"Wir haben im Stillen darauf gehofft"

Reportage24. Juli 2013, 18:21
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In Spielberg herrscht Freude und Hoffnung über die Rückkehr der Formel 1 - Dass Umweltauflagen das Rennen 2014 noch verhindern könnten, will niemand glauben

Spielberg - Im Himmel ist am Mittwoch mehr los als auf der Rennstrecke, wo nur ein paar Motorräder herumkurven. Störche flattern immer wieder lautlos und tief über die Gegend. Eurofighter auch. Tief, aber alles andere als lautlos schneiden sie scharf durch die blaue Luft.

Ja, vom Lärm her sei man hier "schon anderes gewohnt" als das Brummen von Rennboliden, meint der Wirt Ewald Kraus, der im Stadtkern von Spielberg ein Café betreibt. Im Radio läuft gerade ein Beitrag über die Rückkehr der Formel 1, so laut, dass man es am ganzen Platz hören kann. Wer sich den Stadtkern mit beschaulichen alten Häusern vorstellt, wird enttäuscht: Das Zentrum von Spielberg ist ein knapp 20 Jahre alter Gebäudekomplex aus Stahl, Glas und Beton, umrundet von Plattenbauten.

"Wir haben im Stillen darauf gehofft, aber dass es so schnell etwas wird, haben wir nicht gedacht", erzählt Kraus. Bedenken wegen Umweltauflagen und Lärm würden manche schon haben, "aber die Mehrheit ist sehr positiv eingestellt". Er habe heute auch ungehaltene Anrufer am Telefon gehabt, sagt Gerald Taffanek, der Chef des Tourismusverbandes Aichfeld, zu dem neben Spielberg sieben andere Gemeinden gehören, umrundet von idyllisch grüner Natur. "Es waren Leute, die schon Karten für den Grand Prix 2014 kaufen wollten, aber solange der Rennkalender nicht fix ist, gibt es keine", bedauert Taffanek.

"Bist du deppert, super"

Dafür sind am Vormittag nach dem Bekanntwerden des Vertrags zwischen Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz und Formel 1-Chef Bernie Ecclestone bereits "zwei Drittel der Zimmer für 6. Juli 2014 weg". Aber das sei beim Rennen des Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) nicht anders gewesen.

"Wow, bist du deppert, super", sei sein erster Gedanke gewesen, als er die Neuigkeit gehört habe, erzählt wenig später Manfred Lenger (SPÖ). Lenger ist erst seit März Bürgermeister von Spielberg.

Von 1970 bis 1987 und von 1997 bis 2003 wurde der Große Preis von Österreich in der Formel 1 in Spielberg ausgetragen. "Ganz schlimm" sei die Zeit gewesen, "wo gar nichts war", erinnert sich der 46-jährige Stadtchef, hinter dessen Schreibtisch ein roter Bulle steht. An einer anderen Wand hängt eine Urkunde, auf der Steven Spielberg offiziell bestätigte, dass seine Vorfahren aus der Region stammten. Kein Scherz. Nach dem Hollywoodregisseur ist hier sogar ein Platz benannt.

Mateschitz macht sich rar

Mateschitz habe Lenger noch nicht kennengelernt. Direkt in Spielberg, das heute knapp 5200 Einwohner hat, sei der Getränkekonzernchef so gut wie nie. "Er kommt immer wieder her, aber mit dem Hubschrauber, bleibt am Ring oder in einem seiner Hotels, bevor er wieder entschwebt", sagt Lenger.

Der Bürgermeister erwartet einen wirtschaftlichen Aufschwung für die ganze Gegend. Mit dem Kurzzeiteffekt einmaliger Veranstaltungen könne man das nicht vergleichen, wie es die Grünen tun.

Florian Schwillinsky vom International Central Europe Institute sieht das ähnlich. Er sagte der APA, man könne eine Verdoppelung der jährlichen Bruttowertschöpfung auf 86 Millionen erwarten. Direkt am Ring sind schon jetzt 200 Mitarbeiter beschäftigt, in der Tourismus- und Freizeitbranche rundherum seien 600 neue Jobs entstanden.

Frühere Volksfeste

Ob noch Steuergeld in die Formel 1 investiert werde? "Mateschitz braucht das nicht", glaubt Lenger, der sich auch persönlich freut. Denn als Bub sei er immer im Sommer bei seiner Oma in Spielberg gewesen. "Die Rennen waren damals wie Volksfeste, nicht so vermarktet wie heute."

An frühere Zeiten erinnert am modernen Red-Bull-Ring wenig. Außer vielleicht eine Büste von Jochen Rindt, mit der Aufschrift "Grand Prix Weltmeister 1970". An dessen Tod kann sich Lenger natürlich erinnern. "Wenn ich das Lied höre, das bei seinem Begräbnis gespielt wurde, muss ich immer an ihn denken. Aber fragen Sie mich nicht, welches Lied. Was Trauriges halt." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 25.7.2013)

  • Ein ruhiger Julitag am Red-Bull-Ring in Spielberg. Und doch ist die Welt seit Dienstag für Menschen, die hier arbeiten und wohnen, nicht mehr die gleiche.
    foto: clemens nestroy

    Ein ruhiger Julitag am Red-Bull-Ring in Spielberg. Und doch ist die Welt seit Dienstag für Menschen, die hier arbeiten und wohnen, nicht mehr die gleiche.

  • Uneingeschränkte Freude bei Bürgermeister Lenger.
    foto: clemens nestroy

    Uneingeschränkte Freude bei Bürgermeister Lenger.

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