Gottlose Hochzeit: Ansturm auf atheistische Trauungen in Irland

Ansichtssache26. Juli 2013, 05:30
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Lizenz zur Eheschließung: Durch eine Gesetzesänderung dürfen auch humanistische Zeremonienmeister Paare vermählen

Irische Paare, die heiraten wollten, mussten bisher entscheiden: Bürokratische Eheschließung auf dem Standesamt oder Trauung durch einen Pfarrer nach christlichem Ritus. Durch einen Gesetzesbeschluss des Parlaments ist es seit heuer möglich, einen gültigen Bund auch unter der Aufsicht humanistischer "Vermähler" zu schließen. Der Ort kann frei gewählt werden.

Seit Jahresbeginn haben sich hunderte Paare mit den Wunschorten für ihre atheistische Traumhochzeiten in Brian Whitesides Vormerkliste eingetragen. Whiteside war der erste lizenzierte Zeremonienmeister. Weil sein Terminkalender bis weit ins kommende Jahr ausgebucht ist, haben nun neun weitere Damen und Herren eine entsprechende Zulassung erhalten.

Sinkender gesellschaftlicher Einfluss

"Wir sind trotzdem sehr beschäftigt", sagt Whiteside zur Nachrichtenagentur Reuters, "und es ist schwierig, den Anfragen nachzukokmmen. Allein in den ersten drei Monaten hatten wir 595 Bewerbungen, was für ein kleines Land wie Irland ziemlich viel ist."

Der Einfluss und die Mitgliederregister der einst mächtigen christlichen Kirchen des Landes schrumpfen laufend. 1996 waren noch 90 Prozent der Ehen in Irland durch die Katholische Kirche oder die anglikanische Church of Ireland geschlossen worden. Bis 2010 fiel dieser Wert auf 69 Prozent.

Der Parlamentsbeschluss gilt auch als Zugeständnis an den zehn Jahre dauernden Einsatz der Humanist Association of Ireland für die Einführung säkularer Trauungen.

Wunsch nach weltlicher Trauung

Ein Einkommen durch die Eheschließungen zu erzielen gestattet das Gesetz den Hochzeitsleitern nicht. Whiteside, ein pensionierter Geschäftsmann aus Dublin, verrechnet als Aufwandsentschädigung 450 Euro und bei weiten Reisen, die dadurch nicht abgedeckt sind, etwas mehr.

Whiteside leitete auch die Vermählung von Brendan Hastings und Suzy Addis in The Millhouse, einem herrschaftlichen Anwesen in der Nähe des 40 Kilometer nördlich von Dublin gelegenen Dorfes Slane.

Das Paar teilte mit vielen Nicht-Gläubigen den Wunsch nach einer atheistischen Heirat. "Andere Hochzeiten drehen sich nur um Jesus und das ist nicht unsere Sache. Wir wurden beide katholisch erzogen, aber haben das aufgegeben", sagt Hastings.

Krawatte statt Stola

Die Bilder zeigen, dass sich eine gottlose Trauung äußerlich nicht merklich von einer traditionell-kirchlichen Heirat unterscheiden muss: Der Brautvater geleitet seine in unschuldigem Weiß gekleidete Tochter zwischen Blumengestecken und Kerzenleuchtern durch den Gang, wo der Bräutigam mit Rose am Frackrevers auf sie wartet.

Die Gäste tragen Anzüge und Sonntagskleider und Pathos. Nur der Zeremonienmeister hat keine Stola um, sondern eine rote Krawatte. (mcmt, derStandard.at, 25.7.2013)

foto: reuters/cathal mcnaughton
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