. (APA/red, derStandard.at, 25.7.2013)

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    Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits: "Eltern setzen noch viel zu oft leichte Schläge als Erziehungsmittel ein."

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