"Lola": Wenn Omas trauern

23. Juli 2013, 17:26
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Zwei Frauen im Alltag von Manila: Dauerregen und ermüdende Behördenläufe - Am Mittwoch, 22.50 Uhr, Arte

Wien – Eine Frau und ein Bube gehen Hand in Hand. Das Kind führt die ältere Frau durch Straßen. Es schüttet, es donnert. Menschen sitzen oder liegen in Hauseingängen, Pappkartons lehnen an Mauern. Auf dem Asphalt glänzen Pfützen  Der Wind weht so stark, dass es der Frau den Regenschirm fast aus den Händen reißt. Irgendwann sind sie am Ziel. Eine Kerze wird angezunden: Lola Sepa (Anita Linda) trauert um ihren ersten Enkelsohn Arnold, der ermordet wurde. Das tut auch die andere Großmutter, Lola Puring (Rustica Carpio), auch sie trauert um ihren Enkelsohn. Der allerdings lebt und ist der Mörder Arnolds.

Laut, eng und chaotisch schildert der philippinische Regisseur Brillante Mendoza in "Lola", Mittwoch, 22.50, Arte, den Ort des Geschehens. Fast wie eine Reportage erzählt er die Geschichte der "Lolas“, wie die Philipinos zu ihren Großmüttern sagen. In  Malabon, einem Stadtteil nahe der Bucht von Manila, überleben die Menschen unter widrigen Umständen.  Unbewältigbar scheint der Alltag, der sich im Dauerregen ereignet und von ergebnislosen Behördenläufen und ermüdenden Be- und Versorgungsgängen geprägt ist.

In "Captive" setzte der 52-jährige Mendoza 2011 Isabelle Huppert in den philippinischen Dschungel. Bereits zwei Jahre zuvor lieferte er mit "Lola" einen Beweis der Kunst  maximaler Ausdruckskraft. Doris Priesching, DER STANDARD, 23.7.2013

  • "Lola", Mittwoch, 22.50, Arte.
    foto: arte

    "Lola", Mittwoch, 22.50, Arte.

  • "Captive" mit Isabelle Huppert.
    foto: arte

    "Captive" mit Isabelle Huppert.

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