Royal Baby: Es ist ein Bub

22. Juli 2013, 22:05
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Hunderte Journalisten belagern das noble Londoner Krankenhaus, in dem Herzogin Kate am Montag die Nummer drei der britischen Thronfolge zur Welt brachte

Das lange Warten ist beendet: Am Montagmorgen wurde die englische Herzogin Kate ins Londoner St.-Mary's-Krankenhaus aufgenommen. Offenbar hatten sich bei der Gattin des Thronfolgersohnes William erste Anzeichen der bevorstehenden Geburt eingestellt.

Montagabend, kurz nach 21.30 Uhr, dann die Eiltmeldung, dass Kate bereits um 17.24 Uhr (MESZ) einen Buben zur Welt gebracht habe. 3,8 Kilo habe er gewogen. Kind und Mutter gehe es gut - Kate und das Baby würden noch über Nacht im Spital bleiben. Durch eine Gesetzesänderung nimmt das Kind nun nach seinem Großvater Charles und dem Vater William unmittelbar Platz drei der britischen Thronfolge ein - das Geschlecht wäre egal gewesen.

Aufenthalt bei Eltern in Reading

Die letzten Wochen ihrer Schwangerschaft hatte die Herzogin in der Hitze des englischen Hochsommers bei ihren Eltern nahe Reading sowie im Kensington-Palast am Londoner Hyde-Park verbracht. In der Nacht zum Montag hatten sich Wehen eingestellt, sodass die Ärzte der werdenden Mutter, 31, die kurze Fahrt ins Spital nahelegten.

Dort trafen Kate und William gegen sechs Uhr ein und verschwanden, von den wartenden Journalisten weitgehend unbemerkt, durch einen Hintereingang in dem wuchtigen Gebäude.

Nachwuchs mit Nachhilfe

Womöglich sollte die Geburt des weltweit sehnlich erwarteten Babys auch eingeleitet werden, war im Vorfeld noch spekuliert worden, weil das Kind die gemütliche Atmosphäre im Mutterleib freiwillig nicht aufgeben mochte. Den Monarchieberichterstattern der öffentlich-rechtlichen BBC zufolge jedenfalls lag der errechnete Geburtstermin am vorvergangenen Samstag, war also um mehr als eine Woche überschritten.

Im Palast war stets vage von "Mitte Juli"  die Rede gewesen. Mit der Geburtseinleitung hätte "Baby Cambridge" die Tradition seines Vaters aufrechterhalten: Auch William mochte im Juni 1982 seine Erscheinung nicht zum errechneten Termin machen. Für die Einleitung der Geburt machte seine Mutter Diana später gegenüber ihrem Biografen Andrew Morton den hohen Druck durch die Weltpresse sowie ein bevorstehendes Polomatch ihres Gatten Charles verantwortlich.

Bis zu 160 Journalisten

Mindestens letztere Beschwerde entfiel diesmal: In aller Seelenruhe konnte William am Wochenende noch auf Pferderücken dem kleinen Ball nachjagen, ehe er seiner Frau die Hand halten musste. Die Medien sind diesmal, wenn möglich, noch zahlreicher vertreten: Vor dem Lindo-Flügel des Marienspitals wurden bis zu 160 Journalisten gezählt.

Sie stellten so etwas wie den Ersatz dar für den Hofstaat, der einst bei königlichen Geburten anwesend sein musste. Noch bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts gab es auf der Insel die Regelung, der Innenminister müsse vor Ort darüber wachen, dass bei der Geburt des Thronfolgers alles mit rechten Dingen zugeht. Im 19. Jahrhundert noch pflegte der Erzbischof von Canterbury als Vertreter der Staatskirche der werdenden Mutter seine Aufwartung zu machen.

Queen will auf Urlaub

Queen Elizabeth II hat solche Zöpfe rechtzeitig für die Geburt ihres Erstgeborenen Charles im Jahre 1948 abgeschnitten. Von der bevorstehenden Ankunft ihres dritten Urenkels mochte sich die Monarchin, 87, nicht aus dem Rhythmus bringen lassen. Weshalb sie einer Schülerin vergangene Woche auch anvertraute, es sei doch langsam höchste Zeit, "schließlich gehe ich in den Urlaub" .

Kein Twitter, kein Facebook

Für die Bekanntgabe nach der Geburt hatten William und Kate sich für eine traditionelle Variante entschieden. Erst als das Kind da war und Queen Elizabeth II. sowie Premierminister David Cameron informiert waren, wurde eine von den Ärzten unterzeichnete Mitteilung auf den Weg gebracht.

Das Schriftstück, auf dem zwar das Geschlecht, aber noch nicht der Name des Kindes stand, wurde mit einem Auto vom Krankenhaus zum Buckingham Palast geschickt, wo ein Aushang platziert wurde. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 23.7.2013)

  • Geburt eines Thronfolgers (Abbildung ähnlich).
    foto: ap/redman

    Geburt eines Thronfolgers (Abbildung ähnlich).

  • Doktor Marcus Setchell (Mittte) leitete das ärztliche Team bei der Geburt des Babys von William und Kate. Hier ist er zu sehen, wie er den Lindo Wing des St Mary's Hospital verlässt.
    foto: reuters/andrew winning

    Doktor Marcus Setchell (Mittte) leitete das ärztliche Team bei der Geburt des Babys von William und Kate. Hier ist er zu sehen, wie er den Lindo Wing des St Mary's Hospital verlässt.

  • Zu Ehren des royalen Nachwuchses hat das Commonwealth-Mitglied Kanada die berühmten Niagara-Fälle in Babyblau erstrahlen lassen. Auch der 553 Meter hohe CN-Turm in Toronto, der kanadischen Wirtschaftsmetropole, leuchtete nach Angaben eines Sprechers aus diesem Anlass blau. Mehr Bilder von den Feiern weltweit.
    foto: apa/warren toda

    Zu Ehren des royalen Nachwuchses hat das Commonwealth-Mitglied Kanada die berühmten Niagara-Fälle in Babyblau erstrahlen lassen. Auch der 553 Meter hohe CN-Turm in Toronto, der kanadischen Wirtschaftsmetropole, leuchtete nach Angaben eines Sprechers aus diesem Anlass blau. Mehr Bilder von den Feiern weltweit.

  • Auch am Fernsehturm in London wurde die Neuigkeit verbreitet.
    foto: reuters/paul hackett

    Auch am Fernsehturm in London wurde die Neuigkeit verbreitet.

  • Dass hunderte Reporter seit Wochen vor dem St. Mary's Krankenhaus kampieren müssen, ist laut einem in London kursierenden Witz die späte Rache von Prinzessin Kate an der Zunft. Schließlich wurde sie jahrelang vom Boulevard als "Waity Katy" bezeichnet.
    foto: reuters/suzanne plunkett

    Dass hunderte Reporter seit Wochen vor dem St. Mary's Krankenhaus kampieren müssen, ist laut einem in London kursierenden Witz die späte Rache von Prinzessin Kate an der Zunft. Schließlich wurde sie jahrelang vom Boulevard als "Waity Katy" bezeichnet.

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