Philippe ist neuer König von Belgien

21. Juli 2013, 18:17
166 Postings

Albert II. übergibt Königsamt an seinen Sohn Philippe - Thronwechsel als familiäres Fest in Brüssel

Was macht ein König am Tag seines Rücktritts gleich nach der Morgenmesse und dem Tedeum mit der Familie in der Kathedrale? Er nimmt ein ausgiebiges Bad. Bei Albert II. von Belgien bedeutet das an diesem heißen Sonntag in Brüssel ein unkompliziertes fröhliches Bad in der Menge.

"Vive le roi!", "Es lebe der König!", rufen die Schaulustigen hinter Absperrungen und klatschen frenetisch. Albert II. steigt nicht in die wartende Limousine. Mit seiner Frau Paola an der Seite geht er auf die Leute zu, ergreift viele ausgestreckte Hände. Drei Leibwächter schauen mit Adleraugen in die Menge. "Ich habe hier einen Pastis für Sie", sagt ein Mann und steckt dem Monarchen eine Flasche zu – "für die Pension".

Albert II. lächelt. Er freut sich sichtlich unter strahlend-blauem Himmel. Denn Mathilde, die Frau seines Sohnes und Nachfolgers Philippe, die künftige Königin also, wird wenige Meter entfernt mit Blumen überschüttet. Solche Szenen zum Auftakt nahmen vorweg, wie die Feierlichkeiten zur Thronübergabe an den 53-jährigen Philippe I. bis Mitternacht ablaufen sollten: volksnah, als entspannntes Fest am Nationalfeiertag mitten im Sommer, wenn viele Belgier auf Urlaub sind. Nach der Kirche ging es in den Palast, wo Albert II. als erster von sechs Königen in der Geschichte den Thronverzicht erklärte. Alle Stände, Vertreter aller politischen und regionalen Ebenen des von Spaltung bedrohten Förderalstaates waren vertreten. Sie erlebten ein letztes Mal die Rede von einem, den der sozialistische Premier Elio di Rupo als "großen Staatsmann" pries. "Arbeitet ohne Unterlass am Zusammenhalt des Landes", redete der scheidende König seinem Volk ins Gewissen, "Einheit in der Vielfalt", das sei es, was Belgien ausmache, worin man auch für Europa Vorbild sein könne.

Mit einem "Bussi" für zwanzig Jahre der Stütze an ihn, bedankte er sich bei Paola. Berührend dann, als Albert seinen "im Herzen und im Geist gut vorbereiteten" Sohn umarmte – die Macht übergab.

Da kamen nicht nur Mathilde die Tränen. So war der Weg freigeräumt für Philippe, der weniger leutselig ist. Noch als er im Parlament vis-à-vis des Palastes vor "toute la Belgique" den Amtseid schwor und gelobte, mit allen eng zusammenarbeiten zu wollen, wirkte er verspannt, wusste nicht wohin mit den Händen. Mitten in der Königsrede dann eine kleine Liebeserklärung an Mathilde: Sie verfüge über "einen angeborenen Sinn für zwischenmenschlichen Umgang". Mit ihr gemeinsam und den vier Kindern hoffe er "dieses neue Kapitel unseres Lebens" zu meistern. Da zeigte der alte König wieder sein feines, weises Lächeln.(Thomas Mayer aus Brüssel/DER STANDARD, 22.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Philippe I., König.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    König Albert II. mit seinem Nachfolger Kronprinz Philippe.

Share if you care.