Vor 17 Jahren gestohlene Kunstwerke in Kärnten gefunden

23. Juli 2013, 17:54
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Mehr als 100 Objekte, unter anderem von Kiki Kogelnik, Paul Flora und Ricardo Licato, waren unter Brücke deponiert

Maria Wörth / Wien - Als Judith Walker den Anruf der Polizei entgegennahm, dachte sie: "Nicht wieder ein Einbruch!" Die Beamten teilten ihr mit, sie hätten wohl Objekte ihrer Galerie gefunden, es sei eine Broschüre von ihr dabei. Aber die Galeristin konnte in ihren Ausstellungsräumen im Kärntner Schloss Ebenau in Weizelsdorf weder Einbruchsspuren entdecken, noch schien etwas zu fehlen.

Erst als ihr die Ermittler ein Foto des gefundenen Diebsguts sandten, sei ihr klar geworden: Jene Werke, die vor 17 Jahren entwendet worden waren, sind wieder aufgetaucht, schildert Walker dem STANDARD. 1996 hatten Unbekannte in einer Augustnacht 100 von ihr ausgestellte Werke aus dem Schloss Reifnitz gestohlen und einen - in Schilling - Millionenschaden verursacht. Für Walker existenzbedrohend: Da sie die Übersiedlung der Objekte ins Schloss Reifnitz nicht gemeldet hatte, zahlte die Versicherung nichts. Unter den Objekten waren 13 Glasköpfe von Kiki Kogelnik sowie Werke von Paul Flora und Ricardo Licato. Ihr Gesamtwert heute, laut Walker: 260.000 Euro.

Gezielt die wertvollsten Stücke mitgenommen

Auf die in vier Kartons befindlichen Objekte waren vergangenen Donnerstag zwei Klagenfurter Lehrerinnen unter einer Autobahnbrücke im Raum Villach gestoßen. "Sie wollten eine Wanderung machen und suchten einen Parkplatz. Weil ein Karton im Weg gestanden ist, haben sie ihn weggeräumt und hineingeschaut", erzählt Walker.

Das Landeskriminalamt Kärnten hofft nun auf Hinweise aus der Bevölkerung und wertet noch Spuren aus, um die Diebe ausfindig zu machen. Man geht davon aus, dass es sich um kunstverständige Personen handelt, denn beim Einbruch hatten die Unbekannten gezielt die wertvollsten Stücke mitgenommen. Und die Gegenstände dürften fachgerecht gelagert worden sein, denn sie sollen kaum Beschädigungen aufweisen.

Ob tatsächlich alle Kunstwerke wieder da sind, war noch unklar. Walker zufolge sind nur neun der 13 Kogelnik-Glasköpfe wieder aufgetaucht.

Zeitungsartikel als Auslöser

Viele Fragen sind also noch unbeantwortet, eines glaubt Walker aber zu wissen: Warum die Werke ausgerechnet jetzt wieder da sind. "Vor zirka zwei Wochen ist ein Porträt über mich in der Zeitung erschienen", sagt Walker. In dem Artikel der Kleinen Zeitung war zu lesen, wie die heute 70-Jährige sich im Kunstmetier hochgearbeitet hat, die größte Privatgalerie Kärntens etablierte, aber ihr der Einbruch fast alles wieder zunichtegemacht hatte. Der Schreck sitze ihr noch heute in den Gliedern. Am Dienstag konnte Walker ihr "Glück kaum fassen". (APA / spri, DER STANDARD, 24.7.2013)

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    Galeristin Judith Walker mit Werken der Künstlerin Kiki Kogelnik, die vor 17 Jahren gestohlen worden waren.

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