Neue Besen kehren fast wie die alten

22. Juli 2013, 10:55
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Austria eröffnete standesgemäß, darauf hatten die Trainer geringen Einfluss. Polster könnte die Nation unterhalten

Wien - Sagt einer, "nach langer Überlegung habe ich dem Schiedsrichter spontan zu seiner Leistung gratuliert", dann muss er eine Bereicherung für die Fußballbundesliga sein. Anton Polster ist also wieder wichtig geworden, zum ersten Mal trainiert er einen richtigen Klub, die Admira. Wobei der vorige Arbeitgeber Wiener Viktoria schon auch diesen Sport betrieben hat, aber maximal halbprofessionell. Polster war sich jedenfalls nicht zu blöd und zu schade, in der Tiefe des Fußballs Erfahrungen zu sammeln.

Dass er ausgerechnet bei seinem Herzensklub Austria Wien debütieren durfte, war eine Laune der Auslosung. Ihm hat gefallen, dass die Fans in der Generali Arena seine Namen gerufen haben. "Ich hab ja hier nicht wenige Tore geschossen, so überraschend war das nicht, aber es geht überhaupt nicht um mich."

Der Jugendwahn ist gnadenlos

Der 49-Jährige ist übrigens der älteste Trainer in der tipp3-Liga, der Jugendwahn ist gnadenlos. Meister Austria ist trotz des 2:0-Sieges gar nicht so streng mit Polster verfahren, in der ersten Halbzeit hat die Admira fast dominiert, zehnmal nicht ungefährlich aufs Tor geschossen. "Das muss uns erst einmal einer nachmachen", sagte der mit "der Leistung absolut zufriedene" Debütant. "Wir haben vieles richtig gemacht, es gibt keinen Grund, die Köpfe hängen zu lassen. Wir werden Punkte sammeln."

Polster ersetzte Dietmar Kühbauer, Kultfigur folgte Kultfigur, da kann die Admira noch so mausgrau sein. Kühbauer sah keine Perspektiven mehr und Polster "meine große Chance". Kapitän Stefan Schwab will nach den ersten gemeinsamen Wochen kein Fazit ziehen. "Polster versucht mit Schmähs, eine positive Energie reinzubringen. Kühbauer konnte streng und manchmal unlustig sein." Der Schmähbruder legt freilich darauf wert, ein ernsthafter Arbeiter zu sein. "Die Mannschaft war angeschlagen, der Abstiegskampf bis zur letzten Runde zehrte an den Nerven. Da muss man sie in Gesprächen aufheitern."

Hosiner-Transfer noch immer möglich

Nenad Bjelica, der neue Coach der Austria, musste nicht wirklich handeln und lustig sein. Er nominierte einfach die Meisterelf. "Blöd wäre ich, Funktionierendes zu ändern." Er dankte Vorgänger Peter Stöger. "Er hat ein intaktes Team hinterlassen, ich muss keine neue Hierarchie aufbauen. Das macht es einfacher." Fast alles wie gehabt. Zum Beispiel erzielte Schützenkönig Philipp Hosiner den ersten Treffer. Sein Verbleib ist weiterhin ungewiss, Chrystal Palace und immer noch Hoffenheim sollen an einer Verpflichtung interessiert sein. Die Transferzeit endet am 31. August. Hosiner sieht es pragmatisch: "Ich bin leidenschaftlicher Fußballer und übe diesen Beruf überall aus."

Kapitän Manuel Ortlechner hat den Trainerwechsel kaum bemerkt. "Es hat keine Brechstangenveränderungen gegeben, an der Seitenlinie sieht man halt ein anderes Gesicht. Ein sehr guter Trainer ist gegangen, ein sehr, sehr guter ist gekommen. Beide sind Kumpeltypen, Bjelica ist eine Spur strikter." Bjelica neigt dazu, Verantwortung zu übernehmen, Selbstkritik zu üben. "Dass wir körperlich erst bei 70 Prozent sind und die geistige Frische teilweise fehlt, nehme ich auf meine Kappe. Das soll sich bald ändern. Trotzdem haben sie die eigene Müdigkeit besiegt."

"Die Gegner geben jetzt 105 Prozent"

Ortlechner hat keine Probleme, als amtierender Meister der Gejagte zu sein. "Es gilt das Bayern-Syndrom. Die Gegner geben jetzt 105 Prozent. Aber in Wahrheit sind wir eher Borussia Dortmund, die Rolle der Bayern hat Red Bull Salzburg." Bereits am Samstag kommt es in Salzburg zum ersten Vergleich, den theoretischen Dortmunder Ortlechner schreckt das nicht. "Die Kunst ist, hungrig zu bleiben."

Anton Polster hatte noch einen Sinnspruch auf Lager. "Fehler macht nur der nicht, der sich nicht bemüht. Die Admira und ich bemühen uns." Fortsetzung folgt. (Christian Hackl, DER STANDARD, 22.7.2013)


  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Bild täuscht ein wenig. Denn Anton Polster hinterließ einen eher unhektischen und durchaus gefassten Eindruck. "Ich kann mich benehmen."

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