Motto "Kaufen und Halten" am Zinshausmarkt

22. Juli 2013, 16:34
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Starke Nachfrage, aber deutlich geringeres Angebot im ersten Halbjahr treibt die Preise in Wien – Als Käufer sind die "Parifizierer" im Vormarsch

Der Wiener Zinshausmarkt weist üblicherweise einen starken "Nachlauf" auf, was bedeutet, dass die Grundbucheintragungen den erzielten Transaktionen arg hinterherhinken. Erst viele Monate nach Ablauf eines bestimmten Zeitraums lässt sich deshalb einigermaßen klar sagen, wieviele Transaktionen es gegeben hat.

Beim Immobiliendienstleister EHL weiß man das – und hält das im ersten Halbjahr vorläufig erzielte Transaktionsvolumen dennoch für Besorgnis erregend: Demnach sind von Jänner bis Juni nur 80 Millionen Euro mit Wiener Zinshäusern umgesetzt worden. Im ersten Halbjahr 2012 waren es – den bis dato bekannten "Nachlauf" schon eingerechnet – 329 Millionen Euro.

Unwille zum Verkauf

"Zweifellos überzeichnen die Grundbuchzahlen des ersten Quartals die tatsächliche Entwicklung, doch der Rückgang des gehandelten Volumens ist unübersehbar", erklärt Franz Pöltl, Geschäftsführer von EHL Investment Consulting, in einer Aussendung. Ursache dieser Entwicklung sei vor allem, dass viele potenzielle Verkäufer mangels attraktiver Investmentalternativen mit ihren Verkaufsprogrammen sehr zurückhaltend sind. "Einige Marktteilnehmer, wie zum Beispiel die börsennotierte Conwert, die noch vor wenigen Monaten zu den aktivsten Anbietern von Zinshäusern zählten, halten sich mittlerweile mit Verkäufen stark zurück", so Pöltl.

Der starke Nachfrageüberhang lässt die Preise weiter ansteigen – und dies führt wiederum dazu, dass zunehmend Immobilienentwickler als Käufer am Markt auftreten. Die sind an den Häusern nicht mehr als Rendite-Bringer, sondern zum Zweck der Parifizierung und des Abverkaufs der exklusiven Wohnungen interessiert. "Diese Käufergruppe kann in entsprechend guten Lagen Preise bieten, die beim Erwerb zu Vermietungszwecken oft nicht mehr realisierbar sind."

Neben Versicherungen würden vor allem Privatinvestoren und deren Stiftungen auf die Strategie "Kaufen und Halten" setzen, so EHL-Geschäftsführer Michael Ehlmaier. "Diese suchen in erster Linie einen sicheren Hafen. Die erzielbare Rendite ist nicht das wichtigste Investitionskriterium." (red, derStandard.at, 22.7.2013)

  • Zunehmend erwerben Immobilienentwickler Wiener Zinshäuser, die sie sanieren und die Wohnungen dann als Eigentumswohnungen verkaufen.
    foto: derstandard.at/putschögl

    Zunehmend erwerben Immobilienentwickler Wiener Zinshäuser, die sie sanieren und die Wohnungen dann als Eigentumswohnungen verkaufen.

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