Ende der Doppelspitze weckt Unbehagen bei SAP-Belegschaft

23. Juli 2013, 12:37
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Amerikaner Bill McDermott übernimmt 2014 die Alleinherrschaft

Vor wenigen Tagen war noch alles wie immer. "Ich übergebe an meinen Partner und Freund Jim Hagemann Snabe", sagte SAP-Co-Chef Bill McDermott bei der Vorlage der Quartalszahlen vergangene Woche. Die Formulierung wird der 51-Jährige in Zukunft nicht mehr verwenden können. Die Doppelspitze wird es vom kommenden Jahr an nicht mehr geben. Das "Co" wird gestrichen. Das Traumpaar bei SAP trennt sich.

"Ich werde jetzt mehr Zeit in Deutschland verbringen"

McDermott und Snabe galten als perfekte Ergänzung. Das Verkaufstalent und der analytisch denkende Mathematiker. Der euphorischere Amerikaner und der empathischere Däne. Nun wird McDermott, der im Gegensatz zu Snabe nur einige Brocken Deutsch spricht, den Konzern alleine führen. McDermott hatte seinen Arbeitsplatz bisher an einem der drei US-Standorte der Firma in Pennsylvania. "Ich werde jetzt mehr Zeit in Deutschland verbringen", kündigte McDermott an und fügte hinzu, er wolle auch Deutsch lernen.

In zehn Monaten, nach der Hauptversammlung im Mai 2014, wird Snabe den Vorstandsvorsitz abgeben und in den Aufsichtsrat wechseln - sofern 25 Prozent der Aktionäre zustimmen. Einen Konflikt habe es nicht gegeben, heißt es in Unternehmenskreisen. Plattner sagte, Snabe habe von Anfang an gesagt, er wolle den Job nicht für immer machen.

"Ich habe das Gefühl, dass ich etwas an meine Familie zurückgeben muss"

Snabe begründet den Wunsch, seinen bis 2017 laufenden Vertrag vorzeitig aufzulösen, mit seiner Familie. "Ich habe das Gefühl, dass ich etwas an meine Familie zurückgeben muss", sagte der 47-jährige Däne. Seine Frau und seine beiden Kinder leben in der Nähe von Kopenhagen, er sieht sie nur am Wochenende.

Mit dem Weggang von Snabe nimmt der Anteil der Europäer im Vorstand weiter ab. "Das ist eine Schwächung des Standorts Deutschland", sagte Betriebsratschef Stefan Kohl. "Es gibt niemanden im Vorstand mehr, der SAP in Deutschland oder Europa als CEO repräsentieren kann." In der Belegschaft macht sich die Sorge breit, dass SAP sich zusehends in die USA verlagern könnte. Die Frage trieb auch die Aktionäre auf der diesjährigen Hauptversammlung um.

Im Mai hatte SAP die Leitung seiner Kommunikationsabteilung ins kalifornische Palo Alto verlegt. Dort sind bereits wichtige Entwicklungsbereiche angesiedelt. Und Aufsichtsratschef Plattner wird nicht müde, die Vorzüge des Silicon Valley zu loben. "Deren Wille, zu gewinnen, ist enorm - höher als in Deutschland", sagte er jüngst im Interview mit der "Wirtschaftswoche".

"Die Umwandlung in die SE macht es einfacher, den Firmensitz zu verlagern", sagt Betriebsratschef Kohl. 2014 soll SAP in eine europäische Aktiengesellschaft (SE) umgewandelt werden, wenn die Aktionäre zustimmen. Ein SAP-Sprecher beschwichtigt: "Es gibt keinerlei Überlegungen den Unternehmenssitz zu verlagern."

Die "amerikanische" Art

In der Branche fragt man sich auch, wie die Kunden reagieren werden. Snabe hatte einen guten Ruf bei den europäischen Firmen, sagt ein SAP-Kenner, der auch mit Kunden zusammenarbeitet. McDermotts "amerikanische" Art komme dagegen gar nicht so gut an.

Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) will sich nicht zu der Personalie äußern. Snabe hatte sich aber mit festen Zusagen das Vertrauen der deutschen SAP-Kunden erarbeitet. Nachdem sein Vorgänger Leo Apotheker die Firmen mit höheren Preisen verschreckt hatte, erntete er bei einem Treffen der SAP-Kunden 2011 Applaus.

Wer diese Rolle nun einnehmen soll, ist offen. Technikvorstand Vishal Sikka gilt bei Analysten als neuer zweiter Mann des Softwarekonzerns, nachdem er im Mai nach dem Weggang von Cloud-Chef Lars Dalgaard alle Innovationsbereiche zugeschlagen bekam. Doch Sikka spricht noch weniger Deutsch als McDermott. Den Kontakt zu Kunden pflegt eher der 60-jährige Gerhard Oswald, dessen Kompetenzen im Mai ebenfalls noch einmal erweitert wurden. Doch Oswald, heißt es bei SAP, spreche in der Regel lieber deutsch als englisch. Eine ungünstige Konstellation in einem global agierenden Konzern.

Obwohl Doppelspitzen - aus einem Techniker und einem Vertriebsexperten - bei SAP Tradition haben, wird McDermott nun allein herrschen. "Künftig machen wir mit einem einzigen Vorstandschef weiter", betonte Plattner. McDermott lobte die Partnerschaft mit Snabe zwar stets in den höchsten Tönen. Dem Magazin "Capital" hatte er aber einmal anvertraut: Wäre er früher gefragt worden, mit jemandem zusammen Chef zu werden, hätte er erwidert: "Was ist die Pointe?" (APA, 23.7. 2013)

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    Bill McDermott (R) und Jim Hagemann Snabe

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