Gemischte Gefühle: HTC One Mini im Hands-on

21. Juli 2013, 15:42
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Kurztest von Vorseriengerät - Top-Display und gute Lautsprecher, Abstriche bei Kamera und Akku

Der taiwanische Elektronikhersteller HTC hat sein vielgelobtes Android-Flaggschiff, das HTC One, wie erwartet geschrumpft. Vor kurzem wurde das Gerät nun als HTC One Mini offiziell vorgestellt und gelangt über den Mobilfunker A1 demnächst auch nach Österreich. Der WebStandard hatte die Gelegenheit, das Smartphone unter die Lupe zu nehmen.

Schrumpfkur

Um dem Namen gerecht zu werden, nimmt sich das One Mini mit einer Displaydiagonale von 4,3 Zoll wesentlich handlicher aus. Auch die Auflösung wurde mitgeschrumpft, anstelle von Full HD werden 1.280 x 720 Pixel geboten – was mit rund 342 PPI eine ordentliche Pixeldichte ergibt. Der Super-LCD-Bildschirm mit Gorilla Glass 3-Kratzschutz vermag übrigens ebenso zu beeindrucken wie jenes des "normalen" HTC One – brilliante Farben und hohe Helligkeit bei sehr guten Kontrasten.

Anstelle einer Quadcore-CPU setzt HTC bei diesem Gerät auf eine Dualcore-CPU der etwas älteren Snapdragon S4-Reihe von Qualcomm. Es gibt einen GB RAM und 16 GB Onboarspeicher. 132 x 63,2 x 9,3 Millimeter misst das Gerät bei recht leichten 122 Gramm Gewicht. Auf der Rückseite steckt eine vier MP starke "Ultrapixel"-Kamera, auf der Vorderseite sind es 1,4 MP.

Der Akku ist mit 1.800 mAh bemessen, vorinstalliert ist Android 4.2.2 mit der vom HTC One bereits bekannten Sense 5-Oberfläche. Dazu serviert HTC auch hier Stereo-Lautsprecher mit "Beats Audio"-Boomsound. Neben Standard-Konnektivitätsfeatures bietet das Gerät auch ein in Österreich funktionierendes LTE-Modem.

Achtung, Vorseriengerät!

Den folgenden Zeilen muss etwas vorweg geschickt werden: Beim Testgerät handelte es sich um ein Vorserienmodell. Während das Gerät also hardwareseitig weitestgehend finalisiert sein dürfte, sind besonders softwareseitige Aspekte dieses Kurztests mit Vorsicht zu genießen. Zusätzlich lief während des Betriebs stets das Monitoringprogramm HTC Tell mit.

Ergonomie und Verarbeitung

Optisch macht das HTC One Mini einen guten Eindruck, ist es im Prinzip doch nichts anderes als eine geschrumpfte Ausgabe seines großen Vorbildes. Der weiße Plastikrand wirkt auf den zweiten Blick leider recht billig, fühlt sich allerdings nicht so an. Die Zierleisten und die Rückseite sind weiterhin aus Aluminium. Insgesamt ist das Smartphone gut verarbeitet.

Durch seine recht kompakte Form liegt das One Mini gut in der Hand. Die hintere Ausbuchtung lässt es etwas ergonomischer in der Hand liegen, allerdings sind Seiten und Rückseite nicht sonderlich rutschfest. Die Einschalt-Taste und die Knöpfe zur Lautstärkeregelung liegen sehr flach am Gehäuse an und haben einen kaum fühlbaren Druckpunkt, weswegen sie sich schwer ertasten lassen. Unter längerer Rechenlast wird das Phone am oberen Teil der Rückseite unangenehm warm.

Flott, aber kleinere Hänger

Im Alltagsbetrieb präsentiert sich das Gerät allgemein flott, zwischendurch gibt es aber merkbare Performance-Einbrüche mit leichtem Ruckeln. Im Allround-Benchmark Antutu erreicht diese rund 11.150 Punkte – etwa auf dem Niveau des HTC One S und halb so viel wie das One. Bei Vellamo steht ein beachtliches Endergebnis von circa 2.300 Zählern im HTML5-Test zu Buche, nur unwesentlich weniger als die "große" Fassung. Letzteres bestätigt sich in durchwegs flüssiger Surf-Leistung.

