"Handel ist kein Problembär"

24. Juli 2013, 17:42
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Die Entwicklung im Einzel- und Fachhandel verlief in Österreich durchwachsen, der Ausblick ist ebenfalls verhalten

Wien - Stephan Mayer-Heinisch hält die Häufung großer Pleiten in der Branche, von Dayli bis Niedermeyer, nicht für zufällig. Natürlich hätten viele Unternehmen ihre Hausaufgaben nicht gemacht, litten unter starkem Wettbewerbsdruck, dünnen Kapitaldecken und steigenden Kosten, sagt der Präsident des Handelsverbands. Deswegen den gesamten Einzelhandel in die Pfanne zu hauen sei jedoch fahrlässig. Schließlich habe er immer wieder über Konjunkturkrisen geholfen und bleibe Österreichs zweitgrößter Arbeitgeber. "Der Handel ist kein Problembär."

Handel sei aber mehr Emotionalität, als man glaube. Mayer-Heinisch warnt vor aus seiner Sicht unnötig herbeigeredeten Problemfeldern. "Parteiegoistische Steuerdebatten verunsichern die Leute." Auch das ewige "Saure-Gurken-Thema" rund um den Österreich-Preiszuschlag nerve und schade, zumal Untersuchungen darüber nur auf dünnem Eis stünden. "Der Handel lebt von der Stimmung der Konsumenten." Diese dürfe nicht durch "liederlichen Umgang mit Argumenten aus Jux und Tollerei" aufs Spiel gesetzt werden.

Österreichs Einzelhandel erlebt seit fast einem Jahr durchwachsene Zeiten. Von Jänner bis Juni sanken die Umsätze real um 1,8 Prozent auf 26 Milliarden Euro, erhob die KMU Forschung; Online-Geschäfte sind darin nicht enthalten. Federn lassen mussten vor allem Sparten rund um Mode, Möbel, Heimwerken und Sport. Der Handel mit Kosmetik, Schuhen und Drogeriewaren konnte sich trotz der Dayli-Krise positiv abkoppeln.

Steigende Beschäftigung

Ingesamt blieben die Preiserhöhungen unter der Inflationsrate. Die Beschäftigung stieg regulär um 0,2 und inklusive der geringfügig Angestellten um 2,3 Prozent.

Handelsobfrau Bettina Lorentschitsch erwartet auch für das gesamte Jahr stabile Beschäftigung. Der Handel habe durchaus noch Möglichkeiten, Leute aufzunehmen, signalisiert sie in Richtung der Verkäuferinnen von Dayli. Der Personalzuwachs sei in den vergangenen Jahren stärker gewesen als die Flächenexpansion, ergänzt Marktforscher Peter Voithofer. "Es sind gut ausgebildete Leute gesucht", bestätigt Mayer-Heinisch. In kleinen Orten könnte sich die Suche nach neuen Jobs für Dayli-Mitarbeiter aber schwer gestalten.

Die Konzentration in der Branche nimmt jedenfalls weiter zu. In den vergangenen zehn Jahren erhöhte sich die Verkaufsfläche um neun Prozent - während die Zahl stationärer Geschäfte um sieben Prozent zurückging. 38 Prozent aller Flächen werden mittlerweile von Filialisten betrieben. Ein Drittel der Umsätze verteilt sich zulasten traditioneller Einkaufsstraßen und Stadtzentren auf Shopping- und Fachmarktcenter. 2002 waren es noch 24 Prozent. Und fünf Prozent des Gesamtgeschäfts gehen aufs Konto der Internetanbieter.

Schieflagen einzelner Konzerne gab es immer, sagt Lorentschitsch, auch sie sieht keinen Anlass dazu, eine gesamte Branche schlechtzureden. Die Umsatzrentabilität des Handels sank unter 2,4 Prozent, resümiert Voithofer und spricht von starker Polarisierung. "Wir hätten gerne mehr Dynamik, sind aber froh über die Stabilität." (Verena Kainrath, DER STANDARD, 24.7.2013)

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    Real gingen die Einkaufsumsätze seit Jänner zurück.

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