Autoexperten sehen in Erdgas Klimarettung

25. Juli 2013, 13:39
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Der Autofahrerclub ÖAMTC und der Regulierer E-Control fordern die Befreiung von NoVA und Mineralölsteuer

Wien - Mit Erdgas betriebene Pkw sind nach Ansicht von Experten nicht nur sauberer als Diesel- oder Benzinautos, sondern auch deutlich günstiger im Betrieb. Ihre Verbreitung sollte daher mit steuerlichen Anreizen gefördert werden, fordert etwa der Autofahrerclub ÖAMTC. Nach Ansicht von E-Control-Chef Walter Boltz ist die Nutzung von Gas im Pkw-Verkehr "in den nächsten 20 Jahren die einzige technisch machbare Lösung, die auch eine Chance auf Realisierung hat", mit der der Verkehr zur Erreichung der Klimaziele beitragen kann.

Derzeit sind nur rund 8.000 neu zugelassene Erdgas-Pkw in Österreich unterwegs. Das geht aus Zahlen des Fachverbandes der Gas- und Wärmeversorgungsunternehmungen (FGW) hervor. Bei den Lkw seien die Zulassungszahlen überhaupt "enden wollend" - im ersten Halbjahr seien in Österreich 38 Stück zugelassen worden, präzisierte Wolfgang Altmann vom FGW. Das liege auch an der geringeren Energiedichte von Erdgas, weshalb für gasbetriebene Lkw eher LNG (Liquified Natural Gas) als Treibstoff sinnvoll wäre.

Größere Reichweite

Dass die meisten Autofahrer Erdgas-Autos beim Autokauf nicht einmal in Erwägung ziehen, liegt nach Ansicht von Bernhard Wiesinger, dem Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung, vor allem daran, dass sie zu wenig darüber wissen. Eine Umfrage habe ergeben, dass vielen Autofahrern zwar bewusst sei, dass Erdgas umweltfreundlicher sei als Benzin oder Diesel, nur wenig wüssten aber, wie sparsam Erdgasautos seien. "Sie kommen mit dem selben Geldbetrag mit einem Erdgasfahrzeug um 50 Prozent im Vergleich zum Diesel weiter oder um 100 Prozent im Vergleich zum Benzin", sagte Wiesinger.

Weitere Hemmschwellen für den Kauf eines Erdgasautos sei die vermutete geringe Tankstellendichte, Angst vor erhöhter Explosionsgefahr bei Unfällen oder die Befürchtung, mit Gasautos nicht in Tiefgaragen fahren zu dürfen. Diese Befürchtungen ließen sich alle entkräften, sagte Wiesinger. So hätten Crashtests ergeben, dass im Falle eines Unfalls keine höhere Explosionsgefahr bestehe als mit einem herkömmlichen Auto. Bei den Parkhäusern gebe es veraltete gesetzliche Bestimmungen, die noch dazu in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich seien - hier sollte eine bundesweit einheitliche Regelung geschaffen werden, verlangt Wiesinger.

Genügend Tankstellen

Das Argument, es gebe zu wenige Tankstellen, lässt auch Boltz nicht gelten. Tankstellen gebe es genug, vor allem an den Hauptverkehrsrouten. Darüber hinaus sei Gas in ausreichender Menge vorhanden, ebenso die nötige Infrastruktur. "Wenn man in Österreich davon ausgehen würde, dass 100 Prozent des Pkw-Verkehrs - inklusive Tanktourismus - mit Erdgas betrieben wird, dann würde das den Gasverbrauch Österreichs ungefähr verdoppeln. Das ist im bestehenden Gasnetz locker abzudecken. Wir transportieren in Österreich ungefähr den vierfachen inländischen Gasbedarf mit den bestehenden Pipelines", erklärte der E-Control-Chef. "Es gibt also für eine realistische zehn- bis 20-prozentige Durchdringung mit Gasfahrzeugen auch kaum einen Investitionsbedarf."

Insgesamt gebe es in der EU rund 4.000 Gastankstellen und 1,7 Millionen gasbetriebene Pkw, sagte Boltz. Alleine in Italien würden 800.000 Gas-Pkw fahren, in den USA seien es 130.000, aber mit stark steigender Tendenz. Auf Deutschlands Straßen würden ungefähr 90.000 bis 100.000 Gasautos fahren und das Gastankstellen-System sei gut ausgebaut.

Steuerzuckerl

Der ÖAMTC, der bei seiner Initiative nicht nur vom Fachverband (FGW), sondern auch von der E-Control und den Autobauern Fiat, VW und Opel unterstützt wird, fordert von der nächsten Regierung vor allem steuerliche Anreize für die Anschaffung von Erdgas-Autos. So soll bis 2025 keine Mineralölsteuer auf Erdgas eingehoben werden und der Staat soll im selben Zeitraum auch auf die Einhebung der NoVA verzichten. Darüber hinaus befürworten die Proponenten u.a. eine Erdgasabgaben-Befreiung für in das Erdgasnetz eingespeistes und an anderer Stelle entnommenes Biomethan (in Anlehnung an die steuerliche Behandlung von Biodiesel und Bioethanol). (APA, 25.7.2013)

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    Insgesamt gebe es in der EU rund 4.000 Gastankstellen und 1,7 Millionen gasbetriebene Pkw, sagt E-Control-Chef Boltz.

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