In Sachen Grafikperformance liefert das Mini beim Egypt HD 2.5 Onscreen-Test des GFX-Bench gerade noch flüssige 24 Frames pro Sekunde. Hier sei nochmal daran erinnert, dass es sich um eine unfertige Fassung des One Mini handelt, eine ausführliche Rezension eines Handelsmodells ist geplant.

Die Sense-Oberfläche ist weiterhin Geschmackssache, da aber viele Einstellungen und Menüs nicht wesentlich von der Standard-UI abweichen fällt die Umgewöhnung nicht schwer. Nur manche Kleinigkeiten (langer Druck auf die Home-Taste startet Google Now statt den Task Manager) stören merklich.

Überzeugende Akustik

In ersten Tests präsentierte sich das HTC als – für ein Smartphone – gelungene Musikmaschine. Die integrierten Stereolautsprecher verrichten hervorragende Arbeit und liefern auch in höherer Lautstärke noch ordentlichen Klang, wenn auch mit fallweisem Rauschen. Hin und wieder verursacht die sonst gute Aussteuerung von Beats Audio kleinere Probleme in Form von Lautstärkeschwankungen.

Eher enttäuschend ist das Ergebnis erster Schnappschüsse (siehe Beispielbild), die zwar gute Farben bieten, aber detailarm und verwaschen wirken. Es bleibt abzuwarten, wie die Kamera bei der fertigen Fassung abschneidet.

Akku als mögliche Schwachstelle

Ein Langzeittest des Akkus war über die Testperiode noch nicht möglich. Soweit ausprobiert machen sich die eher gering bemessenen 1.800 mAh insbesonders im LTE-Betrieb eher negativ bemerkbar. Das One Mini ist sowohl in Sachen Funknetz als auch WLAN angenehm empfangsstark. Wo die Stereolautsprecher brillieren, lieferte der Telefonie-Lautsprecher des Testgeräts aber leider nur unterdurchschnittliche Qualität ab.

Vorläufiges Fazit

Das Vorserienmodell des HTC One Mini hinterlässt gemischte Gefühle. Trotz seltsamer Materialwahl bei den Kunststoffbestandteilen ist das Gerät gut verarbeitet. Es bringt ein Top-Display und für seine Geräteklasse sehr gute Audioqualität mit. Performancetechnisch liegt es deutlich unter dem HTC One, bewältigt aber Alltagsaufgaben trotzdem problemlos.

Die kleineren Ergonomieprobleme fallen in die Kategorie "verschmerzbar". Sorgen machen nach dem ersten Blick Akkuleistung, Kamera und Telefonieakustik – durchaus wesentliche Punkte für ein Smartphone. Ob die Skepsis berechtigt ist, wird sich weisen, wenn die fertige Fassung des One Mini den Markt und die Webstandard-Redaktion erreicht hat.

Anfang August startet das HTC-Telefon in Deutschland und wird kurz darauf auch über A1 in Österreich verfügbar. Die Hersteller-Preisempfehlung liegt bei 449 Euro. (Georg Pichler, derStandard.at, 21.07.2013)


Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde der Redaktion von A1 für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt.

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HTC

A1

  • HTC hat das One geschrumpft. Herausgekommen ist das HTC One Mini, das bald in Österreich zu haben sein wird.
    foto: derstandard.at/pichler

    HTC hat das One geschrumpft. Herausgekommen ist das HTC One Mini, das bald in Österreich zu haben sein wird.

  • Das Gerät ist allgemein gut verarbeitet, optisch macht der weiße Plastikrand aber leider nicht den besten Eindruck.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Gerät ist allgemein gut verarbeitet, optisch macht der weiße Plastikrand aber leider nicht den besten Eindruck.

  • Die Tasten sind schwer zu erfühlen und haben keinen guten Druckpunkt.
    foto: derstandard.at/pichler

    Die Tasten sind schwer zu erfühlen und haben keinen guten Druckpunkt.

  • Die ersten Schnappschüsse mit der "Ultrapixel"-Kamera des Mini liefern eher ernüchternde Ergebnisse. Es bleibt abzuwarten, ob die gefundenen Probleme mit der finalen Fassung des Geräts ausgemerzt werden konnten.
    foto: derstandard.at/pichler

    Die ersten Schnappschüsse mit der "Ultrapixel"-Kamera des Mini liefern eher ernüchternde Ergebnisse. Es bleibt abzuwarten, ob die gefundenen Probleme mit der finalen Fassung des Geräts ausgemerzt werden konnten.

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