Berg-Sommer: Schon 19 Tote in Österreich

21. Juli 2013, 10:55
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Touristen-Ansturm auf Klettersteige - Lage wegen großen Restschneemengen gefährlich - Bergretter bezweifeln so manche "Panikattacke" vor Hubschrauberrettung

Galtür/Wien - In der laufenden Sommersaison sind auf Österreichs Bergen nach Angaben von Peter Veider, dem Geschäftsführer der Tiroler Bergrettung, bis vor diesem Wochenende (Stand Donnerstagmittag) bereits 16 Menschenleben zu beklagen gewesen. Seither ereigneten sich mindestens drei weitere tödliche Unfälle. 2012 hatte es insgesamt 23 getötete Tourengeher gegeben, was einen dramatischen Anstieg gegenüber 2011 (zwölf Tote) bedeutet hatte.

Veider sieht die Ursachen vor allem in einem immer größeren Touristen-Ansturm auf die wachsende Zahl von Klettersteigen, die "lässiger" werdende Tour-Vorbereitung und nicht zuletzt die akut hohe Gefahrenlage dieses Sommers: "Es gibt viel Altschneereste, vor allem recht viel Schnee über 2.500 Meter - die Leute rutschen schnell aus, können die Lage offensichtlich nicht immer richtig einschätzen", so Veider anlässlich der Casinos/Lotterien "Edelweiß-Bergtour" auf der Jamtalhütte (Galtür).

Crocs

"Generell ist leider zu beobachten, dass die Leute immer unvorsichtiger werden und noch unvorbereiteter als bisher auf den Berg gehen," berichtete Veider. "Oft gibt es überhaupt keine Tourenplanung mehr und niemand kümmert sich um die Wetterlage." Dabei sei der Gipfel nicht das Ziel, unterstreicht der Alpin-Profi: "Das Ziel ist, nach dem Gipfel auch wieder gut runter zu kommen."

Leider nicht gelungen ist dies einem 53-Jährigen am Samstag am Zwanzgerberg bei Klagenfurt. Als der Mann rund 40 Meter über eine Felswand in den Tod stürzte, trug er laut Polizei statt Wanderschuhen Freizeitschuhe aus Kunststoff ("Crocs").

Ebenfalls am Samstag hat ein Ausflug auf die Mittagspitze südöstlich von Pettneu am Arlberg im Tiroler Bezirk Landeck für eine 49-Jährige tödlich geendet. Die Frau war laut Polizei auf dem markierten Bergweg gestolpert und einen steilen Hang hinuntergestürzt. Bereits am Donnerstag starb ein Deutscher beim Abstieg vom Stuibenfall nach Umhausen (Bezirk Imst) im Tiroler Ötztal durch Steinschlag.

Keine Lust zum Runtergehen

Die Bergretter haben jedenfalls mehr als genug zu tun: "Wir haben in Tirol teils Ortsstellen mit 50 bis 60 Einsätzen im Jahr. Das sind ja Freiwillige - daher wird es zunehmend zu einem logistischen Problem, Leute zur Verfügung zu haben", erläuterte der Alpinist.

Wobei die Retter eine neue "Mode", so Veider explizit, zunehmend unter Druck setzt und ärgert: "Immer öfter haben Leute offensichtlich auch keine 'Lust' mehr zum Runtergehen und lassen sich dann von der 'Libelle', dem Hubschrauber des Innenministeriums, einfach ins Tal fliegen - kostet die Betroffenen derzeit ja nichts, die Öffentlichkeit aber schon." Vorgespiegelt würden in solchen Fällen gesundheitliche Probleme in der Höhe, sagte der Retter: "Manche behaupten dann, eine 'Panikattacke' zu haben - aber nicht jede ist wirklich eine. So einen Fall hatten wir in Hall im Außerfern: Nachdem die Betroffenen wegen 'Panik' ausgeflogen worden waren, sind sie einfach weitermarschiert..." (APA, 21.7.2013)

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