Flüchtlingsboot vor Indonesien gesunken: Mindestens fünf Kinder tot

24. Juli 2013, 07:14
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Boot mit rund 200 Menschen war bei schwerem Seegang vor der Südküste Javas verunglückt

Jakarta/Sydney - Mindestens sieben Menschen sind bei einem Unfall eines Flüchtlingsbootes vor der Küste Indonesiens gestorben, teilten Polizei und Rettungskräfte am Mittwoch mit. 156 Flüchtlinge seien gerettet worden, womöglich dutzende wurden aber noch vermisst. In Australien, wohin die Flüchtlinge offenbar unterwegs waren, flammte die Debatte um den Umgang mit dem Problem in der Region neu auf.

Das Unglück ereignete sich bei stürmischer See vor der Südküste des westlichen Teils der Insel Java. Ein indonesischer Polizeisprecher gab an, er rechne damit, dass 204 Menschen an Bord des Bootes waren, das am Dienstagabend (Ortszeit) zu sinken begonnen hatte. Ein Überlebender sprach von mindestens 250 Flüchtlingen.

Fünf Kinder getötet

Einsatzleiter Rochmali sagte, 157 Menschen seien gerettet worden, ein Kind sei später aber gestorben. Die Flüchtlinge würden später genauer befragt, sie hätten aber angegeben, aus dem Irak, dem Iran und aus Sri Lanka zu stammen. Unter den Toten waren nach Angaben der Polizei fünf Kinder, darunter ein eineinhalbjähriges Kleinkind. Auch eine Schwangere und ein rund 30-jähriger Mann starben.

Ein AFP-Reporter, der mit Überlebenden sprach, berichtete, dass rund 40 Menschen in der Dunkelheit stundenlang um ihr Leben schwammen, bis sie die Küste erreichten. Unter ihnen waren auch Frauen und Kinder. Die australische Zeitung "Daily Telegraph" zitierte einen Mann namens Soheil mit den Worten, er sei der einzige Überlebende einer Gruppe von 61 iranischen Flüchtlingen. Seinen Angaben zufolge verließ der sri-lankische Kapitän das sinkende Schiff in einem kleinen Boot.

Flüchtlingsziel war Australien

Die australische Küstenwache gab an, nicht in den Vorfall involviert zu sein. Die indonesischen Behörden koordinierten die Bergungsarbeiten allein. Australischen Medienberichten zufolge war das Ziel der Flüchtlinge Australien. Auf dem gefährlichen Seeweg ertranken in der Vergangenheit bereits hunderte illegale Einwanderer. Seit Jahresbeginn trafen mehr als 13.000 Asylbewerber in Australien ein.

Der Umgang mit den Flüchtlingen ist ein wichtiges Thema vor der Parlamentswahl im September. Am Freitag teilte Australiens Premierminister Kevin Rudd mit, gemäß eines mit Papua-Neuguinea geschlossenen Abkommens würden Bootsflüchtlinge künftig dorthin geschickt. Nach dem jüngsten Unglück befragt verteidigte Rudd das Abkommen am Mittwoch. Es sei eine "klare Botschaft an Schlepper", dass sich nicht in Australien niederlassen könne, wer mit dem Boot dorthin komme.

Berichte über Folterungen in Aufnahmelagern

Neuen Zündstoff gaben der Debatte am Mittwoch Angaben, in Papua-Neuguinea würden Menschen in den Aufnahmelagern gefoltert und vergewaltigt. Diese erhob Rod St George, früherer ranghoher Mitarbeiter eines Lagers auf der Insel Manus, die zu dem Land gehört, im australischen Fernsehsender SBS. "Ich habe niemals so notleidende, so hilflose und so hoffnungslose Menschen gesehen", sagte er. In den Lagern fügten sich Menschen oft aus Verzweiflung Verletzungen zu oder versuchten, sich umzubringen.

Australiens Innenminister Tony Burke bezeichnete die Angaben als "erschreckend". Er werde in den kommenden Tagen nach Manus reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen, sagte er im Radiosender ABC. (APA, 24.7.2013)

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