Klangmeditation als Festspielgast

22. Juli 2013, 18:00
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Die "Ouverture spirituelle" präsentierte in der Kollegienkirche buddhistische Mönchsgesänge aus Japan

Salzburg - Das Klappern der riesigen Holzpantoffeln beim Einzug der Mönche ergibt einen perkussiven Signaleffekt. Eigentlich sind es jedoch die Schneckentrompeten (Hora), die in der Salzburger Kollegienkirche den Beginn der buddhistischen Zeremonie, die zur "Ouverture spirituelle" aus Japan kam, akustisch ankündigen. Dreimal erschallen sie hornartig, worauf die Mönche (nach einem kleinen Rundgang durch die Kirche) die Bühne betreten und sich im Halbkreis postieren. Die Zeremonie kann beginnen.

Das nachfolgende etwa eineinhalbstündige kontemplative Ereignis hat im engeren Sinne keine musikalische Konzertfunktion. Den sogenannten Shomyo-Ritualgesängen der japanischen Shingon-Schule kommt im Grunde meditative Funktion innerhalb der buddhistischen Liturgien zu. Gleichwohl aber ist ein musikalischer Ausdruck sehr wohl auszumachen.

Ganz selten eine Quart

Die Mönche singen vielfach kollektiv im Unisono, was - besonders in diesem halligen Kirchenraum - imposante Wirkung entfaltet. Mitunter lösen sich Einzelstimmen aus dem Chor, die sich in kleinen Intervallen (Sekunde, Terz) bewegen. Ganz selten geht es eine Quart hinunter, und alles wird ohne Vibrato zumeist in langen Notenwerten absolviert. Zwar gibt es auch leicht emphatische, rau klingende Vokalmelismen. Im Grunde dominiert aber ein klarer, ruhiger Tonfall - bis zu jener symbolischen Lesung, die plötzlich auch theatralische Elemente aufzuweisen beginnt.

Beeindruckendes Stimmengewirr: Es werden deftig und durcheinander, also kollektiv, Mantras rezitiert. Zeitgleich entfaltet jeder Mönch die zu Leporellos geformten Buchbände mit einer Hand über dem Kopf, um sie mit der anderen Hand unten aufzufangen. Es sind Texte von Mönch Kukai, dem Begründer dieser japanischen Tradition des Buddhismus.

Die Instrumente - es sind dies Handglocke, Bronzeschale, Rasselstab, Becken und Gongs - haben dabei zumeist nur Signalwirkung oder geben der Rezitation den Rhythmus vor. Ihnen kommt also ein ordnender Effekt zu, sie strukturieren den zeitlichen Ablauf einer Liturgie, die schließlich mit der Auszugsprozession (wieder eingeleitet durch dreimaliges Anblasen der Schneckentrompete) zu Ende ging. Interessant war's und sympathisch ungewohnt für die Salzburger Festspiele.

Beim Auszug wurden übrigens von den Zuhörern Fotos von den Gastmönchen geschossen. Selbige fühlten sich indes nicht gestört, kamen selbst später auf die Bühne zurück, um das Publikum zu fotografieren, das Souvenirs mitnahm. Es handelte sich dabei um zuvor im Weiheritual ausgestreute, bemalte Papierblätter, die als symbolische Opfergaben und Segenszeichen dienten. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 23.7.2013)

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