Seesaiblinge werden in der Arktis größer

22. Juli 2013, 15:49
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Innsbrucker Zoologe sieht längere eisfreie Zeit und dadurch gesteigertes Nahrungsangebot als Hintergründe

Wien - Seesaiblinge in der kanadischen Arktis sind signifikant größer als noch vor 16 Jahren. Das haben österreichische und kanadische Forscher festgestellt, die diese Fischart seit 1997 auf die Anreicherung von Schwermetallen und Schadstoffen sowie die Auswirkungen von Klimaveränderungen untersuchen. Zoologe Günter Köck von der Universität Innsbruck sieht die Hintergründe in der nun merklich längeren eisfreien Zeit und im dadurch gesteigerten Nahrungsangebot. "Daran kann man den Klimawandel festnageln", zeigte sich Köck im Gespräch überzeugt.

Forschungsprojekt "High Arctic"

Diesen Sommer startet die 17. Expedition im Rahmen des Forschungsprojekts "High Arctic". Die kanadische Arktis befinde sich im Umbruch: Seit ungefähr 2005 steige die Temperatur massiv. Habe man früher im Sommer von Resolute Bay aus auf die Nordwest-Passage geschaut, gab es dort oft noch viel Packeis. "Jetzt ist es fast so, wie wenn man von Grado aus in die Adria schaut", so Köck, der an der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) für internationale Programme zuständig ist.

Die Saiblingspopulation im "Resolute Lake" wird seit Projektstart dokumentiert. "Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich mir vor kurzem die biometrischen Daten - also Länge und Gewicht - angeschaut habe. Denn die Fische, die wir fangen, werden signifikant größer und schwerer", sagte der Zoologe. So ein Effekt könnte etwa eine Reaktion auf intensive Befischung sein, doch außer den Forschern fischt dort niemand. Dazu komme, dass die Saiblinge seit Beginn der Untersuchungen immer mit gleich großen Netzen und immer in der gleichen Woche gefangen werden. "Da ist es dann wirklich verwunderlich, dass sie tatsächlich größer werden. Es liegt mit großer Wahrscheinlichkeit daran, dass die Seen viel früher auftauen und die Fische dadurch früher Nahrung haben, die ihnen auch noch länger zur Verfügung steht", sagte Köck.

Angekurbelter Stoffwechsel

Zusätzlich steige auch die Wassertemperatur, was den Stoffwechsel von Fischen ankurbelt. Solche Wärmeeffekte würden zwar postuliert, "aber richtig gemessen hat das noch niemand - schon gar nicht in einem arktischen See", so der Forscher. Darin zeige sich der Mehrwert, den solche Langzeituntersuchungen bringen, denn dieser Prozess werde erst über den langen Beobachtungszeitraum ablesbar.

Heuer bringen die Forscher zum ersten Mal eine ganze Reihe an Sauerstoff- und Temperatursensoren in die Seen ein. So können sie feststellen, wie sich die Temperatur mit zunehmender Tiefe verändert. Diese Informationen sind wiederum wichtig, wenn es um die Analyse des Transformationsprozesses von metallischem Quecksilber in das noch giftigere Methylquecksilber geht. Auch das würde durch die Erwärmung beschleunigt - was zur Anreicherung des Schwermetalls in der Nahrungskette führt. Wie schnell dieser Prozess in den Sedimenten vor sich geht, wollen die Wissenschafter in den kommenden drei Jahren klären.

Für diesen Zeitraum sei das Projekt auch finanziell gesichert. Insgesamt werde es aber immer schwieriger, Geld für langfristige wissenschaftliche Forschung zu bekommen, so Köck. (APA, 22.7.2013)

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