Kärnten: Ehemaliger Bezirkshauptmann Traußnig und Ehefrau tot aufgefunden

22. Juli 2013, 11:28
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Hintergründe noch unklar - Traußnig war 22 Jahre lang Bezirkshauptmann von Wolfsberg

Wolfsberg - Arthur Traußnig, pensionierter Bezirkshauptmann von Wolfsberg in Kärnten, und seine Ehefrau sind am Montag erhängt aufgefunden worden. Traußnig war Ende 2012 nach 22 Jahren als Bezirkshauptmann in den Ruhestand getreten.

Ob es sich um einen Doppelselbstmord oder um einen Mord mit anschließendem Suizid handelte, war vorerst unklar. "Die Erhebungen haben gerade erst begonnen", sagte Landeskriminalamtsleiter Gottlieb Türk am Vormittag.

Bezirkshauptmann war Beamter wider Willen

Traußnig war 22 Jahre lang Bezirkshauptmann von Wolfsberg, ins Amt geholt hatte ihn einst Jörg Haider in seiner ersten Periode als Landeshauptmann. Beamter wollte er nie sein, pragmatisiert wurde er trotzdem.

1990 hatte Traußnig die von Haider eingeführte Objektivierung gewonnen, seinen Bauernhof bewirtschaftete er auch als Bezirkshauptmann weiter. Die Objektivität bei der Bestellung als Behördenleiter wurde allerdings bald infrage gestellt, immerhin zog er 1994 für die FPÖ in den Kärntner Landtag ein. Er sei als "unabhängiger Kandidat" angetreten, das Angebot Haiders, der zu diesem Zeitpunkt nicht Landeshauptmann war, sei für ihn ein "Überlebensanker", erklärte er damals.

Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof

Der Rechtsanwalt wurde nach seiner Angelobung im Landtag als Bezirkshauptmann karenziert, der damalige Landesamtsdirektor Reinhard Sladko sah eine Unvereinbarkeit von politischer Tätigkeit und Behördenleitung. Traußnig wehrte sich juristisch und hatte mit seiner Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof Erfolg. Ab 1995 war er wieder Bezirkshauptmann, sorgte aber immer wieder für Wirbel. Einmal ging es um stornierte Strafmandate, ein andermal schwänzte er eine Sitzung der Bezirkswahlbehörde.

Anlässlich seiner Pensionierung im vergangenen Dezember erklärte er der "Kleinen Zeitung", er habe sich zum "Elder Statesman" entwickelt und viele Streitigkeiten lösen können. So etwas wollte er auch in der Pension machen, er wolle sich wieder in die Liste der Rechtsanwälte eintragen lassen oder als kostenloser Mediator für Streitschlichtungen fungieren, kündigte er an. Traußnig und seine Ehefrau Claudia hinterlassen zwei Söhne. (APA, 22.7.2013)

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