Österreich hält sich besser als Euroraum

24. Juli 2013, 13:32
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Geht es nach den Wirtschaftsforschern, müssen jetzt Staatsschulden abgebaut, Pensionsalter angehoben und Steuerquote gesenkt werden

Wien - Österreichs Wirtschaft wird bis 2017 im Schnitt um 1,7 Prozent pro Jahr wachsen. Das Institut für Höhere Studien (IHS) rechnet in seiner am Mittwoch präsentierten Konjunkturprognose damit, dass die heimische Wirtschaftsleistung deutlich schneller zulegen kann als jene der Eurozone insgesamt, die durchschnittlich nur um 1,0 Prozent pro Jahr wachsen soll. Die Arbeitslosigkeit werde aber ebenfalls leicht zunehmen.

Szenario bei gleichbleibendem Ölpreis

Für seine mittelfristige Vorschau übernimmt das IHS die Werte für die kurzfristige Prognose vom Juni für die Jahre 2013 (+0,6 Prozent) und 2014 (+1,8 Prozent). Insgesamt erwartet das Institut, dass das Wachstum in diesem und den nächsten vier Jahren um einen Prozentpunkt kräftiger ausfallen wird als im Durchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre.

Auch in den anderen Industrieländern soll sich die Konjunktur stabilisieren, wegen des notwendigen Schuldenabbaus werde der Aufschwung aber "vergleichsweise verhalten" ausfallen, erwarten die Wirtschaftsforscher. Für die USA wird bis 2017 mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 2,5 Prozent gerechnet. Im Euroraum wird hingegen nur ein durchschnittliches Wachstum von 1,0 Prozent erwartet. Deutlich absetzen kann sich auch künftig die Wirtschaftsgroßmacht China mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 7,7 Prozent. Bei diesen Berechnungen nimmt das IHS einen durchschnittlichen Rohölpreis von 110 US-Dollar je Barrel an, bei einem Euro/Dollar-Wechselkurs von 1:1,30.

Höhere Arbeitslosigkeit

Die Teuerung wird nach IHS-Einschätzung in den nächsten Jahren moderat bleiben, die durchschnittliche Inflationsrate soll 2,0 Prozent betragen. Die Arbeitslosenquote soll nach nationaler Definition auf bis zu 7,5 Prozent (derzeit liegt die Quote bei 6,5 Prozent, Anm.) steigen, die Beschäftigung um durchschnittlich 0,8 Prozent zunehmen. Am Ende des Prognosezeitraums soll die Arbeitslosenquote auf 7,2 Prozent leicht sinken - nach Eurostat-Definition wären das 4,7 Prozent.

Das deklarierte Ziel der Regierung, für das Jahr 2016 einen weitgehend ausgeglichenen Staatshaushalt vorzulegen, hält das IHS für erreichbar - "mit der nötigen Budgetdisziplin und eventuell erforderlichen Nachbesserungen". Was das betrifft, schwebt IHS-Chef Christian Keuschnigg eine Prioritätenliste vor.

Staatsverschuldung abbauen

"Ein Ziel, das eingehalten werden muss: die Staatsverschuldung langsam, aber sicher abzubauen", sagte Keuschnigg. Wichtig seien darüber hinaus die Ermöglichung einer Marktbereinigung im europäischen Bankensektor, eine Anhebung des faktischen Pensionsantrittsalters in Österreich sowie eine Senkung der zu hohen Steuerquote. Österreich müsse seine Staatsverschuldung bis 2016 von 75 auf 70 Prozent des BIP abbauen. Daher würden grundsätzlichere Steuerreformen, für die nicht nur umgeschichtet, sondern auch eingespart werden müsse, "wohl einen etwas längeren Zeitraum brauchen". Vieles werde auch vom Wahlausgang abhängen. "Je nachdem, welche Parteien koalieren, bestimmt das ja die Entschlussfähigkeit und Entscheidungsmöglichkeit der Regierung", so Keuschnigg.

Die Steuerquote von 44 Prozent sei für Österreich ein schwerer Wettbewerbsnachteil und müsse deshalb gesenkt werden, betonte der Wirtschaftsforscher. Wegen der "kalten Progression" seien die Lohnsteuereinnahmen immer mehr gestiegen. "Das ist eine Steuererhöhung, die nicht beschlossen wurde und zu korrigieren ist." Bei der Einkommensteuer sei auch über die Tarifstruktur nachzudenken. "Die Eingangssteuersätze springen ja sprungartig auf ein sehr, sehr hohes Niveau an." (APA, 24.7.2013)

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    Das IHS sieht die Möglichkeit eines Wachstumspfades ohne neue Schulden.

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