Durchhalten und weitertanzen

22. Juli 2013, 17:00
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Paare tanzen bis zum Umfallen. Und Laien bewegen sich nach dem Skizzenbuch. Die französische Choreografin Mathilde Monnier forscht mit "Twin Paradox " und "Qu 'est-ce qui nous arrive?!? " an den Rändern

Der Savoy Ballroom in der Lenox Avenue im New Yorker Stadtteil Harlem war in der Swingtime-Ära der 1920er-Jahre der Schmelztiegel verschiedener Tanzkulturen. Er hat berühmte (Jazz-)Bands beherbergt und stand Schwarzen wie Weißen offen. Mit den hier stilbildend praktizierten und entwickelten Swing-Tänzen wie Lindy Hop, Jitterbug oder Shim Sham hat sich die französische Choreografin Mathilde Monnier befasst.

Ihr Stück Twin Paradox (2012) orientiert sich an den Marathontänzen der 1920er-Jahre. Monnier untersucht dabei einerseits die Empfindungen und Begriffe von Dauer sowie die Figur des Paares als grundlegende Bewegungseinheit andererseits. Das Paar, das - viel mehr als das bloße Duo - aufeinander schaut und gemeinsam zu überleben versucht. Schließlich wird bei Marathontänzen bis zum bitteren Ende getanzt; da hat man doch gerne ein verlässliches Gegenüber. Schon in ihren 1980er-Choreografien Pudique acide (1984) und Extasis (1985) hat sich Monnier mit der Struktur der Zweisamkeit beschäftigt.

Für ihre zweite in diesem Jahr bei Impulstanz gezeigte Arbeit hat sich Monnier mit dem belgischen Comiczeichner François Olislaeger zusammengetan. Die Tatsache, dass Choreografien auf Papier notiert, also in Form von Zeichnungen "gespeichert" werden, führte zur Idee einer getanzten Graphic Novel.

In Qu'est-ce qui nous arrive?!? ("Was ist los mit uns?!?") tanzen Laien "Situationen" nach, die in einem Skizzenbuch verzeichnet wurden. Körperskizze und echter Körper korrespondieren dann auf der Bühne. (Margarete Affenzeller, Spezial, DER STANDARD, 23.7.2013)

  • "Qu'est-ce qui nous arrive?!?", Odeon, 26. 7., 21.00, 28. 7., 19.00
  • "Twin Paradox", Volkstheater, 29. 7., 21.00

Dieser Artikel entstand mit finanzieller Unterstützung von ImPulsTanz. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Sie können schon fast nicht mehr: Marathontänzer auf dem Weg zum bitteren Ende - in Mathilde Monniers "Twin Paradox".
    foto: marc coudrais

    Sie können schon fast nicht mehr: Marathontänzer auf dem Weg zum bitteren Ende - in Mathilde Monniers "Twin Paradox".

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