Naturmagie und Vernetzung

24. Juli 2013, 18:12
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Veranstalter Peter Oswald über sein Arcana-Musikfestival von 25. Juli bis 5. August in der Steiermark

Wien - "Da bin ich einmal mit Beat Furrer raufgeklettert", staunt Veranstalter Peter Oswald. Auf jener Postkarte, die Oswalds Erinnerungen wachruft, sieht man die recht imposante Rosskuppenkante, einen der arrivierten Gesäuse-Klassiker. Und wären es nicht die Inhalte des Arcana-Festivals (sie sind auf der Rückseite der Postkarte zu finden), die zum Besuch animierten - es wäre sicher die von Oswald gewählte Festivalgegend ein zureichender Reisegrund. Schon die Postkarte überzeugt.

Doch Oswald geht es nicht "nur um das eine" - weder nur um Natur, noch ausschließlich um Musik. Es geht um Neue Musik in magischer Atmosphäre; es geht um die Verquickung von Musik und Wissenschaft. Es solle "ein dreizehntägiger Energiestrom zwischen Komponisten, Interpreten, Wissenschaftern und Publikum entstehen", formuliert der Ex-Manager des Klagforums Wien und des Steirischen Herbstes.

Insofern ist auch der Titel des Festivals - Arcana ist ein Orchesterstück von Edgar Varèse - ein bisschen Programm; das Festival fühlt sich seinem Namensgeber verpflichtet. "Edgar Varèse hatte vor 90 Jahren - visionär wie kein anderer Komponist - die Zusammenführung von künstlerischen und wissenschaftlichen Inhalten gefordert", erklärt Oswald.

Kein strenger Zeitplan

Dem wolle man Rechnung tragen, wobei man bei Arcana nicht gestrenge Diskurs-Terminen fürchten muss. Die Konzerte werden zwar in der Regel am Abend stattfinden, in der Stiftskirche Admont, im Kulturhaus Liezen und auch in der Helmut-List-Halle in Graz, wo man den Percussionisten Martin Grubinger hört: "Da braucht man schon große Räume, ansonsten wären die Kosten für die Infrastruktur zu hoch. Da zahlte man sich dumm und dämlich", so Oswald. Was den Diskussionsteil des Festivals anbelangt, den interdisziplinären Dialog zwischen Musik und Wissenschaft, würde man aber nicht "Zeiten festlegen. Wir machen das eher nach Ansage, abhängig vom Wetter. Es sind ja alle da." Grundsätzlich geht es Oswald wohl eben auch um Entschleunigung, auch darum, "tolle Temperamente zusammenbringen, etwas, was ich beim Steirischen Herbst nicht gut genug zusammengebracht habe."

Zu hören bekommen die Gäste Material nach dem Motto "die großen Erzählungen des Lebens, Leidenschaften, und keinesfalls geht es um ,Achtung klassische Musik!'" Das mag Oswald gar nicht, der Uraufführungen unter anderem von Beat Furrer, Johannes Maria Staud oder Hanspeter Kyburz präsentieren wird. In lockerer Atmosphäre hört man denn auch Werke von Salvatore Sciarrino, Georges Aperghis und Friedrich Cerha. In der Reihe der arrivierten Interpreten wiederum finden sich die Neue Vocalsolisten, Bassist Uli Fussenegger, Gitarrist Juan Manuel Cañizares, der an mehreren Tagen Flamenco spielen wird, und auch Klarinettist Ernesto Molinari, der "eine Hommage an den Fußballclub FC Barcelona umsetzt".

Oswald gibt gerne zu, dass der Festivalzeitpunkt (25. Juli bis 5. 8.) ein bisschen kühn gewählt ist. Schließlich laufen die Salzburger Festspiele gerade langsam heiß, und auch in Bayreuth ist ein bisschen was los ... "Es ginge auch einfacher", so Oswald. Immerhin ergibt die Lokation nicht - wie 2010 mit St. Gallen - für viele eine zu umständliche Anreise. "Dieses Jahr habe ich die besten Locations in und um Admont, und es herrscht dort unglaubliche Magie." Damit kann Salzburg nicht ganz mithalten.    (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 25.7.2013)

25. Juli bis 5. 8.

  • Advokat der Moderne: Peter Oswald.
    foto: kairos

    Advokat der Moderne: Peter Oswald.

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