Bausparen boomt trotz halbierter Prämie

23. Juli 2013, 18:34
108 Postings

Der Staat wird heuer fast doppelt so viel an Kapitalertragsteuer einnehmen, wie er an Prämie auszahlt

Wien - "Die Österreicher sparen trotz niedriger Zinsen kräftig weiter", sagte Ernst Karner von der S-Bausparkasse. Zumindest die Bausparverträge scheinen weiterhin im Trend zu liegen: Im ersten Halbjahr wurden österreichweit bei allen Bausparkassen etwas über 445.000 neue Verträge abgeschlossen, um 12,6 Prozent oder rund 50.000 Stück mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Jobangst drückt Lust auf Darlehen

Vorsichtig sind die Kunden bei der Aufnahme neuer Darlehen geworden: Die Auszahlungen bei den vier Bausparkassen sind um fast ein Drittel auf 1,1 Mrd. Euro gesunken. S-Bausparkassen-Chef Josef Schmidinger führt das u. a. auf die Jobangst angesichts der schwachen Konjunktur zurück. "Die Menschen stellen eine Kreditfähigkeitsrechnung an: Was braucht man zum Leben und was kostet ein Kredit. Wenn man die Inflation dazurechnet, dann bleibt wenig für die Kreditrate übrig", schildert Schmidinger im Standard-Gespräch die Praxis.

In Wien kostet eine 70-m2-Wohnung inklusive Nebenkosten rund 250.000 Euro. Das entspreche einer monatlichen Rate von 800 Euro. Um das zahlen zu können, bedarf es eines monatlichen Nettohaushaltseinkommens von 2.000 Euro. Auch bei den Banken gingen übrigens die privaten Finanzierungen in den ersten fünf Monaten gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um zwei Milliarden Euro zurück.

Und noch einen Trend ortet der Bauspar-Chef: Der Anteil der Darlehenstilgungen steigt, was wiederum darauf zurückzuführen ist, dass die Zahl vorzeitig zurückbezahlter Kredite größer wird. Bei der S-Bausparkasse dürften das heuer bereits etwa 50 Mio. Euro sein.

Finanz profitiert

Jene Kunden, die Geld haben, zahlen lieber ein Darlehen vorzeitig zurück, weil sie wissen, dass sie auf der Bank keine Zinsen bekommen. Ganz im Gegenteil, das vorhandene Kapital wird von Kapitalertragsteuer (KESt.) und Inflation angeknabbert.

Von der ungebrochenen Bausparfreude der Österreicher profitiert seit dem Vorjahr übrigens auch das Finanzministerium recht kräftig. Wie berichtet, wurde die staatliche Bausparprämie im Vorjahr halbiert.

Im ersten vollen Jahr der gekürzten Prämie wird der Staat dafür heuer 50 bis 55 Mio. Euro aufwenden müssen. Gleichzeitig nimmt er aber 90 Mio. Euro an KESt. von den Bausparern ein, nicht zuletzt, weil die Bauspareinlagen steigen - bei einer Durchschnittsverzinsung über den ganzen Bestand von 1,8 Prozent.

Im Vorjahr zahlte der Staat den Bausparern 67 Mio. Euro an Prämie (bis April noch die doppelte) und nahm etwas unter 100 Mio. an KESt. ein. Im Jahr 2011, als die Zinsen noch eine Spur höher waren, lukrierte die Finanzministerin 110 Mio. Euro an Kapitalertragsteuer und musste 114 Mio. Euro an Prämienzahlungen leisten.

Niedrige Prämie

Die staatliche Prämie beträgt maximal 18 Euro oder 1,5 Prozent der jährlichen Einzahlung von 1200 Euro. Zwar kann mehr einbezahlt werden, darüber hinaus gibt es aber keine Förderung mehr. Da die Republik sparen muss, erwartet eigentlich niemand, dass die Prämie wieder ansteigt. Daher wird es über Jahre keinen höheren Zuschuss geben. (cr, sg, DER STANDARD, 24.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bausparen ist in Österreich nach wie vor beliebt, vor allem aber zum Sparen, weniger zum Bauen.

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.