Viele Hürden für Promotionsrecht an Donau-Uni Krems

25. Juli 2013, 14:15
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"Keine Doktoratsprogramme, die wir dann gegen Gebühr verkaufen", versichert Vizerektorin Weber

"Donau-Universität Krems erhält ein Promotionsrecht": Das verkündete Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) gemeinsam mit Vizekanzler Michael Spindelegger und Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (beide ÖVP) am Dienstag in einer Pressekonferenz. Der Weg dorthin ist allerdings noch sehr lang, und viele Institutionen können mitreden und Kanzler und Landeshauptmann einen Strich durch die Rechnung machen.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle hat bereits festgestellt, dass es noch "einige Zeit dauern" wird, bis die ersten Studenten in Krems ein Doktoratsstudium beginnen können. Bereits am Dienstag hat die Universitätenkonferenz (Uniko) eine eingehende Prüfung des Promotionsrechts für die Weiterbildungsuniversität gefordert und davor gewarnt, den Ruf des Wissenschaftsstandorts Österreich zu beschädigen.

Der Gesetzesentwurf für die Donau-Uni Krems soll schon Anfang August vom Ministerrat beschlossen werden. Danach geht der Gesetzesentwurf in Begutachtung und soll im Herbst vom neu gewählten Parlament verabschiedet werden. Töchterle will außerdem, dass die Hochschulkonferenz - ein Beratungsgremium des Wissenschaftsministeriums - dem Promotionsrecht der Donau-Uni Krems zustimmt. Die Universität muss dann die Curricula ihrer Doktoratsstudien entweder der Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (AQ) oder einer anderen internationalen Qualitätssicherungsagentur vorlegen und bewilligen lassen.

Keine Grundstudien

Die uniko hat gefordert, dass der Gesetzentwurf seriös geprüft wird. Elisabeth Fiorioli, Generalsekretärin der uniko, präzisiert im Gespräch mit derStandard.at, dass damit auch eine Prüfung der Voraussetzungen für das Promotionsrecht durch unabhängige, renommierte internationale Wissenschaftler gewährleistet werden soll. Die Donau-Universität könne in diesem Verfahren internationale Qualitätsstandards nachweisen. Eigentlich sei es üblich, dass Universitäten mit Promotionsrecht auch Grundstudien wie Bachelor-, Diplom- und Masterstudien anbieten. Es gebe zwar international Ausnahmen, diese seien aber "wissenschaftlich hochrenommierte Einrichtungen", so Fiorioli.

Die Donau-Uni bietet als Weiterbildungsuniversität nur Universitätslehrgänge mit Masterabschluss an. Diese gelten als außerordentliche Studien, deshalb kann die Hochschule auch hohe Studiengebühren verlangen. Ein Masterstudium kostet zwischen 7.000 und 29.000 Euro. Die Donau-Uni unterscheidet sich somit von den anderen öffentlichen Universitäten in Österreich, die auch ordentliche Studien anbieten und dafür nur in geringem Ausmaß Studiengebühren verlangen dürfen. Die Universität ist auch nicht im Universitätengesetz 2002 geregelt, sondern in einem extra für sie geschaffenen Gesetz.

Externe Prüfung geplant

Die Vizerektorin der Donau-Uni, Viktoria Weber, versichert im Gespräch mit derStandard.at, dass die Hochschule ihre Doktoratsprogramme einer externen Qualitätsprüfung unterziehen lassen wird. "Eine Akkreditierung ist ein Qualitätssiegel und in unserem Sinne", so Weber. Die Kritik der Universitätenkonferenz, dass keine Grundstudien angeboten werden, lässt sie nicht gelten. Schließlich habe man mit dem IST Austria in Gugging bereits eine Hochschule ohne Grundstudium in Österreich, die ein Promotionsrecht besitze.

An der Donau-Universität können auch Personen, die kein Bachelorstudium abgeschlossen haben, ein Masterstudium beginnen. "Für Weiterbildungsstudien ist eine mehrjährige Berufserfahrung, in der Regel in leitender Position, im Bereich des jeweiligen Studiengangs einem Studium gleichzusetzen, wobei dies von Fall zu Fall geprüft wird", erklärt Weber. Wie viele Studenten an der Donau-Uni kein Grundstudium abgeschlossen haben, könne sie nicht sagen.

Doktorat für wissenschaftlichen Nachwuchs

Die Doktoratsprogramme, die künftig angeboten werden, sollen sich aber nicht an die derzeitigen Studenten richten. Vielmehr solle der eigene wissenschaftliche Nachwuchs das Programm nutzen können. An der Donau-Uni gibt es bereits jetzt Dissertanten, die ihre Abschlussprüfung in Zusammenarbeit mit einer anderen Universität absolvieren. Außerdem gehe es darum, Professoren zu berufen, die dann mit ihren eigenen Dissertanten an die Universität kommen. "Wir wollen keine Doktoratsprogramme in größerem Maßstab, die wir dann gegen Gebühr verkaufen", so Weber.

Der Universitätsrat habe schon ein externes Gutachten erstellen lassen, dabei sei herausgekommen, dass vor allem im Forschungsbereich Biomedizin und Weiterbildungsforschung die kritische Masse an Studierenden und Forschung für ein Doktoratsprogramm gebe. In  diesen Studien wolle man dann auch mit den Doktoratsprogrammen starten.

Pünktlich zur Verkündung des Promotionsrecht bekommt die Donau-Universität Krems auch einen neuen Rektor. Der ehemalige Sektionschef im Wissenschaftsministerium, Friedrich Faulhammer, der bisher für den Bereich der Universitäten zuständig war, gibt am 1. August seinen alten Job ab und wechselt danach an die Donau-Uni. Im Wissenschaftsministerium wird derzeit übrigens auch der Gesetzesentwurf für das Promotionsrecht der Donau-Uni ausgearbeitet. (Lisa Aigner, derStandard.at, 25.7.2013)

  • Vizerektorin Viktoria Weber versichert: Die Doktoratsstudien werden extern geprüft.
    foto: duk

    Vizerektorin Viktoria Weber versichert: Die Doktoratsstudien werden extern geprüft.

  • Der Campus der Donau-Uni Krems.
    foto: apa/christian mueller

    Der Campus der Donau-Uni Krems.

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