Froome gewinnt 100. Tour de France

21. Juli 2013, 22:14
165 Postings

Es ist der zweite britische Sieg in der Geschichte des Rennens, der Deutsche Marcel Kittel gewinnt die Schlussetappe

In der Pariser Abendsonne stand mit Christopher Froome der Gewinner der 100. Tour de France auf dem Podium und genoss den größten Moment seiner Laufbahn. Die Arbeit war erledigt - zum zweiten Mal in Folge siegt nach Bradley Wiggins ein Brite beim wichtigsten Radrennen der Welt.

Contador zollte Anerkennung

Auf der "Tour d'Honneur" hatte der als Topfavorit gestartete Froome zuvor drei Wochen Strapazen, drei Wochen Druck, drei Wochen Kampf um die Gesamtführung, die immer auch von bohrenden Fragen der Doping-Zweifler begleitet waren, genüsslich ausklingen lassen. Froome posierte für Fotos, sein geschlagener Herausforderer Alberto Contador zollte ihm Anerkennung - und auch das traditionelle Glas Sekt ließ er sich nicht nehmen. Zahlreiche britische Fans säumten wie 2012 den weltberühmten Pariser Prachtboulevard, der Union Jack war nicht zu übersehen. "Mein Glück ist nicht zu beschreiben. Es wird eine Weile dauern, es zu begreifen", sagte Froome.

Für den deutschen Sprinter Marcel Kittel endete die Tour, wie sie begonnen hatte: mit einem Besuch auf dem Podium. Im Sprint auf dem Kopfsteinpflaster des Pariser Prachtboulevards siegte er vor André Greipel und Mark Cavendish und verdiente sich ein weiteres unvergessliches Erlebnis. "Das ist einfach geil, es ist der Hammer. Das ist mein Traum, der wahr geworden ist", sagte er. Die konzentrierte Arbeit der Teams Quick Step und Argos hatte zuvor den erwarteten Massensprint herbeigeführt.

Stark im Zeitfahren, dominant in den Bergen

Für Froome war der Gesamtsieg Lohn für ein Rennen, in dem er nie ernsthafte Zweifel an seiner Ausnahmestellung hatte aufkommen lassen. Stark im Zeitfahren, dominant in den Bergen - Chris Froome ist ein würdiger Gewinner des "Maillot jaune". "Es ist ein unglaubliches Gefühl", sagte der 28-Jährige, als er den Triumph auf der schweren letzten Alpenetappe am Samstag in trockene Tücher gebracht hatte. Nur den Kolumbianer Nairo Quintana (Movistar) und Joaquim Rodriguez (Spanien/Katjuscha), die neben ihm auf dem Podium standen, hatte er ziehen lassen müssen. Zu gefährden war Froome da aber längst nicht mehr.

Noch im Vorjahr hatte er für Bradley Wiggins den Edelhelfer spielen müssen - trotz eines besseren Leistungsvermögens bei den schweren Anstiegen. 2013 stellte sich das Sky-Team - wenn auch ohne den verletzten Wiggins - voll in den Dienst Froomes. Allen voran der Australier Richie Porte erwies sich als treuer Adjutant, reichte seinem Chef etwa einen Zuckernachschub, als dieser auf dem Weg nach Alpe d'Huez Schwäche zeigte.

"Kaum in Worten zu beschreiben"

Froomes Triumph jedoch war nie wirklich bedroht und für den gebürtigen Kenianer letztlich nur schwer zu fassen. "Die Reise, die für mich auf einem Mountainbike auf den kleinen Straßen Kenias begann und mich nun hier in das Gelbe Trikot geführt hat, ist kaum in Worten zu beschreiben", sagte Froome.

Kaum zu glauben waren die überragenden Vorstellungen Froomes für viele seiner Kritiker. Seit er auf der achten Etappe nach Ax-3-Domaines die Gesamtführung übernommen hatte, begleitete ihn die öffentliche Skepsis. Die entsprechenden Fragen parierte Froome zumeist mit stoischer Ruhe, im Gegensatz zu Vorjahressieger Bradley Wiggins, der diese als Affront verstand. "Es ergibt ja Sinn, wenn man sich die Geschichte der Tour anschaut. Jeder Radprofi im Gelben Trikot würde stark kritisiert werden. Ich akzeptiere und verstehe das."

Dopingverdacht im Mittelpunkt

Nur einmal klang bei Froome so etwas wie Verbitterung durch, am Tag nach seiner Gala am Mont Ventoux. Sein bis dahin größter Sieg interessierte kaum, der Dopingverdacht stand im Mittelpunkt.

Die 101. Ausgabe der Tour de France startet im kommenden Jahr am 5. Juli in der englischen Grafschaft Yorkshire, inmitten der aktuellen Radsportbastion Großbritannien. Wie bei der Jubiläumsausgabe gibt es zum Auftakt keinen Prolog, sondern eine klassische Flachetappe. Über 190 km führt die Strecke von Leeds nach Harrogate. Froome will dort seine nächste Traumreise beginnen. (sid, 21.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Froome überquert die Ziellinie mit seinem Team.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hier kommt das Feld ...

  • Bild nicht mehr verfügbar

    ... die Seine entlang.

Share if you care.