Grand Prix der Emotionen

24. Juli 2013, 18:21
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Formel 1 nach Österreich: Werbetraum in den ORF-Spätnachrichten

Didi Mateschitz saß in seinem Fernsehsaal, wo die "ZiB 24" lief - und er sah, dass es gut war. Mit seinem geplanten Geschenk an die Heimat (Grand-Prix in Spielberg!) hatte er sogar eine um einen Thronfolger erweiterte Königsfamilie von der Nachrichtenspitze vertrieben. Auch sonst lief alles, als hätte seine Werbeabteilung Überstunden eingelegt. Alex Wurz brav, dachte Didi. Von "enormer Werbewirkung" sprach der, forderte das TV-Volk gar auf, "happy" zu sein.

Wie Mateschitz aus dem Sekundenschlaf erwachte, sah er indes plötzlich Niki Lauda. Was der sprach, kam Mateschitz wie ein Werbetraum vor, weshalb er - zur Realitätskontrolle – einen Schluck von der warmen Gute-Nacht-Milch nahm, die man ihm serviert hatte. Kein Traum. Die Milch schmeckte wirklich, folglich war er wach und auch, was Lauda von sich gab, passierte - unbezahlbar, der Niki! Es sei "eh logisch, dass jeder in Österreich dafür sein muss", dass es hier wieder Rennen gibt, "besser kann man es für die Steirer nicht machen". Genau.

Wenn der Lauda beim Sprechen bloß nicht ständig mit der rechten Schulter gezuckt hätte. Das kam Mateschitz so geschmacklos vor, dass er sich vornahm, Niki demnächst auf den unästhetischen Tick hinzuweisen. Der Sekretär setzte den Vorsatz umgehend auf die To-do-Liste. Wobei: Nikis Hinweis auf Didis steirische Gefühle versöhnte. Mateschitz, so Niki, sei ein Steirer, "seine Emotionen hängen" an dem Land. Das hätte er, Didi, selbst nicht romantischer hingekriegt.

Sicher, es wäre nicht unangebracht gewesen, selbst ein Interview zu geben. Roman Rafreider wäre jedoch sicher von den Fragen abgewichen, die ihm Mateschitz' Werbeabteilung freundlich vorgelegt hätte. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 23.7.2013)

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