Mitangeklagte von "Costa Concordia"-Kapitän erhalten Haftstrafen

20. Juli 2013, 14:07
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Die fünf Verurteilten hatten zuvor Teilschuld zugegeben, für Anwalt der Opfer ist das Urteil zu milde

Grosseto - Fünf Mitangeklagte des Kapitäns des havarierten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" sind am Samstag zu Haftstrafen verurteilt worden. Ein Gericht in Grosseto in der Toskana verhängte italienischen Medienberichten zufolge gegen einen Reedereivertreter und vier Besatzungsmitglieder Gefängnisstrafen zwischen eineinhalb Jahren und zwei Jahren und zehn Monaten.

Die "Costa Concordia" hatte im Jänner vergangenen Jahres einen Felsen gerammt und war gekentert. 32 Menschen sind bei dem schweren Schiffsunglück gestorben.

Krisenmanager erhält höchste Strafe

Mit der höchsten Strafe von zwei Jahren und zehn Monaten wurde Roberto Ferrarini, Krisenmanager der Reederei Costa Crociere, belegt. Er war als einziger der fünf Verurteilten nicht auf dem Boot gewesen. Der Verantwortliche für das Schiffshotel, Manrico Giampedroni, wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Ein Steuermann und zwei Schiffsoffiziere erhielten Haftstrafen zwischen 18 und 23 Monaten.

Allerdings muss voraussichtlich keiner der fünf Verurteilten ins Gefängnis, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Demnach seien die Strafen unter zwei Jahren aufgehoben worden. Die darüber hinausgehenden Haftmonate sollen durch Gemeinschaftsdienst abgegolten werden.

Opferanwalt zutiefst enttäuscht

"Was werden die Familien der Opfer denken? Das ist wirklich enttäuschend", sagte Opferanwalt Daniele Bocciolini. "Schettino bleibt als einziger im Prozess über, aber ich glaube nicht, dass er als einziger Schuld hat", sagte er dem Sender SkyTG24.

Die Angeklagten hatten zuvor zumindest eine Teilschuld an dem Unglück anerkannt, um ihre Strafe zu mildern. Ihr Prozess läuft neben dem Hauptverfahren gegen Kapitän Francesco Schettino, der dem Gericht gleichfalls einen Vergleich angeboten hatte. Auch er will sich teilweise schuldig bekennen, wenn das Strafmaß auf drei Jahre und fünf Monate Haft begrenzt wird. Über den Antrag wurde noch nicht entschieden.

Kapitän hatte Schiff verlassen

Die "Costa Concordia" hatte am Abend des 13. Jänner 2012 bei einem riskanten Manöver einen Felsen gerammt und war nur wenige Meter vor der zur Toskana gehörenden Insel Giglio leckgeschlagen. Schettino verließ das havarierte Schiff und kehrte trotz mehrfacher Aufforderung der Hafenbehörden nicht an Bord zurück, während die meisten Passagiere noch versuchten, sich in Sicherheit zu bringen.

Die "Costa Concordia" liegt bis heute vor der Küste Giglios auf der Seite. Bemühungen zur Bergung des Schiffes dauern an. Für das Mammutverfahren gegen Schettino sind mehr als 400 Zeugen geladen, es gibt 250 Nebenkläger. (APA/Reuters/red, derStandard.at, 20.7.2013)

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    Während das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" noch immer vor der Küste der Insel Giglio liegt, wurden die ersten Urteile gegen die Verantwortlichen ausgesprochen.

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