Helmut Brandstätter: "Werde jeden klagen"

23. Juli 2013, 18:29
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"Kurier"-Chef sieht Alijew-Beratung anders als Gericht - Brandstätter: "Die Kasachische Seite will den 'Kurier' mundtot machen"

Wien - Die Guten und die Bösen auszumachen fällt oft schwer. In der Causa um den kasachischen Exbotschafter Rachat Alijew, getötete Banker und die Frage, wie das kasachische Regime Alijew verfolgt, gibt es wohl keine Guten. Und beide Seiten lassen in Wien Agenturen und Anwälte heftig lobbyieren.

Anwalt Gabriel Lansky ist gegen Alijew aktiv. Er vertritt auch die Witwen der getöteten kasachischen Manager. Für die Witwen hat er den Presserat angerufen: Der "Kurier" beschreibe in - bis zur Beschwerde - acht Artikeln, wie Alijew "vom kasachischen Geheimdienst verfolgt und das österreichische Bundeskriminalamt von diesem unterwandert und manipuliert werde". Lansky schreibt, der "Kurier" verletze mit der aus seiner Sicht "kampagnenartigen" und einseitigen Serie "journalistische Regeln der Ausgewogenheit und Fairness" grob. Sie decke sich "im Kern" mit Büchern Alijews.

"Werde jeden klagen"

Lansky verweist auch darauf, dass Helmut Brandstätter die Kommunikationsagentur BBC führte, bevor er "Kurier"-Chefredakteur wurde. Die BBC hatte einen Beratungsvertrag mit der Anwaltskanzlei KWR, die Alijew verteidigt. Lansky schreibt dem Presserat: "Ein neutraler Beobachter wird eine Verbindung zwischen diesem Umstand und der einzigartigen Kampagne im "Kurier" nicht als Zufall betrachten."

Am Freitag auf Puls 4 sprachen die Witwen von einer Beratung. Brandstätter reagierte aus dem Urlaub via Twitter und bekräftigt: "Ja, ich werde jeden klagen, der behauptet, ich sei Berater von Alijew gewesen." Und: "Eine direkte Beratungsleistung des Herrn Alijew, der meines Wissens einen eigenen Kommunikationsberater hatte, hat es nie gegeben, weder durch ein direktes Gespräch oder durch andere Dienstleistungen."

Gegendarstellung

Von "Österreich" verlangte Brandstätter eine Gegendarstellung, er habe Alijew nicht beraten. Das Oberlandesgericht Wien lehnte Ende 2012 ab und zitierte Wirtschaftsstrafrechtler Wolfgang Brandstetter, der mit KWR Alijew vertritt: Die "Beratung" sei "derart erfolgt", dass Brandstätter "Brandstetter als Verteidiger des Alijew Ratschläge erteilt habe, wie sich dieser verhalten solle, insbesondere dahin, ob auf bestimmte Meldungen in den Medien (...) reagiert werden sollte." Alijew habe auf Basis der Ratschläge entschieden. Das Gericht mit Blick auf Medienkonsumenten: Beratungsleistungen für eine Person zu behaupten schließe auch Beratung gegenüber deren Strafverteidiger ein, der sie seinem Mandanten weiterleitet.

"Die kasachische Seite will den 'Kurier' mundtot machen", da er "mehrfach" Methoden Lanskys und Unterwanderung des Bundeskriminalamts "nachgewiesen" habe, erklärt Brandstätter. Sein Chefreporter, "der sich von mir weder was einreden noch ausreden lässt", habe die Serie "in meiner Abwesenheit geschrieben". (fid, DER STANDARD, 24.7.2013)

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    Helmut Brandstätter: "Ja, ich werde jeden klagen, der behauptet, ich sei Berater von Alijew gewesen."

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