Vom Durchmustern der Zeit

22. Juli 2013, 17:00
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Die Reihe [8:tension] für junge Choreografie, an deren Ende auch in diesem Jahr die Verleihung des Prix Jardin d 'Europe steht, wird mit Werken von Liz Santoro, Willy Prager und Jana Unmüßig fortgesetzt

Drei Frauen im Dresscode der Sixties: taillierte Röcke, Blusen, Stöckelschuhe. Zu einem befremdlich-metallischen Sound verharren sie wie Puppen in steifen Posen, vollführen kleine Tänze - bis die perfekte Oberfläche aufbricht. We Do Our Best heißt das Stück der in Paris lebenden amerikanischen Tänzerin und Choreografin Liz Santoro, das am 31. 7. und 2. 8. im Rahmen der Impulstanz-Nachwuchsreihe [8:tension] gezeigt wird.

Santoro setzt die drei Tänzerinnen den Blicken des Publikums aus und hinterfragt mit ihrer von Jacques Tatis Film Playtime (1967) inspirierten Arbeit die Zuschreibungen an weibliche Körper, den Zustand von Beobachten und Beobachtetwerden sowie den Akt einer Performance selbst.

Auch The Victory Day von Willy Prager, an denselben Abenden bei [8:tension] zu sehen, braucht die Zuseher: Der aus Bulgarien stammende Berliner Choreograf klettert schon einmal in die erste Reihe, um das Publikum zum Mitsingen aufzufordern, wenn Jubelklänge ertönen. Sein Stück thematisiert Revolutionen des 20. und 21. Jahrhunderts, beschränkt sich dabei aber auf die Simulation, auf das Spiel mit Symbolen und Zeichen des Protests, die in ihrer Ähnlichkeit als theatralische Mechanismen erscheinen.

Gesten, Posen, Slogans des Aufstands werden von einem als Entertainer fungierenden Trio als Bühnenevent inszeniert: ein politisch-humoristisches Werk, das die emotionale Reaktion des Publikums sucht.

Am 23. und 25. 7. ist bei [8:tension] Farbe, Farbevon Jana Unmüßig zu sehen. Die deutsche Choreografin setzt sich in diesem Stück mit dem Thema Zeit auseinander, lässt ihre vier Tänzerinnen minimalistische choreografische Muster ausführen, die ein und denselben Moment in faszinierender Weise in unterschiedliche Geschwindigkeiten aufteilen. (Sabina Zeithammer, Spezial, DER STANDARD, 23.7.2013)

Dieser Artikel entstand mit finanzieller Unterstützung von ImPulsTanz. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Der "Victory Day" bringt bei dem bulgarischen Choreografen Willy Prager auch festliche Stimmung auf die Bühne.
    foto: neshaka karaddzhinska

    Der "Victory Day" bringt bei dem bulgarischen Choreografen Willy Prager auch festliche Stimmung auf die Bühne.

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