Stützenhofen: Liberaler Neustart im Gotteshaus

24. Juli 2013, 18:54
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Die Aufregung war groß: ein schwuler Pfarrgemeinderat und ein Pfarrer, der damit nicht leben konnte. Mit einem neuen Pfarrer soll nun Nächstenliebe einkehren

Wien/ St. Pölten - Die Ruhe und Stille hat die 100-Einwohner-Gemeinde im Weinviertel heute wieder voll erfasst. Stützenhofen ist wieder im Gleichgewicht - und keiner weint der temporären Aufregung vor mehr als einem Jahr nach. Der Mann, der damals ungewollt das beschauliche Landleben gehörig durcheinanderbrachte, singt heute jeden Sonntag im Kirchenchor - und ist glücklich mit seiner Rolle als Pfarrgemeinderat. Die Tatsache, dass Florian Stangl homosexuell ist und mit seinem Partner in einem kleinen Haus am Ortsanfang lebt, regt heute keinen mehr auf - weder in der Kirchenbank noch hinter dem Altar.

Wohl auch, weil jener Mann, der mit Kardinal Christoph Schönborns Entscheidung, die deutliche Wahl Stangls letztlich doch anzuerkennen, grobe Probleme hatte, künftig nicht mehr Teil der Kirchengemeinde sein wird: Pfarrer Gerard Swierzek wechselt nämlich mit 1. September 2013 in die Diözese St. Pölten.

Swierzek hatte sich nach der Aufregung in seiner Heimatpfarre zunächst in einen mehrwöchigen Krankenstand begeben und dann beim Kardinal eine Auszeit bis zum August 2013 erbeten.

Neustart beim Nachbarn

Diese nutzte der umstrittene Geistliche vor allem auch, um anderswo auf Gottes Boden wieder Fuß zu fassen. Gerard Swierzek urlaubte nach der Weinviertler Erregung bei einem befreundeten polnischen Pfarrer in der Mostviertler Gemeinde Hohenberg. Dort stieß der Gottesmann offensichtlich auf mehr Verständnis. "Er hat bei den Messen ausgeholfen und war in der Gemeinde sehr beliebt", erzählt Eduard Habsburg, Sprecher von St. Pöltens Diözesanbischof Klaus Küng, im Gespräch mit dem STANDARD.

Daher hat man sich jetzt entschieden, Swierzek den Neustart in Niederösterreich zu ermöglich. Habsburg: "Mit September wird Gerhard Swierzek zum Pfarrmoderator von Dobersberg, Kautzen und Gastern und zum Moderator des Pfarrverbandes bestellt."

Doch nachdem in Stützenhofen dank Hochwürden der Haussegen so gewaltig schief hing, geht man jetzt in St. Pölten auf Nummer sicher. Swierzek muss sich nämlich zunächst in einer einjährigen Probezeit bewähren - und so lange steht der polnische Geistliche auch offiziell weiter im Dienst der Erzdiözese Wien.

In Stützenhofen wird nun der bisherige Kaplan Marcin Wojciech als Pfarrprovisor am Tabernakel walten. Zusätzlich betreut der junge Geistliche auch die zum Pfarrverband gehörenden Nachbargemeinden Ottenthal und Kleinschweinbarth. Befristet ist sein Vertrag mit zwei Jahren.

Unterschriftenliste

Im Ort begrüßt man den Wechsel: "Dem Pfarrer weint hier niemand mehr nach. Swierzek ist nicht an der Pfarre gescheitert, sondern vielmehr an sich selbst und seiner starren Geisteshaltung", meint der Stützenhofner Franz Schuster im STANDARD-Gespräch. Und für den Verbleib des Kaplans hätte man sich sogar per Unterschriftenliste beim Kardinal starkgemacht.

Wojciech als neuer erster Mann am ehemaligen klerikalen Krisenherd im Weinviertel war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Und Florian Stangl wünscht sich und vor allem auch Stützenhofen nur eines: "Ruhe und Gottes Frieden".(Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 25.7.2013)

  • Kleine Gemeinde mit großen Problemen im Vorjahr: Stützenhofen.
    foto: standard/corn

    Kleine Gemeinde mit großen Problemen im Vorjahr: Stützenhofen.

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