Krisenherd Mali ringt um Stabilität

Infografik28. Juli 2013, 08:28
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Im einst demokratischen Vorzeigeland ringen aktuell Tuareg, Islamisten und die Regierung um Einfluss - Heute wird ein neuer Präsident gewählt

Bis zum Militärputsch im vorigen Jahr galt Mali als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten in Afrika. Von 1992 bis 2012 gab es ein Mehrparteiensystem mit friedlichen Machtwechseln nach Wahlen. Gleichzeitig kämpfen die Menschen ums tägliche Überleben, denn Mali gehört zu den ärmsten Ländern weltweit. 60 Prozent des Landes sind von Wüste bedeckt.

Die durchschnittliche Lebenserwartung der rund 14,5 Millionen Einwohner, darunter etwa 300.000 Angehörige des Berbervolkes der Tuareg, liegt bei nur 54,5 Jahren. Knapp 95 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Fast drei Viertel der Erwachsenen können nicht lesen und schreiben.

Putsch im März 2012

Nach einem Militärputsch gegen die Regierung von Präsident Amadou Toumani Toure am 22. März 2012 rückten die Tuareg-Rebellen im Norden immer weiter vor. Unterstützung bekamen sie von Islamistengruppen wie der Ansar Dine, der Verbindungen zu Al-Kaida nachgesagt werden. Die Gruppe rief im April vergangenen Jahres gemeinsam mit der Tuareg-"Nationalbewegung" MNLA die unabhängige "Islamische Republik Azawad" in Nordmali aus. Im Juni einigte sich die Übergangsregierung mit den Tuareg-Rebellen auf ein Friedensabkommen.

Im Juli nahmen Soldaten der UNO-Mission zur Stabilisierung Malis (MINUSMA) ihre Arbeit auf und lösten die afrikanische Schutztruppe AFISMA ab. Diese war nach der französischen Militärintervention gegen die Islamisten im Norden des Landes im Jänner entsandt worden.

Am heutigen 28. Juli sollen die Malier einen neuen Präsidenten wählen. 27. Kandidaten stehen zur Auswahl. Mit der Wahl wird die Hoffnung auf eine politische Stabilisierung verbunden. (red/APA, 28.7.2013)

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Quellen für Grafik: APA, Le Monde, BBC, France 24, Le Figaro
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