Pentagon gibt Einblick in Syrien-Optionen

23. Juli 2013, 11:29
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Aufwand in Milliardenhöhe für Luftangriffe, militärische Ausbildung der Opposition und Flugverbotszonen

Das Pentagon hat dem US-Kongress erstmals eine detaillierte Liste übermittelt, in der verschiedene Szenarien einer möglichen Intervention in Syrien durchgespielt werden. Ein militärischer Einsatz, um Syriens Präsident Bashar al-Assad zu Fall zu bringen, würde die USA demnach viele Milliarden Dollar kosten und wäre ein großer logistischer Aufwand bei fraglicher Erfolgsquote.

Generalstabschef Martin E. Dempsey gibt sich im Brief an den Kongress vorsichtig und zurückhaltend. Das Militär wäre in der Lage Kämpfer der syrischen Opposition auszubilden und zu unterstützen, Luftangriffe zu fliegen, Flugverbotszonen und Pufferzonen an der Grenze zur Türkei und Jordanien zu errichten. Allerdings würden solche Schritte unausweichlich zu einer langfristigen Verstrickung in der Region führen: "Wenn wir tatsächlich eingreifen, sollten wir auch dafür gewappnet sein, was danach kommt." Dempsey spricht auch aus, dass ein Einsatz der US-Streitkräfte "einer Kriegshandlung" gleichkommen würde, für den es keine Erfolgsgarantie geben könne: "Wir könnten ungewollt Extremisten stärken oder einen Einsatz von chemischen Waffen, die wir kontrollieren wollen, auslösen."

Die syrischen Rebellen zu beraten und zu trainieren würde die USA 500 Millionen Dollar im Jahr kosten. Luftangriffe, Flugverbotszonen und Ähnliches müssten voraussichtlich mit jeweils einer Milliarde Dollar pro Monat finanziert werden.

Veränderte Rhetorik von US-Vertretern

Der Veröffentlichung von Details zu einer militärischen US-Intervention in Syrien ging eine veränderte Rhetorik der US-Regierung voraus. Zwei Jahre lang betonten Minister und Regierungsvertreter in ihren Statements häufig, dass die Tage von Präsident Assad gezählt seien. Seit kurzem wird jedoch implizit zugegeben, dass Assad noch länger an der Macht bleiben könnte. Jay Carney, Pressesprecher des Weißen Hauses, bringt die Möglichkeit einer Spaltung des Landes ins Spiel: "Auch wenn sich die Kräfte auf dem Schlachtfeld verschieben zu scheinen, wird Assad, unserer Meinung nach, nie wieder über ganz Syrien herrschen."

Erste Waffen könnten die USA schon in Kürze nach Syrien schicken. Bisher waren die Waffenlieferungs-Pläne der US-Regierung vom Kongress aufgehalten worden. In den Geheimdienstausschüssen hatte es viele Bedenken gegeben, die von Präsident Obama nun ausgeräumt zu sein scheinen. Die Opposition in Syrien rechnet ab August mit einem tatsächlichen Eintreffen von Waffen. (ted, derStandard.at, 23.7.2013)

  • Generalstabschef Dempsey warnt vor den unvorhersehbaren Konsequenzen die ein Eingreifen in Syrien mit sich bringen könnte.
    foto: ap/applewhite

    Generalstabschef Dempsey warnt vor den unvorhersehbaren Konsequenzen die ein Eingreifen in Syrien mit sich bringen könnte.

  • Brief des Pentagon an den US-Kongress mit Details zu einer Syrien-Intervention.

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