Schnelltest für die Pest

22. Juli 2013, 15:06
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Eine Infektion mit Yersinia pestis, dem Erreger der Pest, lässt sich künftig möglicherweise leichter diagnostizieren

Die Pest gilt als verheerende Seuche des Mittelalters in Europa, Zentralasien und China. Ihr fielen insgesamt mehr als 200 Millionen Menschen zum Opfer. Doch auch heute ist die Krankheit keineswegs besiegt.

Im Jahr 2002 zog eine Infektionswelle durch den indischen Bundesstaat Himachal Pradesh, 2008 erkrankten 18 Menschen in Madagaskar an der Pest. Ziketan, eine Stadt im Nordwesten Chinas, wurde 2009 unter Pest-Quarantäne gestellt, im gleichen Jahr gab es 16 Fälle in der libyschen Stadt Tobruk. Darüber hinaus treten immer wieder Erkrankungen im US-Bundesstaat Neu-Mexiko auf. Wegen ihrer hohen Ansteckungsrate und der tödlichen Wirkung gehört die Pest zu den gefährlichsten Biowaffen.

Wissenschaftler um Peter Seeberger von der Freien Universität Berlin und Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung (MPIKG) in Potsdam-Golm, haben nun einen einfachen, billigen und zuverlässigen Test für das Bakterium entwickelt.

Jede Stunde zählt

Die Pest kann zwar mit Antibiotika behandelt werden, die Überlebensrate der Patienten verringert sich aber mit jeder Stunde, in der die Krankheit unerkannt bleibt. Unbehandelt verläuft sie je nach Ausprägungsform oft innerhalb kurzer Zeit tödlich. "Der wichtigste Faktor für das Überleben der Pest ist ein frühes Erkennen der Infektion", sagt  Chakkumkal Anish, Leiter der Arbeitsgruppe Glykobiologie am Potsdamer Max-Planck-Institut.

Die Forscher identifizierten und synthetisierten zunächst einen Mehrfachzucker, der für die Oberfläche des Bakteriums charakteristisch ist. Den Mehrfachzucker verknüpften sie mit einem Protein, um die immunologische Wirkung zu steigern. Mit dem Glykoprotein als Antigen lassen sich im Blut von Erkrankten Antikörper auf Yersinia pestis nachweisen. Die Forscher erzeugten mit dem Antigen aber auch Antikörper, mit denen der Pest-Erreger in infizierten Proben direkt festgestellt werden kann.

Eine Art Schnelltest

Mit den Antikörpern lassen sich mit hoher Treffsicherheit Pest-Bakterien identifizieren, ohne dass das Ergebnis durch andere der Pest biochemisch verwandte Bakterien verfälscht würde. Das Ergebnis ist eine Art Pest-Schnelltest, der sich in der medizinischen Praxis auf verschiedene Weise anwenden lässt.

Zum einen eignet sich das Glykoprotein, um es auf Teststreifen aufzubringen und damit als Antigen Antikörper aus dem Blut von Erkrankten einzufangen. Die Komplexe von Antigen und Antikörper lassen sich mit fluoreszierenden Proteinen leicht nachweisen. Zum anderen könnten die Antikörper dazu dienen, den Pest-Erreger in infiziertem Gewebe direkt nachzuweisen. Dabei verraten wiederum fluoreszierende Proteine, ob die Antikörper an die Bakterienoberfläche angedockt haben.

"Solche zuverlässigen Tests lassen sich einfach und kostengünstig herstellen", sagt Peter Seeberger. Somit hat das neue Verfahren gegenüber bisherigen Testmethoden große Vorteile. Bisher werden Pest-Erreger anhand von Phänotypisierung oder anhand ihrer Gene nachgewiesen. Doch die entsprechenden Verfahren sind kompliziert und teuer, können aber vor allem fehlerhafte Diagnosen liefern. (red, derStandard.at, 22.7.2013)

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