Mit Fremden das Hotelzimmer teilen

23. Juli 2013, 11:12
30 Postings

Eine neue Buchungsplattform soll Alleinreisenden die Möglichkeit bieten, den Preisvorteil eines Doppelzimmers zu genießen - und neue Freunde zu finden

Alleinreisende haben's schwer bei der Buchung von Hotelzimmern. Bei Einzelzimmern müssen sie Aufschlag bezahlen, ein Doppelzimmer kostet von vornherein mehr, wenn man nur alleine drinnen übernachtet.

Diesen Nachteil hat sich ein Unternehmen aus San Francisco jetzt zunutze gemacht und eine Buchungsplattform mit Zusatznutzen ins Leben gerufen. Easynest nennt sich die Seite, die vor zwei Monaten an den Start gegangen ist und Alleinreisenden den Preisvorteil eines Doppelzimmers verschafft - vorausgesetzt, sie haben keine Berührungsängste fremden Menschen gegenüber.

Als "Airbnb für Hotels und Resorts" bezeichnet sich das Unternehmen selbst und will mit seinem Angebot Menschen die Möglichkeit verschaffen, den Luxus eines Doppelzimmers zu einem günstigen Preis zu genießen und gleichzeitig neue Bekanntschaften zu machen.

Mit Fremden aufs Zimmer gehen

Reisende können dabei entweder als "Gastgeber" oder als "Gast" auftreten. Das bedeutet, dass Reisende, die alleine unterwegs sind, entweder das Hotel, in dem sie übernachten wollen, anbieten oder ein Hotel suchen können, in dem ein User ein Zimmer zum Teilen anbietet. Man verabredet sich mittels Webseite und trifft sich dann im Hotel, wo man das Zimmer teilt. Der Gastgeber ist dann für die Buchung und die gesamte Abwicklung verantwortlich.

Auf der Facebook-Seite des Unternehmens werden bereits jetzt Zweifel an der Philosophie laut, ob es sicher und angenehm sein kann, sein Zimmer mit jemandem zu teilen, den man überhaupt nicht kennt. Der Name "Easynest" ist nicht besonders glücklich gewählt, da die großteils englischsprachigen User mit "easy" Frauen assoziieren, die "leicht" zu haben sind. Die Werbesujets von lachenden Mädchen, die auf der Suche sind nach jemandem, den sie in ihr "Nest" einladen können, unterstreicht diesen Eindruck. Easynest betont jedoch, dass es sich bei der Seite nicht um eine Kontaktplattform handelt und man sich in erster Linie an allein reisende, junge Frauen richtet, die einfach neue Leute kennen lernen und die Hotelkosten teilen wollen.

Vertrauen und Glück

Noch steckt Easynest in den Kinderschuhen und es fehlen Sicherheitseinrichtungen auf der Seite. Es wird daher empfohlen, das Geld für das Zimmer erst zu überreichen, wenn man im Hotel eingetroffen ist und nicht vorab zu bezahlen. Abgesehen davon gibt es noch ein paar generelle Sicherheitshinweise, die befolgt werden sollten, wenn man ein Zimmer mit einer fremden Person teilt - der Rest ist Vertrauen und der Verlass auf sein Glück. Es gibt keine Bewertungsmöglichkeit für Gastgeber und Gäste, so dass sich interessierte User kein Bild machen können von der Person, mit der sie möglicherweise mehrere Nächte in einem Zimmer schlafen werden. Beitreten kann man der Seite via Facebook-Account, der auch die bislang einzige Möglichkeit ist, sich vorab ein Bild vom Gastgeber oder Gast zu machen. Easynest empfiehlt außerdem, mit der anderen Person vorab mittels Skype oder Messenger zu plaudern, um diese kennen zu lernen.

Selbstverantwortliche User

Im Moment erhebt Easynest keinerlei Gebühren für die Nutzung der Seite, behält sich jedoch ausdrücklich das Recht vor, Gebühren einzuführen. Ansonsten hält man sich aus den Abläufen heraus und überlässt die Abwicklung den beiden Reisenden. Easynest führt auch keinerlei Kontrollen seiner User durch, behält sich aber das Recht darauf vor. Wenn es in Zusammenhang mit der Übernachtung zu kriminellen Handlungen kommt wie Diebstahl oder sexuelle Übergriffe, sollen sich die User in erster Linie an die Behörden wenden und erst in zweiter Linie an Easynest. Allerdings betont Easynest, dass man sich nicht dazu verpflichtet, etwas zu unternehmen.

Da die Seite noch sehr neu ist, ist auch das Angebot an Hotels noch sehr gering - und umgekehrt ist auch der Ansturm der "Gäste" noch sehr überschaubar. Für die meisten Städte gibt es noch keine Gastgeber, tatsächlich gibt es aktuell beispielsweise ein Angebot für New York, zwei für San Francisco und drei für Barcelona. Für Paris, Rom oder Wien etwa gibt es keine Angebote. (ham, derStandard.at, 22.7.2013)

Info: Easynest

  • Man weiß vorher nicht, wer wirklich im Hotelzimmer wartet. Ein unkalkulierbares Risiko?

    Man weiß vorher nicht, wer wirklich im Hotelzimmer wartet. Ein unkalkulierbares Risiko?

Share if you care.