Apple will der Beste sein - reicht das?

24. Juli 2013, 14:39
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Apple schert sich nicht darum, "die meisten" Geräte herzustellen; der Konzern legt vielmehr Wert darauf, dass er "die besten" baut

Apple schert sich nicht darum, "die meisten" Geräte herzustellen; der Technologiekonzern legt vielmehr Wert darauf, dass er "die besten" baut. Vorstandschef Tim Cook hat diese Philosophie im Mai auf einer Konferenz wiederholt, und man sollte das im Hinterkopf behalten, wenn man den Anlegerjubel über die neuesten Quartalsergebnisse von Apple bewertet. In den drei Monaten bis Ende Juni verkaufte der Konzern 31,2 Millionen iPhones und damit 5 Millionen mehr als erwartet.

Was, wenn iPhone und iPad denselben Weg beschreiten wie der Mac?

Trotzdem sind Apple Zuwächse bei den Smartphone-Marktanteilen ins Stocken geraten. Das muss kein Grund zur Sorge sein, schließlich konzentriert sich Apple darauf, "die besten" Geräte zu bauen. Aber es wirft doch eine potenziell gefährliche Frage auf: Was, wenn iPhone und iPad denselben Weg beschreiten wie der Mac?

Als der Mac herauskam, galt er als revolutionäres Produkt. Bald aber wurde er von einer Welle billiger, qualitätsärmerer PCs verdrängt, die auf dem Betriebssystem Windows von Microsoft  liefen. Im Jahr 2012 waren Apples Computer immer noch die besten am Markt, allerdings machten sie nach Schätzungen der Marktforschung Gartner nur noch 5 Prozent aller weltweit ausgelieferten PCs aus.

Smartphone neu definiert

Das iPhone hat das Smartphone neu definiert, und das iPad hat ein komplett neues Computergenre geschaffen. Beide sind aber mit einer ähnlichen Marktdynamik konfrontiert. Billigere Geräte, die auf Googles mobilem Betriebssystem Android laufen, beherrschten den Smartphone-Markt im Jahr 2012 mit einem Anteil von 69 Prozent, belegen Daten der Marktforschung Strategy Analytics. Das iPhone machte 19 Prozent alle Verkäufe aus.

Bei den Tablets hat sich Apples Marktanteil demnach zwischen 2010, als das iPad herauskam, und 2012 sogar von 79 Prozent auf 39 Prozent halbiert. Der Marktanteil der Android-Geräte legte dagegen im selben Zeitraum von 20 Prozent auf 59 Prozent zu.

5 Prozent

Wie würde Apples Geschäft wohl im Jahr 2017 aussehen, wenn der Konzern mit seinen Tablets und Smartphones nur noch auf einen Marktanteil von 5 Prozent käme? Beide Märkte wachsen weiterhin rapide. Trotzdem würde sich Apples Geschäft wesentlich verkleinern. Auf Basis der allgemeinen Lieferzahlen, die Strategy Analytics voraussagt, würde ein Anteil von 5 Prozent des Tabletmarktes im Jahr 2017 einer Menge von 21 Millionen verkaufter iPads entsprechen - ein Drittel des Absatzes im vergangenen Jahr. Für Smartphones läge die Zahl bei 68 Millionen Stück - die Hälfte dessen, was Apple im Jahr 2012 verkauft hat.

Auch der Druck auf Preise und Margen, den eine Flut billiger Konkurrenzgeräte auslösen dürfte, ist besorgniserregend. Die Preise von iPhone und iPad sinken beide. Und die Gewinnspannen könnten folgen: Heute liege Apples operative Marge für iPhones bei rund 40 Prozent, schätzt Toni Sacconaghi, Analyst bei Bernstein. Die Gewinnspannen für Macs lägen hingegen bei 15 bis 20 Prozent, und die Margen für iPads seien schon ähnlich niedrig, sagt Sacconaghi.

Maßgeschneiderte Software

Ein Schlüsselfaktor, um die besten Computerprodukte zu haben, ist eine maßgeschneiderte Software. Mit der Zeit werden sich Softwareentwickler aber von selbst auf jene Geräte mit dem höchsten Marktanteil konzentrieren - genauso war es auch bei den PCs, die auf Windows basieren.

Insofern ist es klug von Apple, billigere Geräteversionen wie das iPad Mini und das preisgünstigere iPhone herzustellen, das Ende des Jahres auf den Markt kommen soll. Damit dürfte der Konzern verhindern, dass sein Marktanteil jemals auf das Niveau des Mac abrutscht. Apples aktuelle Produkte dürften auch deshalb einen höheren Marktanteil als der Mac halten können, weil sie mit ihrer maßgeschneiderten mobilen Software einen strategischen Marktvorsprung hatten. Noch dürfte es für Apple zudem von Vorteil sein, dass die Smartphone-Käufe von den Verbrauchern gelenkt werden, und nicht von den Unternehmen.

Kein Wiederholung des Mac-Szenarios

Apple kann wahrscheinlich eine Wiederholung des Mac-Szenarios vermeiden. Dennoch wird es auf den Marktanteil ankommen. Und die langfristige Gefahr, die von Android ausgeht, ist wahrscheinlich ernster als es Apples Aktienkurs zurzeit widerspiegelt. (Rolfe Winkler, Wsj.de/derStandard.at, 24.7.2013)

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