Die falschen Freunde des Sebastian Kurz

23. Juli 2013, 22:04
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In einem Werbevideo erschienen erfundene Twitter- und Facebook-Freunde des Staatssekretärs - Junge ÖVP nimmt Clip vom Netz und entschuldigt sich

Am Dienstag sorgte ein Werbevideo der Jungen ÖVP für Aufregung. Auf dem Youtube-Kanal der jungen Schwarzen wurde gezeigt, wie sich ÖVP-Staatssekretär Sebastian Kurz für die Jugend einsetzt. Zu diesem Zweck wurde ein Werbevideo "Junge ÖVP - bist du dabei?" gedreht. Eine wichtige Rolle spielten dabei Social-Media-Aktivitäten. Einige der im Video präsentierten Nutzerprofile entpuppten sich aber bei näherem Hinsehen als Erfindungen. Wenige Stunden nach Veröffentlichung dieses Artikels auf derStandard.at wurde das Video vom Netz genommen.

Zum Ausgangspunkt: Im mittlerweile entfernten Video wurden verschiedene Fake-Accounts eingesetzt. Am 28. April etwa twitterte laut dem Video ein gewisser @PaulKe einen Youtube-Link mit dem Kommentar: "Auch in harten Zeiten: Die Junge ÖVP hält zusammen!" Derzeit wird der Twitter-Account @paulke den Profil-Angaben zufolge allerdings von einer Frau in Australien betrieben. Sofern @PaulKe am 28. April diesen Tweet tatsächlich abgesetzt hat, wurde er mittlerweile gelöscht. @paulke aus Australien twittert übrigens ausschließlich in englischer Sprache und kein Wort zu Sebastian Kurz.

Der im Video zitierte Tweet von @sebastiankurz vom 18. April "Unser neuer Zugang zur Integration: keine linken Träumer, keine rechten Hetzer, Integration durch Leistung" scheint in seiner tatsächlichen Twitter-Timeline aktuell nicht auf.

Screenshot: derStandard.at

@PaulKe aus dem Video war genauso wie andere Twitteranti in Kurz' Werbevideo nicht authentisch. Neben @PaulKe sind auch die Gesichter der vermeintlichen Profile von @TinaS, @CuZanko und @SLeo auch auf der Website des Calgary Sexual Health Centre zu finden. Dieses hat seinen Sitz in Kanada. Die Profile von @TinaS und @SLeo existieren auf Twitter tatsächlich, allerdings mit anderen Fotos und in anderen Sprachen.

Screenshot: derStandard.at

Screenshot: derStandard.at

Auch Sebastian Kurz' Facebook-Profil wurde im Video in den schillerndsten Farben dargestellt. In der Realität kommt derzeit keine Statusmeldung von Kurz auch nur annähernd auf über 7.000 "Gefällt mir"-Angaben wie  im Werbevideo  dargestellt. Für die Facebook-Profile "Lena" und "Sabrina" wurden offenbar ebenso Agenturbilder verwendet.

Screenshot: derStandard.at

In dem Werbevideo für den Staatssekretär wurden außerdem vermeintliche Google-Treffer gezeigt. Der Artikel "Junge ÖVP setzt sich durch: Generationen-Scan beschlossen!" wurde demnach im "Kurier" veröffentlicht. Der angezeigte Link existiert allerdings nicht, wie der Kurier selbst berichtet.


Screenshot: derStandard.at

Auch eine Google-Suche nach "Junge ÖVP setzt sich durch: Generationen-Scan beschlossen!" ergibt lediglich Treffer auf Seiten der ÖVP sowie auf ots.at, dem Originaltextservice der Austria Presse Agentur. Besonders pikant: Der vermeintliche "Kurier"-Artikel und der Artikel auf der ÖVP-Website weisen denselben Zahlencode auf: "23305/?MP=61-17194". Offenbar wurde der Linkteil "junge.oevp.at" mit einem Bildbearbeitungsprogramm auf "kurier.at" geändert.

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Screenshot: derStandard.at

ÖVP: "Nicht das echte Internet"

Gegenüber derStandard.at bestätigte die JVP zunächst, dass manche Accounts frei erfunden waren. "Es handelt sich nicht um das echte Internet, sondern um einen Werbefilm für eine Veranstaltung", sagte Stephan Mlczoch, Pressesprecher der Jungen ÖVP. "Wie bei Foldern oder Inseraten wurden Agentur- und Symbolbilder verwendet, so wie das bei anderen Filmen oder Werbeeinschaltungen auch passiert." Warum in dem "Werbevideo" auch vermeintliche Medienlinks dargestellt wurden, wollte der Sprecher nicht beantworten.

Nach Konfrontation von derStandard.at hat die Junge ÖVP das betreffende Video dann mit folgendem Warnhinweis versehen: "Achtung, Achtung. Risiken und Nebenwirkungen. Das ist ein Werbe-Animationsfilm. Nicht alles was gezeigt wird entspricht 100% der Realität (ja, das Leben ist hart). Manche der gezeigten Fotos sind Agenturfotos, andere sind waschechte JVPlerinnen und JVPler. Manche unserer JVP-Erfolge sind nicht immer ganz oben im Google-Ranking, andere schon. Und manche Medien berichten über unsere Arbeit, andere nicht. Das wollen wir ändern. Wir, das sind junge Leute, die sich in der Jungen ÖVP engagieren."

Junge ÖVP nimmt Video vom Netz

Am Dienstagabend erfolgte eine weitere Reaktion der Jungen ÖVP. Sie entfernte das Werbevideo von ihrem Youtube-Kanal und entschuldigte sich via Twitter: "Aufgrund der Aufregung um unser 1 Monat altes Veranstaltungsvideo hier ein paar Worte: Es ist ein politisches Werbevideo und Werbung ist kein reales Abbild. In der "echten Welt" sind unsere Facebook - Fans genauso echt wie unsere Unterstützer. Und falls sich jemand durch das Video, an dem viele von uns ehrenamtlich mitgearbeitet haben, getäuscht fühlt, tut es uns leid. Deswegen nehmen wir's jetzt runter."

Mit falschen Freunden hatte einst auch Bundeskanzler Werner Faymann für Aufregung gesorgt. Für dessen Facebook-Seite wurden gefälschte Accounts verwendet, um die Zahl der "Freunde" zu erhöhen. Kurz' Werbevideo mit den falschen Freunden wird auf der Satireseite "Verein Freunde der Tagespolitik" mittlerweile angeregt diskutiert. Der Nutzer Tom F. meint dort: "Das kommt heraus, wenn Politik mit Mitteln der Werbung gemacht wird."(Katrin Burgstaller, derStandard.at, 23.7.2013)

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