Auf dem Highway ist die Hölle los

Kolumne24. Juli 2013, 18:36
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In diesem Sommer darf sich Österreichs Justiz mit Kate Middleton vergleichen

Die Masse an Stoff für Spekulationen, welche die Herzogin bis vor kurzem den Medien zum Thema "Wann kommt das Thronfolger-Baby?" geliefert hat, schaffen unsere Staatsanwälte locker zu den nicht minder glamourösen Fragen: "Wann kommt der Grasser-Prozess? Wie lange müssen wir noch auf die Eurofighter-Schmiergeld-Anklagen warten? Und wird erstmals ein amtierender Bundeskanzler vor Gericht gestellt?"

Bei Letzterem geht es um die Klärung, ob sich Werner Faymann mit teuren Inseraten die Gunst des Zeitungsboulevards erkauft hat und die Rechnungen dafür von ÖBB und Asfinag bezahlen ließ. Auslöser der Ermittlungen war unter anderem eine exklusiv für die Kronen Zeitung kreierte "Werbekampagne" der ÖBB, in der frustrierte Kunden ihrem Ärger über die Bundesbahn Luft machten, gefolgt von einem Statement des damaligen Infrastrukturministers Faymann, in dem dieser versprach, sich um die angeprangerten Missstände zu kümmern. Dass sich ein staatliches Unternehmen öffentlich zur Sau macht und dafür auch noch bezahlt, schien ein absoluter Höhepunkt in der Geschichte der verdeckten Presseförderung zu sein. Doch es gibt noch Luft nach oben.

Nur "Fuzerln" von der Asfinag

Diese Erkenntnis verdanken wir einem dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss vorgelegten Aktenvermerk, der ein Gespräch zwischen dem damaligen Asfinag-Vorstand Lückler und dem Zeitungsherausgeber Wolfgang Fellner - Österreichs Doyen des käuflichen Wortes - dokumentiert. Darin beklagt Fellner, dass die Asfinag nur "Fuzerln" in seiner Tageszeitung Österreich inseriere und präsentiert eine Idee zur Verbesserung dieser ihn störenden Situation: eine sonntägliche Seite in Österreich, auf der er vorhabe "mit Minister Faymann analog zur Kronen Zeitung einen Teil unter dem Motto 'Auto-Ombudsmann' zu gestalten. Dort gäbe es Möglichkeiten, dass Faymann auf spezielle Fragen zu Autobahnen und Schnellstraßen Antwort gibt."

Angesichts der Aussicht auf dieses literarische Juwel müssen querulantische Einwände wie "Wozu muss ein Autobahn-Monopolist überhaupt Inserate schalten? Damit die Leute nicht auf gefälschten chinesischen Billig-Autobahnen nach Linz fahren?" verstummen. Was hätte uns Faymann in seiner Kolumne (Titelvorschlag: "Auf dem Highway ist die Hölle los") wohl mitzuteilen?

Liebe Autofahrer

Vielleicht das: "Liebe Autofahrer! Schon aus meiner Jugendzeit, in der ich nicht wie die anderen nach, sondern statt des Studiums als Taxifahrer unterwegs war, kenne ich Eure Sorgen und Nöte. Immer wenn man selber auf der Autobahn fährt, fahren die anderen auch, und prompt gibt es einen Stau. Da brauchen wir mehr Verteilungsgerechtigkeit beim Verkehr! Und dann erst die vielen Wohnwagen, ein Problem, das mir aus meiner Zeit als Wohnbaustadtrat noch in Erinnerung ist. Ich werd mich drum kümmern, und zum Abschluss noch ein Tipp bei starkem Seitenwind: Stürmische Zeiten, sichere Hand!"

Da in Justizkreisen über die Einstellung des Verfahrens gegen den Kanzler gemunkelt wird, können sich unzufriedene Autobahnbenutzer möglicherweise bald auf Trost vom Auto-Ombudsmann freuen. (Florian Scheuba, DER STANDARD, 25.7.2013)

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