Schweizer bezahlen Steuerabkommen teuer

22. Juli 2013, 15:53
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Weniger unversteuerte Vermögen auf Schweizer Bankkonten als bisher angenommen

Bern/Zürich - Im Gegensatz zum Schweizer Steuerabkommen mit Deutschland, das im Parlament des Nachbarlands gescheitert ist, ist jenes mit Großbritannien wie auch mit Österreich Anfang 2013 in Kraft getreten. Für die Banken in der Schweiz entpuppt sich die einst angestrebte Abgeltungssteuer-Lösung nun aber als teuer, wie Daten zum Abkommen mit den Briten zeigen.

Denn es liegen viel weniger unversteuerte Vermögen auf Schweizer Bankkonten als einst angenommen. Damit diese Vermögen aber auch tatsächlich versteuert werden, haben die Schweizer Banken eine Akontozahlung in Höhe von 500 Mio. Franken (404,5 Mio. Euro) an Großbritannien überwiesen. An Einkünften für Österreich aus dem Deal hat Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) für 2013 eine Milliarde Euro als Abschlagszahlung für vergangene Fälle budgetiert, weitere 50 Millionen Euro erwartet sich der Fiskus an laufenden jährlichen Einnahmen.

Wer wieviel zahlt

Welche Bank wie viel nach Großbritannien zahlte haben die Banken untereinander ausgehandelt. Von den beiden schweizerischen Großbanken UBS und Credit Suisse kamen je rund 100 Mio. Franken, von Julius Bär 28 Mio. Franken. Die anderen Banken trugen je nach Anzahl britischer Kunden ihren Anteil zur Garantiezahlung bei. Im Steuerabkommen ist vorgesehen, dass Großbritannien je nach Höhe der Einnahmen aus Steuernachzahlungen diese Garantiezahlung teilweise oder vollständig zurückzahlt. Eine Rückzahlung beginne laut Angaben des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen bei Einnahmen von 800 Mio. Franken.

Die halbe Milliarde vollständig zurück erhielten die Banken, wenn die Legalisierung alter britischer Vermögen auf Schweizer Banken mindestens 1,3 Mrd. Franken in die Staatskasse in London spülen würde. Davon ist man nun aber offensichtlich weit entfernt. UBS, Credit Suisse und Julius Bär haben ihren Anteil an der Zahlung jedenfalls bereits abgeschrieben. Und die andere Banken dürften es ihnen gleich getan haben oder noch gleich tun.

Selbstanzeige

Gründe dafür, dass wesentlich weniger britisches Geld bei den Schweizer Banken liegt als angenommen, gibt es unterschiedliche. Wie die Schweizerische Bankiervereinigung vor etwas mehr als zwei Wochen mitgeteilt hatte, ist eine hohe Zahl britischer Kunden in Großbritannien gar nicht steuerpflichtig. Zudem haben offenbar aber auch viele Britinnen und Briten den Weg der Selbstanzeige gewählt und ihr Schwarzgeld selbst bei den britischen Behörden deklariert. Angesichts dessen, dass sich mittelfristig ohnehin ein globaler Standard zum Austausch von Steuerdaten abzeichnet, sind solche Selbstanzeigen auch nicht überraschend.

Seitens der Banken wurde als Grund für die überschätzte Höhe der britischen Vermögen auch angeführt, dass die Banken eben tatsächlich keine Informationen zum Steuerstatus ihrer Kunden gehabt hätten. Aufgrund ihrer Geschäftsmodelle hätten sie nicht gewusst und auch nicht wissen können, welche Gelder versteuert waren und welche eben nicht. (APA, 22.7.2013)

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