L'Enfer

Einserkastl24. Juli 2013, 19:24
142 Postings

Bei den Verhandlungen zum Lehrerdienstrecht entsteht ein Gefühl der Aufhebung von Zeit und Raum

Als der Sommer begann, lasen die Österreicher in den Zeitungen von Verhandlungen über ein neues Dienstrecht für Lehrer. Im TV sahen sie ernste Männer der Lehrergewerkschaft und drei Frauen - Unterrichtsministerin Claudia Schmied, Beamtenministerin Heinisch-Hosek und Finanzministerin Fekter -, die einander im Verhandlungssaal gegenübersaßen.

Stunden über Stunden später kamen alle wieder heraus und berichteten über - nichts. Und so immer und immer wieder. Nun, da die Ersten wieder vom Urlaub heimkehren, dieselben Bilder. Doch halt! Die Verhandlungspartner können berichten, man habe sich "aufeinander zubewegt". Wie viele Millimeter? Kann man nicht sagen. Wann wird es einen Abschluss geben? Kann man schon gar nicht sagen. Man habe keine Eile, sagte ein Gewerkschaftsboss schon zu Beginn.

So entsteht ein Gefühl der Aufhebung von Zeit und Raum. Sterne entstehen und verglühen. Die Kontinentalplatten bewegen sich, es kommen die große und die kleine Eiszeit, die Lehrergewerkschaft und ihr theoretischer Vorgesetzter, der Staat, "bewegen sich aufeinander zu". Im Stück Geschlossene Gesellschaft (Huis clos, 1944) von Jean-Paul Sartre befinden sich die Protagonisten in der Hölle. Es brennt aber kein Feuer, sondern: "Die Hölle, das sind die anderen." Sie müssen einander ewig ertragen. Der letzte Satz lautet: "Also - machen wir weiter!" (Hans Rauscher, DER STANDARD, 25.7.2013)

Share if you care.