Wie "rechts" sind Videospiele?

22. Juli 2013, 18:17
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Rockstar-Games-Titel werfen die Frage auf, wie politisch Videospiele sein können

Auch wenn viele Spiele sich der Behandlung aktueller politischer Themen enthalten, vermitteln sie nicht selten politische Botschaften. Auch bei Titeln der "Grand Theft Auto"-Macher, Rockstar Games, scheint eine gewisse Schlagrichtung erkennbar, wie Jon Hochschartner bei Salon.com anmerkt.

Als Beispiele nennt er das Western-Epos "Red Dead Redemption" und das Krimi-Abenteuer "LA Noire". Ersterer hat sich als Setting unter anderem die mexikanische Revolution ausgesucht. Protagonist John Marston ist nach eigener Deklaration kein Mann politischer Prinzipien. Er kämpft auf beiden Seiten, ehe er sich – mehr aus persönlicher Motivation denn politischer Überzeugung – endgültig den Rebellen anschließt.

Klassenkampf

Rockstar porträtiert die Diktatur als brutal und korrupt, seine Gegner werden aber in kaum einem besseren Lichte dargestellt. Das Spiel nimmt sich auch der "Klassen-Frage" an. Unter den Rebellen findet sich die aus dem Bauernstand stammende Luisa Fortuna, die ehrlich ihrer Sache überzeugt ist.

Sie hat sich hoffnungslos in einen lokalen Guerillaführer verliebt, der Marston erzählt, dass er niemals eine Bäuerin heiraten würde und selbst nicht sympathischer erscheint, als die Tyrannen in der Regierung. Seine unehrliche Zuneigung zur Sache und Luisa ließe durchaus mit seiner noblen Herkunft erklären.

Der Staat ist keine Lösung

Auch wenn sich die Erzählung letztlich auf die Seite der Rebellen schlägt, bleibt letztlich die Botschaft übrig, dass eine Regierung niemals die Interessen der Menschen vertreten kann, egal unter welchen Umständen und wie sehr sich auch die Massen dafür ins Zeug werfen.

Stereotypen

In "LA Noire" trifft man auf einen Verdächtigen, der kein negativeres Stereotyp des "linken" Spektrums darstellen könnte. Er bezeichnet sich als Kommunist, gibt sich hochnäsig, trägt aber gleichzeitig Ascotkrawatten, sieht auf die "Arbeiterklasse" herab und schlägt Frauen. Was den Kriminalfall angeht, entpuppt er sich aber als unschuldig.

Die Liste lässt sich erweitern. Auch in "Max Payne" stellt sich die Staatsmacht, welcher der gleichnamige Protagonist als Polizist angehört, letztlich als korrupter Feind heraus, der mit Verbrechern gemeinsame Sache macht. Am Ende muss er es mit allen auf einmal aufnehmen, um die Ordnung wiederherzustellen und Rache für seine persönlichen Verluste zu üben.

Logische Folge oder gewollte Kritik?

Es stellt sich die Frage, ob Videospiele nicht tendenziell anti-liberale Positionen einnehmen, oder dies einfach eher der Einstellung von Rockstar entspricht. Oft genug lässt die Notwendigkeit, den Spieler zum mutigen Einzelkämpfer zu stilisieren aber auch wenig Freiraum, ihm helfenden Beistand der Behörden angedeihen zu lassen oder den Staat nicht in den verschwörerischen Plot einzubeziehen.

Rockstars Herangehensweise, so Hochschartner, könnte andererseits aber dazu führen, dass mehr Leute sich mit anti-kapitalistischen Positionen auseinandersetzem. Frei nach dem Motto: Besser irgendeine Form von Aufmerksamkeit, als gar keine. (red, derStandard.at, 22.07.2013)

  • Exkurs:
Die Begriffe "rechts" und "links" in diesem Artikel entsprechen nicht dem mitteleuropäischen Gebrauch, sondern dem amerikanischen. In diesem Kontext steht "rechts" für den Glauben an die Kräfte des Marktes und den Wunsch nach einem schwachen Staat, der nur das Nötigste regelt. "Links" hingegen umschreibt die gegenteilige Position, den Glauben an einen starken Staat.
    foto: rockstar games

    Exkurs:

    Die Begriffe "rechts" und "links" in diesem Artikel entsprechen nicht dem mitteleuropäischen Gebrauch, sondern dem amerikanischen. In diesem Kontext steht "rechts" für den Glauben an die Kräfte des Marktes und den Wunsch nach einem schwachen Staat, der nur das Nötigste regelt. "Links" hingegen umschreibt die gegenteilige Position, den Glauben an einen starken Staat.

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