Profitabilität: Österreichs Banken Schlusslicht

23. Juli 2013, 13:46
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Ob Einnahmen pro Mitarbeiter oder Ertrag pro Kunden: Heimische Banken sind vergleichsweise schlecht aufgestellt

Das herkömmliche Privatkundengeschäft europäischer Banken ist nach wie vor erstaunlich stabil. Trotzdem ist die Profitabilität des Retailsektors (Vertrieb von Standardprodukten im Privatkundengeschäft, Anm.) im Jahr 2012 auf das niedrigste Niveau seit Beginn der Finanzkrise gesunken, erhob der Berater A.T. Kearney in einer Studie. In Österreich ist diese sogar um 25 Prozent eingebrochen. Ein Grund: Die Geldhäuser haben sich in den vergangenen Jahren sehr stark auf Osteuropa fokussiert und waren "vom heimischen Markt abgelenkt", sagte Bankenexpertin Daniela Chikova.

2012 hatte Österreich - gemeinsam mit Portugal - die schlechteste Cost-to-Income-Ratio (Aufwand-Ertrag-Verhältnis, Anm.) von 76 Prozent. Am kosteneffizientesten waren überraschenderweise spanische Banken (47 Prozent), sie hätten vor der Krise zu den effizientesten Geldhäusern gezählt und ihre Kosten während der Krise weiter reduziert, so Chikova. "Beachtlich" findet die A.T.-Kearney-Expertin, dass es portugiesischen Banken gelungen sei, ihre Kosten 2012 um ganze 7 Prozent zu drücken. Die zweitbesten Werte, was das Verhältnis von Kosten zu Ertrag betrifft, hatten skandinavische Banken (50 Prozent), gefolgt von den britischen (53 Prozent) und den polnischen (55 Prozent).

Schlusslicht Österreich

Schlecht haben die Banken dagegen in Deutschland (74 Prozent) und Frankreich (65 Prozent) abgeschnitten. Dem Schlusslicht Österreich sei es nicht gelungen, die stagnierenden Umsätze mit Kostendämpfung zu kompensieren, konstatiert A.T. Kearney. Beim Ertrag pro Kunden mussten Europas Banken ebenfalls massiv Federn lassen. Dieser ist seit 2007 um 30 Prozent auf 144 Euro im Vorjahr abgesackt. Österreich hat sich auf 86 Euro verschlechtert (2011: 91 Euro) und lag deutlich unter dem Schnitt, aber "nahe an der Entwicklung von Deutschland, Frankreich und Großbritannien", so Chikova.

Die Unterschiede innerhalb Europas waren auch hier enorm: Während spanische und portugiesische Banken mit jedem Retail-Kunden, den sie bedienen, Geld verlieren (der Verlust beträgt in Italien, Spanien und Portugal 19 Euro), nahmen die skandinavischen und Schweizer Institute 356 Euro pro Kunde ein. In diesen Ländern zahlen die Kunden beträchtlich mehr für Bankdienstleistungen: Die Schweizer geben der Studie zufolge 1.166 Euro im Jahr für Kreditzinsen, Kontogebühren und Co. aus, ein Bankkunde in Österreich legt 610 Euro auf den Tisch. Am wenigsten zahlten mit 305 Euro die Portugiesen.

Einnahmen pro Mitarbeiter

Ähnlich die Lage bei den Einnahmen pro Mitarbeiter. "Die Kluft wird jedes Jahr größer", sagte Chikova. 2012 schwankte dieser Wert zwischen 120.000 Euro in Portugal und 445.000 Euro in Skandinavien. In Österreich nahm ein Bankmitarbeiter im Vorjahr nur mehr 196.000 Euro ein, nach 199.000 Euro 2011. Der Median für Westeuropa lag im Vorjahr bei 202.000 Euro.

Puncto faule Kredite stehen Österreichs Banken im Privatkundengeschäft hingegen gut da. Die Risikovorsorge im Verhältnis zum Ertrag betrug hierzulande zuletzt 12 Prozent und war damit fast auf dem Vorkrisenniveau von 11 Prozent. Auch Osteuropa hat sich hier verbessert, dort lagen die Risiken 2012 nur mehr bei 18 Prozent des Ertrags. Der europäische Schnitt betrug 16 Prozent. Massive Anstiege gab es in den Krisenländern Südeuropas: Italien, Spanien und Portugal verfügten 2012 über ein Risikovorsorge-Einkommensverhältnis von 46 Prozent. Heuer erwartet A. T. Kearney einen weiteren, wenn auch flacheren Anstieg. Die Entwicklung hänge stark an der wirtschaftlichen Lage, sagte Chikova. (APA, 23.7.2013)

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    Von goldenen Zeiten können auch die heimischen Institute derzeit nur träumen.

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