Interreligöse Konferenz: "Auch Frauen können über Gott sprechen"

22. Juli 2013, 13:33
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Bei der interreligiösen Konferenz "Com Unity Spirit" trafen sich Vertreter von 15 Religionsgemeinschaften und internationale Wissenschafter in Graz. In einer Abschlusserklärung will man Orientierungshilfen für konstruktives Zusammenleben in Kommunen schaffen

Graz - Frauen mit Kopftüchern, also katholische Nonnen und Muslimas, Männer in weinroten buddhistischen Gewändern oder mit jüdischer Kippa auf dem Kopf, Frauen in Saris: Die rund 150 Teilnehmenden, die aus aller Welt zur interreligiösen Konferenz nach Graz gekommen waren, boten auch optisch ein Bild der Vielfalt. Von Mittwoch bis Samstagabend prägten sie, gemeinsam mit Chören aus 35 Nationen von den zeitgleich stattfindenden World Choir Games, das Innenstadtbild.

Im Kunsthaus, Minoritenkloster, Rathaus, in der Synagoge und auf dem Schlossberg traf man sich mit einem Ziel: Strategien zu einem friedlichen, respektvollen Zusammenleben von Menschen verschiedener Konfessionen zu finden. Neben religiösen Würdenträgern waren Theologen und Kulturwissenschafter gekommen.

Datteln und Wasser

In Workshops, Referaten und Podiumsdiskussionen wurden Themen wie Spiritualität, Verantwortung von Religionen im öffentlichen Raum, Menschenrechte, Sexualität, Medien, "religious correctness" sowie Religionsfreiheit, -kritik und -wechsel erörtert.

"Wenn Städte Vielfalt als Bereicherung und Verantwortung wahrnehmen, stärken sie ihre innere Gemeinschaft und geben zugleich Impulse für ein friedliches globales Zusammenleben", heißt es in der Grazer Erklärung, einem in der Konferenz gemeinsam erarbeitetem Manifest, das noch nicht fertig ist.

Eine zweiseitige "Vorschau" wurde aber schon am Samstagabend auf der Kasemattenbühne am Schlossberg verlesen, bevor man beim Einbruch der Nacht gemeinsam das muslimische Fastenbrechen des Ramadan beging. Datteln und Wasser machten quer durch die Konfessionen die Runde, während Chöre aus der Türkei und Gibraltar "spiritual songs" sangen.

Nicht nur Absichtserklärung

Die Erklärung soll keine reine Absichtserklärung sein, hieß es von den Veranstaltern, dem Afro-Asiatischen Institut und dem Grazer Bürgermeisteramt, sondern konkrete Handlungsanweisungen für das politische und gesellschaftliche Leben beinhalten. "Die Situation, dass heute viele Kulturen und Religionen zusammenleben, gibt es erst seit ein paar Jahrzehnten", sagt Thomas Rajakovics, Sprecher des Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl (ÖVP), dem Standard, "anders als die FPÖ halten wir es nicht für sinnlos, hier Pionierarbeit zu leisten."

Man habe beschlossen, eine Stelle am Afro-Asiatischen Institut, die eigens für den interreligiösen Dialog zuständig ist, langfristig zu sichern. Sie soll von Stadt, Integrationsstaatssekretariat und der Diözese finanziert werden.

"Alle brauchen ein Mitspracherecht"

"Alle Teilnehmer in den Workshops, in denen ich war, hatten den Wunsch, dass die Erklärung wirklich handlungsfähige Vorschläge für Kommunen hat", sagt Hamideh Mohagheghi, Religions- und Rechtswissenschafterin und Dozentin an der Uni Paderborn, dem Standard. Es gebe zwar keine "Pauschalvorschläge" für alle Städte, aber: "Alle, die in einer Stadt leben, brauchen ein Mitspracherecht."

Auf die Frage, wie Mohagheghi die Konferenz, wo alle Religionen in der "Chefetage" von Männern vertreten wurden, als Frau erlebt hat, kritisiert sie die Programmierung der sonst "tollen Veranstaltung": "Auch Frauen können über Gott und Transzendenz sprechen, nicht nur zu Gesellschafts- und Genderfragen." Darauf müsse man achten, "sonst erweckt man den Eindruck, wir Frauen sind nur für praktische Fragen zuständig, nicht für hochphilosophische". Deswegen rate sie zu "gemischten Podien, egal zu welchem Thema!" (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 22.7.2013)

  • Die Glasbrücke namens Needle am Grazer Kunsthaus diente während der Konferenz auch als temporärer Gebetsraum und wurde dafür mit Teppichen ausgelegt.
    foto: schubidu quartett

    Die Glasbrücke namens Needle am Grazer Kunsthaus diente während der Konferenz auch als temporärer Gebetsraum und wurde dafür mit Teppichen ausgelegt.

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