Bahnpensionisten zittern um Zusatzrenten

24. Juli 2013, 17:59
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Wechsel der Pensionskasse birgt Risiken - Gute Gage für Multifunktionär

Wien - Freitag endet die Ausschreibungsfrist für die Suche nach einer Nachfolgegesellschaft für das per Gesetz aufgelöste Pensionsinstitut für Verkehr und Öffentliche Einrichtungen (PI). Interesse gezeigt an den bis zu rund 1500 Pensionisten und 3500 Anwartschaftsberechtigten haben fünf klassische Versicherer bzw. Pensionskassen.

Wie viele davon der vom PI zu kürende Anbieter übernehmen kann, wird erst Ende Oktober feststehen. Bis dahin haben die 32 Mitgliedsfirmen des PI, überwiegend Privatbahnen wie die Raaberbahn, Zeit, für ihre Beschäftigten und Pensionisten eine Pensionskasse namhaft zu machen. Der Rest (darunter 700 Anwartschaften, die keiner Firma mehr zuordenbar sind), wandert zu der vom PI gewählten Pensionskasse.

Die Befürchtung der betroffenen Pensionisten: Dass sie im Zuge der Überstellung noch einmal zur Kasse gebeten werden. Denn in der in der Vergangenheit mussten sie bereits mehrfach kräftige Abschläge bei ihren Betriebspensionen hinnehmen. Um das PI, das Betriebspensionen für Mitarbeitern diverser Privatbahnen verwaltet, vor dem Kollaps zu bewahren, kürzte das PI die Rentenzahlungen 2011 noch einmal massiv. Von 30 Prozent Kürzung wurde praktisch niemand verschont, bei anderen betrug die Reduktion mehr als 60 Prozent. Von 236 Euro monatlicher Zusatzpension bleiben Franz K. sohin schlanke 142 Euro, die angesichts niedriger Zinsen und wechselnder Veranlagungserfolge gute Chancen haben, sich weiter zu verringern.

Keine Alternative

Wehren konnten sich die Pensionisten de facto nicht. Einige sind bei der Anfechtung der vom PI ausgestellten Bescheide bereits beim Höchstgericht abgeblitzt. "Es gab keine Alternative zu den Kürzungen", wirbt PI-Obmann Rudolf Kaiser auf Anfrage des Standard um Verständnis. "Immer weniger Versicherte und schlechte Veranlagungen - wir mussten kürzen, sonst wären wir haftbar gewesen."

Dementsprechend schlecht ist die Stimmung unter den Bahnrentnern, viele sind enttäuscht, auch weil sie einem neuen Anbieter ausgeliefert werden. Was sie auch verbittert: Während ihre Zusatzrenten dramatisch schrumpften, blieb die Aufwandsentschädigung für PI-Spitzenfunktionäre stabil: Dem Obmann stehen gemäß der Funktionsgebührenverordnung des Bundes pro Jahr gut 24.000 Euro zu, also 2000 Euro im Monat. Kaiser gibt seine PI-Funktionsgebühr mit rund 1300 Euro an. Damit seien Spesen und Aufwand pauschal abgedeckt.

Das ist nicht alles, denn mit monatlich 660 Euro schlägt sich Kaisers Raaberbahn-Aufsichtsratsmandat zu Buche. Nicht zu vergessen: das Gehalt, das der gelernte Fahrdienstleiter nach 37 Dienstjahren bei der Raaberbahn einstreift. Das Grundgehalt beträgt gemäß Besoldungsordnung 9510,35 Euro im Monat; er ist dienstfrei gestellt. Als Vorsitzender des Berufsgruppenausschusses Privatbahnen refundiert die Verkehrsgewerkschaft Vida die Hälfte seiner Gage. (Luise Ungerboeck, Renate Graber, DER STANDARD, 25.7.2013)

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